Monachus

Die Geschichte des abendländischen Mönchtums

 

Leitfaden zur geschichtsnahen Darstellung der monastischen Darstellung

 

Zusammenstellung von Ralf Koch

 Januar 2013

 

 

Inhaltsverzeichnis:

 

Vorwort                                                                  3

Prolog                                                                    3

Die Armutsentwicklung im Mittelalter                        4

Die Geschichte des abendländischen Mönchtums        5

Mönchtum                                                              7

Orden                                                                    8

Ordensregeln                                                          9

Klosteraufbau                                                        10

Klosterleben                                                          12

Klostergemeinschaft                                              14

Priester- und Ordensgewänder                                24

Nonnenliteratur                                                     26

Profess                                                                  27

Mahlzeiten im Kloster                                         27

Kloster Tagesablauf                                                27

Stundengebet                                                       28

Die wichtigsten Gebete                                           42

Anbetung Gottes ( Gebet zur Bußnacht)             53

Mönchs/ Nonnenweihe                                            72

Hospitalgeschichte                                                  74

Reformation                                                           79

Quellen                                                                  80

 

Vorwort

 

Dieses Werk soll einen gewissen Einblick in die Geschichte, Leben und Wirken der monastischen Orden aufzeigen, hierbei soll das Augenmerk auf die geschichtsnahe Darstellung gelenkt werden.

In der heutigen Zeit macht man sich kaum Gedanken wer und was die Mönche und Nonnen tatsächlich waren, zu unbekannt ist das Ordenleben im allgemeinen und dennoch sind sie uns allgegenwärtig bis in unserer Zeit.

 

Viele denken immer wieder, was interessiert mich die Vergangenheit, Gott und Glaube, ich lebe doch im hier und jetzt, dennoch hat uns die Vergangenheit stark geprägt. Viele denken bei den Mönchen eher an den klischeehaften Mönch aus den Robin Hoodverfilmungen und romantisieren dann durch Hollywood das Mittelalter, das entweder recht dunkel und düster dargestellt wird oder eher romantisch kitschig herüber kommt.

Aber all das entspricht nicht gerade der Realität.

Ferner wird auch der Ruhm der großen Ritterorden (Mönche unter Waffen nach der Vorstellung des Kirchenvaters Bernhard von Clairvaux  geb. um  1090 - †1153) hervorgerufen ohne dabei zu wissen was tatsächlich hinter den einzelnen Hintergründen steht.

 

Gerade auf das Reenactment bezogen soll diese Schriftwerk eine gewisse Hilfestellung geben, die Würde und Ansehen der Mönche und Nonnen wiederzuspiegeln.

Prolog

 

Um eine interessante Ausarbeitung zum Thema “Hospitäler, Klöster und Herbergen im Mittelalter” zu erstellen, sollte dem Leser in groben Zügen ein Einblick in die Welt des mittelalterlichen Menschen gereicht werden.

 

Der Mensch lebte in seiner eigenen kleinen Welt, in der Informationen aus der Außenwelt nur zufällig und lückenhaft eindringen konnten. Entsprechend sahen auch die Vorstellungen des Menschen über jenen, ihm unbekannten, Teil der Erde aus. 

Die Menschen sahen die mittelalterliche Welt als klein und überschaubar. Diese Art schloss aber durchaus  noch eine andere Welt in sich ein, welche auf dem religiösen Bewusstsein und dem Aberglauben der Menschen fundierte.

In jeden Gegenstand wurde etwas hineininterpretiert. Jede Erscheinung wurde unterschiedlich ausgelegt und verstanden. So kann man also der Eintönigkeit der damaligen Welt nur bedingt zustimmen.

Interessant zu erwähnen ist auch die Tatsache, dass der Übergang vom Heidentum zum Christentum die Raumstruktur des damaligen Menschen transformierte.

So wurde jeder Raumbegriff einer Hierarchie zugeordnet, in dem sich alle Wesen auf verschiedenen Ebenen der Vollkommenheit bezüglich ihrer Gottesnähe befanden.

Die Idee der Engelshierarchie, welche den Prototyp der irdischen Hierachie darstellte, erfreute sich zur mittelalterlichen Blütezeit in Europa großer Beliebtheit.

Für die Vollständigkeit dieser Zusammenstellung übernehme ich keine Verantwortung.

Die Armutsentwicklung im Mittelalter

 

Zu Beginn des Mittelalters zählte es keinesfalls zu einer Schande, arm zu sein.

Unter dem Begriff “Armut” verstand man einen gewissen Mangel, der das standesgemäße Leben unmöglich machte. Es ist wohl kaum erwähnenswert, dass unter einem standesgemäßen Leben der Fürst etwas anderes verstand, als beispielsweise der Bauer oder der Bettler. Zu einer gottgefälligen Mildtätigkeit berechtigt war allerdings nur der sogenannte “heilige Stand” der Bettler und Obdachlosen.

Bei der Vergabe von Almosen und milden Gaben wurde aber nicht nach der Bedürftigkeit selektiert, denn diese Vergabe beruhte meist einzig und allein auf auf der Tatsache des zu erwartenden “himmlischen Lohns” und wurde ohne System gehandhabt. So wurden Almosen nach der Reihenfolge und Bedeutung kirchlicher Feiertage verteilt.

In dieser Zeit brauchte man nur zu behaupten, arm zu sein und schon hatte man einen Anspruch auf Almosen . Auch der Grund für die Armut wurde nicht ergründet, was betrügerische Bettler zu ihrem Vorteil ausnutzten und beispielsweise vorgaben, einem Bettelorden anzugehören. So lenkten sie die Aufmerksamkeit durch das Vorspielen falscher Tatsachen auf sich.

Doch sollte an diesen Verhältnissen im 15. und 16. Jahrhundert etwas Grundlegendes verändert werden. Die Geldwirtschaft breitete sich immer mehr aus. Somit produzierte man nicht mehr so häufig für den Verbrauch, sondern mehr für den Verkauf auf dem  Markt.

Die Leibeigenschaft und Verschuldung von  Bauern nahm zu, sodass die Opfer in die freien Reichsstädte flohen, wo Arbeit und Lohn knapp waren . Folglich nahm das Bettelwesen Ausmaße an, die nicht mehr zu bewältigen waren. Es wurden Bettelbehörden eingeführt, welche Abzeichen verteilten, ohne die das Betteln verboten war. Zudem sollten zwei stadtbekannte Bürger die Bedürftigkeit der Bettler bestätigen. An dieser Stelle könnte man vermuten, dieses wären endlich Maßnahmen zur gerechtenVerteilung der Almosen gewesen. Doch diese Annahme ist falsch, denn das einzigste Ziel dieser Strategien war die Sparsamkeit der Stadt - so konnte sie die eigenen von den fremden Bettlern selektieren.

Hilfe wurde nun  also stets mit Kontrolle verbunden. Doch ging diese Kontrolle bald über in das Verteilen von Auflagen an die Bettler, welche von nun an “ingezogen, still, fromblich, ehrlich und unverwieslich” sein sollten. Auch die “Stätte des Lasters” wurden für sie unzugänglich und das Leben in freier Ehe wurde ihnen verboten. Selbstverständlich war das Arbeiten für alle, bis auf wenige Ausnahmen, eine Pflicht.

Seit dem 15. Jahrhundert wurde Armut schließlich den Schanden zugeordenet.

Für diesen Wandel in der Sichtweise der Bevölkerung sind mehrere Gründe aufzuführen. Einer liegt wohl in der Starrheit der städtischen Hierarchie. So nutzten Zünfte ihren Machteinfluss aus, um ihre Stellung gegen die nachdrängenden Gesellen und Meister  in Form einer Gewerbeordnung zu festigen. Auch untere Schichten konnten so ihre Stände sichern.

Für die Bettler und Armen änderte sich jedoch ihre Stellung in der Gesellschaft, bei der sie bis dahin die Unterschicht eines jeden Standes bildeten. Nun ähnelte ihr Dasein einem eigenen Stand, und zwar dem untersten.

Ein weiterer Grund für jenen Wandel im 15. Jahrhundert war der steigende Wert von Arbeit und Geld mit dem Aufstieg der Zunfthandwerker und Kaufmannsgilden. Da das Ziel der Arbeit das Einkommen war, kam es innerhalb der Gesellschaft zu dem Trugschluss, einkommenslose Menschen würden nicht genügend arbeiten.

Der entscheidenste Grund liegt aber im entstandenen Netz der  sozialen Sicherheit. Zur Zeit der Ständeerstarrung entstand ein solidarisches Versorgungswerk, welche das Risiko der Armut aufteilen sollte. So konnten Einzelne diesem Jammer entfliehen. Dies kann an den Zunftbüchsen oder anderen Organisationen, durch welche Gesellen nach regelmäßiger Einzahlung notdürftig arbeits- unfalls- und krankenversichert waren, erkannt werden. Übrig blieb eine Restarmut, welche immer kleiner wurde.

 

Durch die Darstellung der Armutsentwicklung soll verdeutlicht worden sein, dass Personengruppen der allgemeinen Armut entnommen und gefördert wurden. Unterschiedliche Gruppen wurden mit der Zeit eigenen Institutionen und Regelungen zugeordnet. Zwei solcher Institutionen sollen nachfolgend betrachtet werden.

 

In nahezu jeder vermögenden Stadt fand man Stiftungen für arme Menschen vor, welche tief religiös geprägt waren. Durch sie sollte die Nächstenliebe gemäß Gottes Willen verkörpert werden. Natürlich spielte- wie bereits an anderer Stelle erwähnt- der Egoismus um das eigene Seelenheil eine treibende Rolle. Diese Einrichtungen regten später die Reformatoren zur Kritik an der Kirche, welche ihrer Meinung nach immer mehr verweltlichte und geistliche Aufgaben verkümmern ließ, an.    

 

Die Geschichte des abendländischen Mönchtums

 

Das christliche Mönchtum entstand im Orient im 3. Jh. Dort lebten die Mönche nach ihrem großen Vorbild, Johannes dem Täufer, als Einsiedler oder Eremiten in den Wüsten Ägyptens, Syriens und Palästinas und hofften, zurückgezogen von ihren Mitmenschen, das ewige Heil ihrer Seele zu finden. Der Begründer des Mönchtums soll laut dem alten Testament aber Elija, der in der ersten Hälfte des 9. Jhs. v. Chr. als Prophet wirkte, gewesen sein.

In Ägypten lebten diese Eremiten jedoch nicht vollkommen isoliert voneinander, sondern bildeten lose Kolonien, in denen sie in strengster Enthaltsamkeit, auch, zur Vollkommenheit gelangen wollten. Als Wohnräume dienten ihnen allgemein selbstgebaute Hütten, aber auch verfallene Ruinen oder aufgelassene Grabhöhlen, in denen sie den Tag mit endlosem Beten und fast unerträglichen Kasteiungen verbrachten. Körperlich dagegen wurde nur gearbeitet, um sich mit den lebensnotwendigen Dingen einzudecken. Als geistigen Mittelpunkt gab es in diesen Kolonien einen erfahrenen Mönch, der aufgrund seiner Begabung, Frömmigkeit und Lebensweise zur Autoritätsperson für die anderen wurde. Die Bindung zu ihm war frei gewählt und konnte jederzeit gelöst werden. Hatte man ihn aber als Autorität anerkannt, musste man sich ihm auch unterordnen. In diesen Kolonien wohnte zwar jeder für sich, aber es gab doch auch einige gemeinsame Veranstaltungen, z.B. trafen sich alle Mönche einmal in der Woche beim Gottesdienst. Auch die Erzeugnisse ihrer Arbeit, z.B. geflochtene Körbe, Matten  etc. wurden von einzelnen dazu bestimmten Mönchen gesammelt, zu den Märkten der Städte gebracht und verkauft. Von dem Erlös kaufte man sich die eigene nötige Kleidung und Nahrung.

Andere Mönche wiederum zogen es vor, nach dem Vorbild der Apostel in enger Gemeinschaft (Koinobitentum) zu leben. In ihrem durch eine Mauer von außen abgeschlossenen Wohnraum, dem Kloster, herrschte eine einheitliche Lebensweise in Nahrung, Kleidung, Arbeit und Gottesdienst. Und alle Mitglieder dieser Mönchsgemeinschaft hatten sich der Mönchsregel und dem Abt, dem sie bedingungslos gehorchen mussten, zu unterwerfen. Während im Eremitentum jeder Einsiedler selbst das Maß seiner Armut bestimmen konnte, durfte der Mönch im Koinobitentum nichts mehr sein Eigen nennen. Das Kloster als Gemeinschaft verfügte einzig und allein über Besitztümer und versorgte die Mönche mit dem Lebensnotwendigen, mit Kleidung, mit dem Essen und Trinken, mit den Betten etc.

Alles, was die Mönche erarbeiteten, die Erträge auf den Feldern, das Kopieren und Herstellen kostbarer Bücher, gehörte dem Kloster, das sich selbst als "Eigentum Christi" sah.

Vermutlich hatte ein Mann namens Pachomios in der ersten Hälfte des 4. Jhds. als erster diese Form von Klostergemeinschaft organisiert. Von ihm jedenfalls stammte die erste, ursprünglich in koptischer Sprache abgefasste Mönchsregel, die später ins Griechische übersetzt und 404 n. Chr. von Hieronymus ins Lateinische übertragen wurde.

Gegen Ende des 4. Jhds. gelangten die Mönchsgemeinschaften und die Eremitenkolonien vom Orient ins Abendland. Hier war seit 313 die christliche Religion der römischen Staatsreligion gleichgestellt worden. Aber schon im Jahr 380 konnte das Christentum den römischen Glauben als Ketzerei abstempeln und verbieten lassen. Dabei hatte der christliche Glaube und Kult selbst bereits viele heidnische und jüdische Elemente übernommen. Abaelard wies auf dieses Phänomen in einem Brief an Heloisa hin: "Viele Bräuche der heiligen Kirche stammen aus dem Heidentum oder Judentum, und die Kirche brauchte sie nur in edlere Form umzugießen. Die ganze Stufenleiter des geistlichen Standes vom Türhüter bis zum Bischof, die Verpflichtung zur Tonsur für alle Diener der Kirche, die Quatemberfasten, das Fest der süßen Brote, ja sogar der Schmuck des priesterlichen Ornates, einige Weihehandlungen und sonstige heilige Gebräuche, all das hat bekanntlich die Kirche von der Synagoge übernommen." (in: Abaelard, ebenda, S. 230)

Zudem erwähnte Abaelard noch, dass die Römer in ihrer Religion Flamines und Archiflamines hatten, die im Christentum die Bezeichnung Bischöfe und Erzbischöfe erhielten. Anstatt wie bei den Römern Götzen zu verehren, zogen die Christen die Reliquien der Heiligen vor. Und das hohe Ansehen des jungfräulichen Standes, dass die Priesterinnen der Vesta verkörpert hatten, wurde im Christentum durch die Nonnen übernommen, die nur im Gegenteil zu ihren römischen Vorgängerinnen beim Brechen ihres Keuschheitsgelübdes nicht gleich lebendig begraben wurden. Den Unterschied zwischen Mönchen und Priestern sah Hieronymus folgendermaßen:
"Wenn Du (gemeint ist ein Priester namens Paulus) das Amt eines Presbyters (Priesters) wahrnehmen willst, wenn Du Gefallen findest an der Würde oder Bürde des Bischofsamtes, dann mußt Du in Städten und festen Plätzen wohnen und Dein Heil suchen in der Rettung anderer. Willst Du aber sein, wie Du heißest, ein monachus, d.h. ein Einsiedler, was tust Du dann in den Städten, die in jedem Fall kein Aufenthalt für Einsiedler sind, sondern doch nur für Leute, denen es erst im dichtesten Gewühl recht wohl ist? Eine jede Lebensrichtung hat ihre Ideale... Um von uns Mönchen zu reden: Bischöfe und Presbyter mögen sich die Apostel und die Apostolischen Väter zum Vorbild nehmen und es sich angelegen sein lassen, nicht bloß deren Rang zu haben, sondern auch ihre Tugend... Die Begründer unseres Standes (Mönchsstandes) sind Elia und Elisa, unsere Führer sind die Söhne der Propheten, die weit draußen in der Einsamkeit hausten und sich am Jordanufer Hütten bauten." (in: Abaelard, ebenda, S. 258)

Die Verbindung zwischen Kloster und Kirche wurde im Konzil von Chalcedon im Jahre 451 in der Form geregelt, dass die Klöster den bischöflichen Diözesen, in denen sie sich befanden, unterstellt wurden. Den Bischöfen wurde zudem das Recht zugestanden, in ihren Amtsbereichen (Diözesen) Klöster zu gründen und Aufsicht über sie zu führen.

Im Gegensatz zum orientalischen Mönchtum wurde das abendländische von den Adligen finanziell und politisch gefördert.

Anfänglich begaben sich hauptsächlich Menschen des niederen Standes in die Klöster. Denn für die arme Bevölkerung war dieser Eintritt ganz bestimmt ein Weg zum Aufstieg in ein besseres Leben. Das Eremitentum dagegen spielte als religiöse Lebensform im Abendland keine so bedeutende Rolle wie im Orient. Auch wurde die Wissenschaftsfeindlichkeit der orientalischen Mönche nicht als Vorbild von den abendländischen Mönchen übernommen. Im Gegenteil, die "Brüder" zeichneten sich hier gerade durch ihre Gelehrsamkeit vor ihren Mitmenschen aus.

 

Von Italien breitete sich das Mönchswesen nach Südfrankreich und auf die britischen Inseln aus. Dabei entstanden durch die Verschiedenheit der Völker und Sitten, der Kleider- und Speisevorschriften, der Form der Liturgie viele unterschiedliche Klosterregeln. Die meisten Anordnungen waren jedoch nur kurze Zeit gültig und wurden schon bald durch neue ersetzt. Nur die Regel, die von Benedikt von Nursia († um 547) für seine Mönchsgemeinschaft in Monte Cassino geschrieben wurde, sollte in die Geschichte eingehen. Gegen Ende des 7. Jhs. gelangte diese Benediktregel nach England, von wo aus sie durch zwei Geistliche, Willibrord († 739) und Bonifatius († 754), ihren Weg nach Deutschland und ins westliche Frankreich fand.

Seit dem 8. Jh. versuchten die Geistlichen, diese Mönchsregel auf Synoden und mit kaiserlicher Hilfe zur einzig gültigen römischen Klosterregel erklären zu lassen.

Durch die Benediktregel konnte jedoch nicht alles, was das Leben im Kloster betraf, geordnet und festgelegt werden. Deshalb ergänzte man sie durch Consuetudines, Ausführungsbestimmungen, die von Kloster zu Kloster verschieden sein konnten. Wer aber war nun im Besitz der allein richtigen Consuetudo?

Wegen dieser Frage brach ein großer Streit zwischen den Klöstern aus. Im 10. Jh. kam es zu der längst erwarteten ersten Abspaltung. Das burgundische Kloster Cluny hielt neben der Benediktregel ihre "cluniazensische" Consuetudo für das gottgefällige Leben im Kloster für die beste und einzig zum Heil führende Ausführungsbestimmung. Im 12. Jh. spalteten sich von ihnen die Zisterzienser ab, die neben der Benediktregel ihre "zisterziensische" Consuetudo für die einzig richtige hielten.

Im 11. Jh. kam es zu einer Krise im Mönchtum, da viele Mönche ihre Großklöster verlassen hatten, um als Eremiten das wahre Heil zu finden. Einige versuchten eine neue mönchische Lebensform zu finden, in der Koinobitentum und Eremitentum miteinander verbunden wurden, wie z.B. die Kamaldulenser und die Kartäuser. Bei ihnen hatte jeder Mönch sein eigenes Haus, das am großen Kreuzgang lag. Kirche und Gemeinschaftsräume befanden sich in unmittelbarer Nähe ihrer Wohnbauten.

Im 13. Jh. entstanden als weitere neue Orden, die Franziskaner und die Dominikaner, die Karmeliten und die Augustinereremiten. Alle vier waren große Bettelorden, die in den mittlerweile zahlreich entstandenen Städten ihr geistliches Betätigungsfeld sahen.

 

Mönchtum

 

Aus dem Verlangen nach Gottesnähe in Einsamkeit und Weltabgeschiedenheit hatten sich in frühchristl. Zeit Einsiedler in unbewohnte Gegenden zurückgezogen. Zu diesen Vorbildern asketischer Lebensweise gesellten sich gelegentlich Schüler, es entstanden coenobitische ( = gemeisam lebende; auch "zönobitische") Klostergemeinden. Von Ägypten und dem Vorderen Orient aus gelangte das Mönchtum im 4. Jh. auch zur röm. Christenheit, wo es in Spanien, Gallien und Irland Fuß fasste. Anders als in der Ostkirche überwog im Westen die coenobitische Form des Mönchtums und setzte sich in der Verfassung des Benedikt von Nursia (ca. 530) als Normalform durch. Mit Unterstützung geistl. und weltl. Mächtiger erlebte das abendländische Mönchtum einen wahren Siegeszug. Unter Karl d. Gr. wurden Klöster systematisch für die Kultivierungs-, Bildungs- und Erziehungsarbeit eingesetzt, die Klosterschulen waren – neben den Dom- und Stiftsschulen – die Keimzellen ma. Gelehrsamkeit. Benedikt von Aniane versuchte im Auftrag Ludwigs d. Frommen um 900 die verschiedenen consuetudines (Ordensregeln) in seinem "Codex regularum" zu vereinheitlichen. Eine neue Zielsetzung erbrachte die Cluniazensische Reformbewegung (10. - 12. Jh.), durch die das Mönchtum auf der Seite des Papstes in die Kirchenpolitik einbezogen wurde. In der cluniazensischen Klosterregel trat die Handarbeit gegenüber dem feierlichen Gebetsdienst stark zurück. Dagegen forderte Bernhard von Clairvauxeine Rückkehr zur ursprünglichen Benediktregel, vor allem zur praktischen Arbeit. Niedrige Arbeiten waren besonders bei Mönchen und Nonnen adliger Herkunft verpönt - und deren gab es viele, wurden Klöster doch geradezu als Versorgungsanstalten für nachgeborene Söhne und Töchter adliger Familien benutzt.
Die Bettelorden des 13. Jh. entstanden aus dem fundamentalistischen Verlangen nach Rückkehr zu den monastischen Tugenden. Außer sexueller Abstinenz, Armut und Gehorsam nahmen sie auch die Unbehaustheit auf sich, als volksnahe Wanderprediger wollten sie vor allem die Massen der Stadtbevölkerung ansprechen. 
Das Mönchtum des HMA. war gekennzeichnet durch ein straff durchorganisiertes Ordenswesen, durch differenzierte Zielsetzungen der Ordensarbeit (Kontemplation, Lehre, Seelsorge, Krankenpflege, Gebetsgedenken, Armenfürsorge) und durch unterschiedliche theologische und kirchenpolitische Tendenzen. Dass sich die Orden teilweise scharf befehdeten, dürfte dem Konzept eines machtbewussten Papsttums eher entsprochen haben. Das ma. Mönchsideal war – wie die wiederholten Reformansätze beweisen – stets durch Degenerations- und Auflösungstendenzen bedroht: Zersplitterung des Ordenswesens in viele eigenwillige Ausrichtungen, Reichtumshäufung hier, Ausbeutung durch die Kommende dort, Verflechtung mit Adelsinteressen, Missachtung der Regel und allgemeine Verweltlichung, ja Zuchtlosigkeit. Im SMA. haben sich diese Tendenzen verstärkt, die monastische Idee ausgehöhlt und geschwächt. 

 

Orden

 

(Ordensgemeinschaften; v. lat. ordo = Reihe, Ordnung, Stand). Eine von der Kirche anerkannte und vom Papst bestätigte, auf Lebenszeit angelegte Gemeinschaft von Männern oder Frauen, die sich durch ein unverbrüchliches Gelübde zu einem Leben gemäß den evangelischen Räten (Armut, Keuschheit, Gehorsam) und unter Befolgung der jeweiligen Ordensregeln verpflichten.
Neben den Mönchsorden (ordines regulares; vorrangig auf Chorgebet, Arbeit, Unterricht und Seelsorge ausgerichtet) gab es Chorherren-Orden (ordines canonici; Haupttätigkeiten: Kontemplation, Chordienst; z.B. Augustiner-Chorherren, Prämonstratenser), Kleriker-Orden (ordines clericorum; durch Predigt und Seelsorge dienend; z.B. Dominikaner), Bettel-Orden (ordines mendicantium; Haupttätigkeiten: Seelsorge, Chordienst; z.B. Franziskaner, Karmeliter, Augustiner-Eremiten) und die Ritterorden (ordines militares; ursprüngliche Haupttätigkeiten: Krankenpflege und Schutz der Pilger im Hl. Land; dazu zählen: DeutschritterordenErlöserordenJohanniter (Malteser, Rhodesier),KreuzherrenordenLazarusordenSchwertbrüderorden von LivlandSpital-OrdenTemplerorden).
Mönchsorden: s. AlexianerAugustinereremitenBenediktinerBernhardinerBettelordenCoelestiner,DominikanerFranziskanerKarmeliterKartäuserKluniazenserPaulanerPaulinerPrämonstratenserServitenVallombrosanerViktoriner,WilhelmitenZisterzienser.
Nonnenorden: s. BirgittenReuerinnen (Magdalenerinnen); weibliche Ordenszweige bestanden auch bei Mönchsorden, so bei Franziskanern (s.Klarissen), Dominikanern (s. Dominikanerinnen), Zisterziensern, Prämonstratensern u.a.
(s. Religiosen)

 

Ordensregeln

Angehörige der christlichen Mönchs- und Nonnenorden lebten nach Regeln, die von anerkannten Autoritäten – meist dem Ordensgründer – aufgestellt und von der römischen Kurie bestätigt (approbiert) worden waren. Die Regeln basierten auf den monastischen Kardinaltugenden von Armut, Keuschheit und Gehorsam (den "drei evangelischen Räten") und auf Ortsbeständigkeit in einer bestimmten Klosterfamilie (anstelle vagabundiererischen Scheinmönchtum); zusätzliche, an Zeit und Umstände angepasste Ausführungsbestimmungen (consuetudines) befassten sich mit dem Klosterleben der Einzelnen und der Organisation der Klostergemeinschaft. Grundlegend für das abendländische Klosterwesen war die Regel des Benedikt von Nursia (6. Jh., s. BenediktinerBenediktregel).
Gegen zunehmende Vernachlässigung der Ordensregeln erhob sich eine ganze Reihe von Erneuerern und Klosterreformern. Deren erster und bedeutendster war Benedikt von Aniane (9. Jh), der sich die Durchsetzung der Regel des Benedikt v. Nursia als im Reich der Karolinger ausschließlich gültiger zur Aufgabe gemacht hatte. Diese Benediktregel wurde ergänzt durch consuetudines, in denen sich die Klöster ohne Anspruch auf Übereinstimmung Satzungen für die Bereiche gaben, die von Benedikt nicht oder ungenügend behandelt worden waren.
Auf die Augustinusregel beriefen sich die Ordensgründer der Dominikaner und Augustiner-Eremiten. In der Franzikus-Regel der Bettelorden traten Ortsbeständigkeit (stabilitas loci) und klösterliche Arbeit gegenüber dem Ideal der Unbehaustheit und des Predigertums zurück. Das IV. Lateran-Konzil (1215; s. Konzilien des MA.) bestätigte neben der letztgenannten auch die Regel der Klara v. Assisi, die auf den Regeln des Benediktus und des Franziskus aufgebaut war. Weitere Ordensregeln sollten gemäß dem IV. Lateranum nicht mehr genehmigt werden; neue Orden mussten eine der bereits bestehenden Regeln annehmen.

 

 

Klosteraufbau

1 Kiriche

2 Totenpforte

3 Laienbruderchor

4 Sakristei - Die Sakristei ist in Kirchen ein Nebenraum, in dem aufbewahrt wird, was für den Gottesdienstbenötigt wird, wie etwa liturgische GewänderParamenteliturgische Geräte (KelcheHostienschalen,LeuchterLiturgische BücherHostienMesswein und Kerzen).

Im Besonderen dient die Sakristei PriesternDiakonenLektoren und Ministranten als Vorbereitungs- und Umkleideraum. Betreut wird die Sakristei üblicherweise vom Küster. Gelegentlich ist in katholischen Kirchen eine zweite Sakristei vorhanden, die für die Ministranten vorgesehen ist.

In den Ostkirchen dient im Allgemeinen der durch die Ikonostase vom restlichen Kirchenraum abgetrennte Altarraum diesem Zweck; daneben gibt es in größeren Kirchen und Kathedralen dasDiakonikon.

Eine altdeutsche Bezeichnung für die Sakristei ist das Garwehaus, das von garven (zurechtmachen, zurechtlegen; vgl. das englische Wort garment) abgeleitet wurde.

5 Kreuzgang - Der Kreuzgang ist ein von Wandelgängen oder Galerien umgebener Innenhof in christlichenKlöstern und in klaustralen Stiftsanlagen. Er dient der Erschließung der umgebenden Kloster- oder Konventsgebäude und war ursprünglich einer der wichtigsten Aufenthaltsräume des Klosters, der für praktische und liturgische Aktivitäten und zum Unterricht genutzt wurde. Die offene Hoffläche konnte auch als Klostergarten oder Friedhof genutzt werden.

Die Bezeichnung deutet auf die Bezüge zu den biblischen Beschreibungen desParadiesgartens (Genesis, Kap. 2) und des Neuen Jerusalems (Offenbarung, Kap. 20) hin.

6 Quadrum mit Garten und Brunnen

7 Kapitelsaal - Der Kapitelsaal – kurz das Kapitel, manchmal auch Kapitelhaus – ist die Versammlungsstätte einer klösterlichen Gemeinschaft. Auch der Versammlungsraum eines Domkapitels und eines Kollegiatstifts wird als Kapitelsaal bezeichnet. Oft liegt der Kapitelsaal im Ostflügel der Klausur und ist vom Kreuzgang aus zu erreichen. Der Kapitelsaal dient dem Konvent, um die tägliche geistliche Lesung, z. B. jeweils eines Kapitels der Ordensregel oder derKirchenväter (daher der Name Kapitel), und geistliche Ansprachen der Oberen anzuhören und Angelegenheiten der Gemeinschaft zu beraten. Wichtige Lebensvollzüge der Gemeinschaft – etwa die Wahl eines neuen Abtes, die Aufnahme von Postulanten bzw.Kandidaten, die Einkleidung von Novizen oder die Ablegung der zeitlichen Profess – finden im Kapitelsaal statt. Daneben wird auch über die Schlichtung von externen oder internen Streitfällen, die Einteilung der klösterlichen Arbeiten, die Verwaltung der Geldmittel etc. beraten. Im Kapitelsaal oder im angrenzenden Kreuzgang wurden nicht selten auch die Gründer oder wichtigen Förderer eines Klosters bestattet.

8 Dormitorium  - Das Dormitorium (lat. „Schlafraum“) ist der Schlafsaal oder Zellengang in einem Kloster. Weitere Bedeutungen sind Ruhe- oder Grabstätte.

In der Anfangszeit der Klöster schliefen alle Mönche oder Nonnen eines Klosters in einem gemeinsamen Schlafsaal, der nur mit Stroh ausgelegt war (dem Dormitorium). Nur der Abt bzw. die Äbtissin oder der Prior verfügten in der Regel über einen eigenen Schlafraum. Aus dem Dormitorium führte eine Treppe direkt in den Chorraum der Kirche. So gelangten die Mitglieder der Klostergemeinschaft für die nächtlichen Gebete schnell an ihr Ziel. In späteren Zeiten wurde das große Dormitorium auch durch Vorhänge oder Holzwände in einzelne Bettstellen unterteilt.

Bei den eremitisch und halberemitisch lebenden Orden waren dagegen von Anfang an einzelne Zellen (lat. cella = kleiner Raum) üblich.

In späteren Zeiten verfügten Mönche und Nonnen in den meisten Ordensgemeinschaften über eigene Zellen. Die Bezeichnung Dormitorium bezeichnete dann den Zellengang des Klosters. In manchen Orden, wie bei den Trappisten, blieb dagegen das Dormitorium als gemeinsamer Schlafsaal erhalten.

9 Kapitelsaal

10 Arbeitssaal

11 Wärmestube - Als Wärmestube oder Kalefaktorium bezeichnet man in Klöstern einen beheizbaren Raum, in dem sich die Mönche oder Nonnen im Winter aufhalten konnten. Mitunter wird mit Kalefaktorium auch nur der Raum unterhalb der eigentlichen Wärmestube gemeint, in dem das offene Feuer für die Heizung brannte. Der für den Betrieb der Wärmestube Verantwortliche war der calefactor (lat.) = Heizer. Daraus entwickelte sich die Bezeichnung Kalfaktor für einen Hilfsarbeiter für einfache Aufgaben.

Wärmestube bezeichnet aber auch eine ambulante Anlaufstelle für Wohnungslose, in der Regel einen Tagestreffpunkt.

12 Refektorium der Mönche Das Refektorium  (von lat.: refectio ‚Wiederherstellung‘, ‚Erholung‘, ‚Labung‘) ist der Speisesaal eines Klosters. Ursprünglich ein freistehender Bau, wird es seit der karolingischen Zeit häufig mit einem Flügel des Kreuzgangs verbunden. Es gehört – neben Kirche und Kapitelsaal – zu den wichtigsten Räumen eines Klosters.

In manchen Klöstern werden die Mahlzeiten von den Ordensleuten schweigend eingenommen, dabei werden oftmals in der Tischlesung vom Tischleser geistliche oder weltliche Literatur, Abschnitte aus demNekrologium des Klosters, dem Martyrologium, der Ordensregel oder auch Nachrichten aus der Presse vorgelesen.

Zeitweise gab es in einigen Klöstern, wie etwa bei den Benediktinern oder Zisterziensern, getrennte Refektorien für Kleriker und Konversen bzw. Chor- und Laienschwestern. Besonders im Barock gab es außerdem häufig ein heizbares Winter- und ein oft nicht heizbares Sommerrefektorium, die meist prunkvoll ausgeschmückt waren (beispielsweise im Stift Geras). Diese Trennungen gibt es heute üblicherweise nicht mehr.

Manchmal gibt es eigene Speisesäle für Gäste. In manchen Klöstern gab bzw. gibt es auch einen gesonderten Speisesaal des Abtes zur Bewirtung besonderer Gäste.

13 Küche

14 Refektorium der Laienbrüder

 

Klosterleben

Das coenobitische Mönchsleben war – soweit es gemäß der asketischen Benediktregel geführt wurde – militärisch-straff durchorganisiert und von geradezu heroischer Selbstverleugnung geprägt. Die spartanische, körper- und lustfeindliche Lebensweise in unbedingtem Gehorsam sollte die Voraussetzung schaffen für eine Annäherung an das monastische Ideal, das zumeist unerreicht blieb und oft genug nicht einmal angestrebt wurde. Ideal und Realiät klafften meist weit auseinander.
Das Klosterleben war auf Gebet und Arbeit ausgerichtet (Benedikt: „Müßiggang ist der Feind der Seele“) und wurde zeitlich gegliedert durch das Chor- oder Stundengebet (liturgia horarum; Tagzeiten; Horen). Zwischen Mitternacht und zwei Uhr begaben sich die Mönche zum ersten der acht vorgeschriebenen Stundengebete, der Matutin (der „Frühmorgendlichen“, bis zum 11. Jh. Matutin genannt), in die Kirche. Den Tag beschloss, je nach Jahreszeit zwischen 18 und 21 Uhr, die Komplet (lat. completorium = Schlussandacht). Die Zeit zwischen den Horen war durch Arbeit ausgefüllt; diese bestand, je mehr Adelige dem Kloster angehörten, umsoweniger aus harter Feldarbeit, allenfalls wurde leichte Gartenarbeit oder eine handwerkliche Tätigkeit verrichtet, meist aber wurde gelesen oder geschrieben. Lesen (studium legendi) und Schreiben (d.h. Abschreiben, Vervielfältigen) galten als Arbeiten im Weingarten des Herren, dienten nicht etwa der Zerstreuung.
Die Mahlzeiten wurden gemeinsam im Refektorium eingenommen. Dabei herrschte strenge Schweigepflicht, man verständigte sich durch Gesten oder mittels einer Zeichensprache. Ein Lektor begleitete das Mahl mit erbaulichen Lesungen aus Heiligenviten oder Legenden. Die Benediktregel sah nur eine tägl. Hauptmahlzeit vor, die aus zwei Hauptgängen bestehen sollte und im Sommer mittags, im Winter zur 9. Stunde (15 Uhr) und während der Fastenzeit nach der Vesper (dem 7. Stundengebet um 18 Uhr) einzunehmen war. Wichtigstes Nahrungsmittel war Brot von verschiedenen Sorten (deren minderwertigste an Fasttagen ausgegeben wurde). Dazu gab es Eier und Käse, Obst, Gemüse, Bohnen, Milch, Honig und Fisch – Fleisch war ursprünglich verboten, kam allenfalls als Krankenkost in Betracht. (Geflügel wurde von manchen Brüdern aufgrund tiefschürfender Überlegungen der Gattung der Fische zugerechnet, ebenso der Biber wegen seines schuppigen Schwanzes. Nicht als Fleisch betrachtet wurden auch ungeborene Kaninchen.) An Getränken gestand Benedikt neben Wasser täglich 1/4 Liter Wein zu. Dass diese Speisenregelung fast nie und nirgends eingehalten wurde, dass in den reicheren Klöstern eher geprasst und gezecht wurde, ist sprichwörtlich und war – neben anderen Missständen – Ursache für immer neue Klosterreformen. Vom 13. Jh. an kannte man zu bestimmten kirchlichen Anlässen eine Zusatzportion zu den Mahlzeiten (s. Pitanz). 
Die Nachtruhe wurde ursprünglich im gemeinsamen Schlafraum (dem dormitorium) verbracht. Die Mönche schliefen angekleidet in Einzelbetten, bei Kerzenlicht und unter der Aufsicht eines der Brüder. Während bei Franziskanern und Dominikanern Einzelzellen von Anfang an Brauch waren, kamen bei den Benediktinern Einzelzellen erst im SMA. auf (Genehmigung durch Papst Martin V., 1419).
Eigenbesitz war den Mönchen nicht gestattet, was sie nötig hatten, stammte aus dem Gemeinbesitz des Klosters. Im wesentlichen waren dies Bettzeug (Matratze, Leintuch, Kopfkissen, Wolldecke) und Kleidung. Letztere sollte einfach und wohlfeil sein, ohne Pelze und Unterkleidung, die Tagesschuhe von Kuhleder. Das charakteristische Mönchsgewand kam erst im FMA. auf, bis dahin kleideten sich die Brüder gemäß der örtlichen Gepflogenheiten. In den Klosterregeln waren auch die hygienischen Bedürfnisse berücksichtigt. Empfohlen wurden wiederholte tägl. Waschungen, zwei Rasuren pro Woche und wenigstens zwei Vollbäder im Jahr, vor Weihnachten und vor Ostern. Zusätzliche Bäder wurden häufig nur aus therapeutischen Gründen gestattet. Der vorbeugenden Gesundheitspflege sollte je ein Aderlass im Frühjahr und im Herbst dienen. Bei dieser Gelegenheit wurde zur Stärkung nach dem Blutverlust besonders gutes und reichhaltiges Essen genehmigt.
Vergehen der Mönche gegen die Regel wurden mit Strafen belegt, die von einem Verweis durch den Abt, Stehen während der Lesung (für den, der dabei eingeschlafen war), Sprechverbot, über Abmahnung vor versammelter Klostergemeinschaft, Fasten, Ausschluss vom gemeinsamen Essen oder vom Chordienst, Amtsenthebung bis hin zur körperlichen Züchtigung und endlich zur Ausstoßung reichten. Anklage, Abmahnung und Strafzumessung geschahen im Rahmen eines Schuldkapitels (capitulum  culparum), das täglich oder einmal wöchentlich im Kapitelsaal abgehalten wurde.
Eine der wichtigsten spirituellen Aufgaben der Mönche und Nonnen war das Totengedenken ( s. memoria) für verstorbene Brüder und Schwestern sowie - vor allem anderen - für den Stifter und dessen Familie. In das Nekrologium - das kalendarische Totenbuch des Klosters - konnten sich auch andere adelige Laien eintragen lassen, um in den Genuss ständigen Fürbittgebets zu kommen. Die für das Gedenken erwartete Gegenleistung in Form von Grundbesitz und anderen geldwerten Schenkungen trugen wesentlich zum Reichtum der Klöster bei.
Die monastische Pflicht der stabilitas loci konnte ausnahmsweise aufgehoben werden, wenn z.B. gelehrte Mönche als Erzieher oder Ärzte an einen Hof bestellt wurden, wenn sie im Dienst der Kunst und der Wissenschaft in die Ferne reisten, wenn sie im Interesse der Klosterwirtschaft Märkte besuchten oder wenn sie als Boten ausgeschickt wurden, traf man dabei auf andere Ordensbrüder oder auf andere Ordensgemeinschaften begrüßte man sich mit „Laudetur Jesus Christi – als Antwort bekam man gesagt“ in aeternam, amen“.

 

Klostergemeinschaft

 

Die Mitglieder der Gemeinschaft stimmberechtigter Mönche (des Konvents) unterlagen zwar unterschiedslos der Ordensregel, beachteten jedoch eine Rangordnung, die sich meist aus dem Professalter, selten aus den geistlichen Weihegraden ergab. Nach der Benediktregel wurden nur zwei Gruppen, die der Älteren (seniores) und der Jüngeren (iuniores), unterschieden. Die Jüngeren schuldeten den Älteren Achtung und Respekt, redeten sie mit nonnus (Vater in Christo) an und wurden selbst als frater (Bruder) angesprochen. Der Konvent erwählte aus seiner Mitte den Abt, der vom Bischof bzw. dem weltlichen Klosterherrn bestätigt und eingesetzt wurde. Der Neuzugang rekrutierte sich bis ins 12. Jh. überwiegend aus Knaben zwischen 7 und 15 Jahren (Oblaten, pueri oblati), die von ihren Eltern der Klosterzucht übergeben wurden. Erwachsene bewarben sich selten um Aufnahme, und wenn, dann um den Lebensabend zur Verbesserung der Aussicht auf jenseitiges Heil zu nutzen. Erst von der Mitte des 12. Jh. an überwog die Zahl der erwachsenen "conversi" (Bekehrten) aus dem Laien- und Priesterstand. An die Aufnahme war die Bedingung einer Schenkung geküpft, die zunächst in einem "Almosen" bestand; später, als der Mönchsnachwuchs überwiegend aus adligen Familien kam, wurde die Übereignung von Grundbesitz üblich, Klöster wurden zu Eignern oft bedeutender Ländereien und folgerichtig zu fast ausschließlich adligen Einrichtungen (nicht zuletzt zur Versorgung nachgeborener Söhne oder unverheirateter Töchter der Donatoren).
Dem Eintritt ins Klosterleben ging das meist einjährige Noviziat (= eigtl. Neulingszeit, v. mlat. novicius = Neuling) voraus, für das ein Mindestalter von 15 Jahren üblich wurde. Während dieser Zeit der Prüfung und Eingewöhnung lebte der Novize unter der Führung eines älteren Mönchs, des Novizenmeisters, in der sowohl von der Außenwelt als auch vom eigentlichen Mönchsbereich (claustrum) abgeschiedenen cella noviciorum und wurde mit der Klosterregel vertraut gemacht sowie in Lesen, Schreiben und Latein unterrichtet. Der Erziehung der jungen Novizen dienten Werke wie „De institutione novitiorum“ des Hugo von St. Victor oder „De gradibus humilitatis“ des Bernhard von Clairvaux. Nach bestandenem Noviziat legte der Adept mit etwa 18 Jahren das Ordensgelübde (die Profess, Mönchsweihe) ab, wurde mit dem Mönchshabit bekleidet und tonsuriert und war fortan Vollmitglied des Konvents. In der Rangordnung der Klosterbrüder stand er allerdings zunächst auf der untersten Sprosse; je nach Zugehörigkeitsdauer, Verdiensten und Ansehen erhöhte sich seine Stellung in der Gemeinschaft. Mit etwa 24 Jahren konnte er die Priesterweihe empfangen.
In Nonnenklöstern galten entsprechende Regeln zum Noviziat; die Novizenmeisterin wurde als magistra tituliert.

 

Familiaren

Familiaren (lat. familiares, familiares monasterii). So wurden vor allem im Deutschritterorden und im Orden der Zisterzienser männl. und weibl. Hilfskräfte benannt, die – ohne ein Gelübde abgelegt und Weihen empfangen zu haben – außerhalb der Ordensgemeinschaft und des Klosterbezirks auf Gütern angesiedelt waren, Land kultivierten und bebauten, Gebäude errichteten und in gewerblichen Betrieben des Ordens arbeiteten. Als Gegenleistung wurde ihnen Unterkunft, Verpflegung und Fürsorge gewährt. Sie konnten vom Orden sowohl saisonal als auch dauerhaft als Klosterknechte und -diener, Handwerker oder Arbeiter verpflichtet werden und unterlagen dessen Grundherrschaft. Sie standen zwar auf der untersten Stufe der Klosterhierarchie - noch unter den Konversen - , hatten aber das Anrecht, auf einem eigenen Teil des Klosterfriedhofs beerdigt und in das Totengedenken ihres Ordens eingeschlossen zu werden. Familiaren entstammten sowohl der Land- wie auch der Stadtbevölkerung und trugen weltliche Kleidung. Als famulus abbatis konnte es ein Familiare sogar zum Kämmerer seiner Abtei bringen.
 

Grangie

Grangie (mlat. grangia = Scheune; v. lat. granum = Korn). Zisterziensischer Agrarbetrieb, der im Eigenbau durch Laienbrüder (fratres conversi, fr. barbati, familiares) und Lohnarbeiter (mercennarii) unter der Leitung eines Grangiars (grangiarius, magister grangiae = Hofmeister) bewirtschaftet wurde. Der Grangiar war dem Kellermeister (cellerarius) des Klosters rechenschaftspflichtig. Die in den Außenbezirken des Klosterlandes gelegenen Grangien betrieben neben Ackerbau auch Obst- und Weinbau, Pferde-, Schaf- und Fischzucht. Zum Baubestand einer Grangie gehörten neben Wohnhäusern auch Stallungen, Heuschober, Getreidekasten und diverse Werkstätten. Das Zisterzienserkloster Salembesaß im 13. Jh. 20 Grangien, von denen vier eine durchschnittliche Größe von 235 Hektar Nutzland hatten. Einige seiner Grangien auf der Schwäbischen Alb waren auf Schafzucht spezialisiert, andere am Bodensee betrieben Weinbau. Auf dem zentralen Salemer Hof wurden 1489 146 Rinder (darunter 26 Milchkühe), zudem 42 Zugpferde und 35 Fohlen gehalten. 
Die Erträge dienten der Versorgung des Konvents, Überschüsse wurden vermarktet. Die klösterlichen Agrarbetriebe waren Schrittmacher der Agrartechnik, weshalb sie – vor allem bei der Ostkolonisation – von Grund- und Landesherren gerne zur Landeskultivierung angesiedelt wurden. Wo derartige zisterziensische Eigenwirtschften entstanden waren, erweiterten sie ihr Agrarland aufkosten der eingesessenen Bauern, deren Flächen sie durch Kauf und Tausch, aber auch durch Erpressung oder Gewaltanwendung an sich brachten, so dass nicht selten ganze Dörfer wüst fielen.

 

Fratres conscripti

fratres conscripti (mlat., = eingeschriebene Brüder). So nannte man Hochgestellte Laien und Weltgeistliche, die einer Klostergemeinschaft angeschlossen waren, ohne selbst Mönch geworden zu sein. Sie durften die Klausur gemäß der Benediktregel nicht betreten; das Verbot wurde zu gewissen Anlässen umgangen, indem man sie in Mönchskutten steckte. So verkleidet nahmen sie an klösterlichen Feiern teil und verliehen diesen durch ihre Anwesenheit und durch reiche Zuwendungen festlichen Glanz und weltliche Geselligkeit. In St. Gallen beispielsweise ließ Bischof Salomo III. seine fratres conscripti an jedem Monatsersten im Kloster ein "Liebesmahl" ausrichten, bei dem Spaßmacher und Musikanten auftraten, Wild, edles Geflügel und andere unklösterliche Genüsse genossen wurden. Ähnliche Gelage, die stets auch Anlass zu ausgiebiger Zecherei waren, veranstalteten Bischof Konrad von Konstanz (934 - 976) und sein Zeitgenosse Bischof Ulrich von Augsburg dreimal im Jahr. Gegen die Einrichtung der fratres conscripti schritten Klosterreformer, wie etwa Nortpert von Stablo in St. Gallen, energisch ein (1034).

 

Klostervasallen

Klostervasallen (mlat. milites, homines ecclesiae). Seit Karl d. Gr. waren Reichsäbte – wie Bischöfe – dem König heerespflichtig. Sie hatten Krieger zu bestellen, die zunächst Freie und Edelleute, später Ministeriale waren. Diese wurden mit Klostergut belehnt und folgten mit ihren Leuten dem Heerbann des Königs gegen äußere Feinde (Normannen, Ungarn, Sarazenen) oder setzten den Willen des Abtes gegen unbotmäßige Untertanen durch. Karl befahl 806 dem Abt Fulrad von Altaich: "Am 20. Mai sollst du mit deinen Männern nach Staßfurt an der Bode kommen ... Jeder Reiter soll Schild, Lanze, Schwert, Dolch, Bogen und Köcher haben. In deinen Wagen sollst du Spaten, Äxte, Picken und mit eisernen Spitzen versehene Stangen sowie alles für die Truppe benötigte Material mitführen. Die Rationen sollen für drei Monate reichen ..." (Zit. nach Deschner.) Aus einer Aufgebotsliste Ottos II. von 981 geht hervor, dass von den 46 angeführten Aufgebotsherren 27 – also mehr als die Hälfte – Bischöfe und Äbte waren, und dass diese ihre Truppen selbst anführten. In St. Gallen beispielsweise werden die milites anlässlich des Ungarnüberfalls von 926 erwähnt.

 

Mönch

Mönch (mhd. mön[ni]ch, mün[e]ch, ahd. munih; v. kirchenlat. monachus = einzeln Lebender, Einsiedler). Einsiedler (auch Anachoret, Eremit, Klausner) oder Angehöriger einer klösterlich (coenobitisch) verfassten geistlichen Gemeinschaft. Der Farbe des Habits nach kannte man grawe müneche (Zisterzienser), swarze müneche (Benediktiner) und wize müneche (Prämonstratenser). Unter Vermönchen (münechen, münchen) verstand man außer der freiwilligen oder zwangsweisen Annahme einer Ordensregel auch die Kastration männlicher Individuen.

 

Mönchsgewand

Mönchsgewand (münichsches kleit). Bei den frühchristlichen Asketen war eine Sonderkleidung unbekannt; üblich war eine einfache und spärliche Verhüllung. Noch Benedikt von Nursia hatte keine Tracht empfohlen, die Mönche sollten sich nach der Art der arbeitenden Bevölkerung der jeweiligen Landschaft kleiden. Erst durch Benedikt von Aniane kam im 9. Jh. die Tendenz zur Vereinheitlichung der Mönchskleidung auf. Diese bestand aus einem Unterkleid (nach dem Vorbild der röm. Tunika), Hosen (femoralia) und einem darüber getragenen knielangen Leibrock mit Ärmeln und Kapuze (Kukulle; v. lat. cucullus = Kapuze). Als Arbeitskleid diente das Skapulier (lat. scapularium = Schulterkleid), eine Brust und Rücken bedeckende und bis zu den Füßen herabfallende breite Tuchbahn mit Kopfloch, an den Seiten unter dem Armloch zusammengenestelt, quasi als Schürze über der Tunika zu tragen („scapulare propter opera“). Fest- und Ausgangskleid war die fußlange, faltenreiche, weitärmelige Talarkukulle (Flocke, Kutte). Die Kleidung wurde durch Gürtel, Strümpfe und Schuhwerk (teilweise Sandalen, gelegentlich wurde auf Schuhwerk ganz verzichtet) vervollständigt. Tunika und Kukulle sollten auch nachts nicht abgelegt werden. Als Besonderheit seien die Nachtschuhe (calcii nocturnales) der Zisterzienser erwähnt.
Schon bald bildeten sich bei den einzelnen Mönchsorden eigenständige Habite heraus, deren Farbe und Schnitt charakteristische Unterscheidungsmerkmale boten. (Nicht selten lag einem Habit ein visionäres Ereignis zugrunde, so z.B. bei den Zisterziensern [St. Harding empfing den schwarzen Gürtel von Maria], den Prämonstratensern, den Dominikanern und den Karmeliten.) Die weiblichen Ordenszweige schlossen sich allgemein den Kleidungsgewohnheiten der männlichen an. Die feierliche Einkleidung war wesentlicher Bestandteil der Aufnahme in die Ordensgemeinschaft (der „Profess“, s. Klostergemeinschaft). Gelegentlich wurden die Kleidungsvorschriften auch vernachlässigt, wie Klagen über modische, gar schamlose Mönchsgewänder belegen.

 

Jeder Orden hat sein eigenes Habit, seine eigene Ordenstracht , die ihn von anderen Orden unterscheidet. In der Regel findet man eine Tunika oder ein Talar als Unterkleid, die mit einem Gürtel, dem Zingulum, zusammengebunden wird. Der Gürtel der Franziskaner ist ein einfacher Strick, der drei Knoten enthält. Dies stellen Armut, Keuschheit und Gehorsam dar. Die Kukulle ist ein weites Obergewand mit einer Kapuze; man findet die Kukulle bei vielen Orden. Hat ein Mönch die Kapuze auf, so will er damit mitteilen, dass er nicht wünscht angesprochen zu werden. 
Das Skapulier ist ein weiter Überwurf, der über der Tunika getragen wird. Sie dient dazu, die Unterkleider bei der Arbeit vor Schmutz zu schützen. 
Das Material, aus dem das Habit gefertigt ist, ist Leinen oder Wolle, je nach Jahreszeit.

Vom Alltagsgewand der Mönche  und Nonnen ist ihr Reisegewand zu unterscheiden. Es besteht aus besseren Stoffen. Das Reisegewand muss nach der Reise aber wieder abgegeben werden. 
Hier einige Beispiele zu den Farben der Ordensgewänder: 
Benediktiner tragen schwarze Gewänder, Kartäuser und Zisterzienser haben weiße Gewänder, Franziskaner sieht man in Braun, Dominikaner in Schwarz-Weiß. 
Seit dem 12. Jahrhundert kann man beobachten, wie sich die unterschiedlichen Habite, Ordensgewänder, entwickelten, denn das war die Zeit, in dem sich auch unterschiedliche Orden herausbildeten. 
Nonnen halten ihren Kopf immer bedeckt. Sie tragen ein Kopfgebinde mit einem Schleier. Bei manchen Orden ist es Vorschrift, dass kein Haar mehr hervorschaut. In manchen Orden muss das Haar hochgesteckt werden und man trägt darüber nur eine leichte Kopfbedeckung. 
Es gibt jedoch auch Orden, die kein Habit haben, beispielsweise die Jesuiten. Bei anderen Orden legt man die Ordenskleidung nur zu Feierlichkeiten an.

 

Nonnen

Nonnen (mhd. nonne, nunne; v. spätlat. nonna = Amme; auch wilvrouwe, v. vil [lat. velum] = Schleier, münechin; lat. monacha, sanctimonialis, virgo monialis, virgo consecrata, sponsa Christi). Die röm. Adlige Marcella hatte 360 das erste westl. Frauenkloster gegründet. Der Gedanke des weibl. Ordenswesens wurde von Ambrosius (339 -97, hl.) und Hieronymus (um 342 - 420, hl.) gefördert, und erfuhr großen Anklang. Sexuelle Enthaltsamkeit der Klosterfrauen war eine grundlegende Verpflichtung. Dabei war es für Frauen verdienstvoller, keusch zu leben als für Männer, da sie als größeren Versuchungen ausgesetzt galten. Zu Beginn des 8. Jh. entstanden, gleichzeitig mit der Missionierung, die ersten Frauenklöster in den rechtsrheinischen Gebieten des Frankenreiches – allerdings nicht, wie in den Heimatländern der missionierenden angelsächsischen Mönche, als Doppelklöster, sondern als reine Nonnenkonvente. Nonnen hatten auch wesentlichen Anteil am weiteren Fortschritt der Missionierung, so etwa Lioba, die neben Bonifatius als die kirchl. Autorität der Mission galt und des öfteren am Hofe Karls d. Gr. weilte. Auf dem Concilium Germanicum (792) wurden die Nonnenklöster auf die Regel des hl. Benedikt verpflichtet, jedoch nahmen sie bald den Charakter von Versorgungsanstalten für adlige Witwen und unverheiratete Töchter an, die gegen Übereignung von Landbesitz im Konvent aufgenommen wurden. So entstand im deutschen Sprachgebiet seit der Karolingerzeit neben streng oboedienten Nonnenklöstern eine Vielzahl von Kanonissenstiften, deren Angehörige persönliches Eigentum besitzen und Mägde zu ihrer Bedienung halten durften; auch waren sie an weniger strenge Fastenregeln gebunden. Ein streng asketisches Leben führten dagegen die weibl. Reklusen, die sich in Einzelzellen einmauern ließen und nur über ein kleines Fenster mit der Außenwelt in Verbindung standen; sie hatten ihre größte Verbreitung im 10. - 12. Jh., um am Ende des MA. gänzlich zu verschwinden. Doppelklöster konnten sich, abgesehen von denen des Birgittenordens, in Deutschland nicht halten.
Um die beträchtlichen Kosten für eine Mitgift zugunsten der erheblich geringeren Stiftung beim Eintritt in ein Kloster zu sparen, gaben besser situierte Familien ihre Töchter noch als Kinder (s. Oblaten) in ein Kloster. Außerdem waren Nonnen erbunfähig und konnten den Familienbesitz nicht schmälern. Erfolgte die Überantwortung junger Mädchen an ein Kloster meist aufgrund dynastischer Erwägungen, so traten erwachsene Frauen aus Enttäuschung, unüberwindbarer Trauer, Lebensuntüchtigkeit oder auch aus Sorge um ihr Seelenheil ein (conversae).
Der Eintritt der Mädchen in ein Kloster erfolgte im Kindesalter, also im Alter von etwa 10 - 12. Jahren. Nach einem üblicherweise einjährigen Noviziat, nach dem noch einmal die Möglichkeit auszutreten und in den Familienverband zurückzukehren gegeben war, erfolgte in der - in vielerlei Hinsicht einer Hochzeitszeremonie gleichenden - Profess (mit Ablegung der Keuschheits- und Gehorsamsgelübde, Weihe, Tonsurierung, Annahme von Ring und Schleier und Einkleidung) die Aufnahme in die Klostergemeinschaft.
Nonnen verrichteten meist keine Feldarbeit, auch die grobe Hausarbeit wurde überwiegend von Mägden oder Laienschwestern besorgt. Ihre Arbeit bestand in Spinnen, Weben, Sticken, Abschreiben von Büchern, Illuminieren, Lesen und Lernen. Einige Nonnen taten sich auf künstlerischem, wissenschaftlichen und literarischem Gebiet hervor, so Hroswith von Gandersheim, die Klausnerin Ava, Hildegard von Bingen, Herrad von Hohenburg u.a.
Als sich im 12./13. Jh. das wissenschaftliche Leben von den Klosterschulen an die Universitäten verlagerte, zu denen die Nonnen keinen Zugang hatten, war ihnen die Möglichkeit zu wissenschaftlicher Betätigung genommen; auf literarischem Gebiet blieben sie jedoch produktiv, wie vor allem Texte ma. Mystik und volkssprachliche Lieddichtungen belegen. Caritative Tätigkeiten wurden im MA. nur selten von Nonnen ausgeübt, dem standen die strengen Klausurbestimmungen entgegen.
Anfang des 13. Jh. entstanden als Ausdruck einer neuen Frömmigkeit viele Gemeinschaften religiöser Frauen, die dem Ideal der freiwilligen Armut und Keuschheit anhingen. Soweit diese als Zweige bestehender Orden (Prämonstratenser, Zisterzienser, Franziskaner, Dominikaner) approbiert wurden, fanden sie deren seelsorgerische und organisatorische Unterstützung. Wo nicht, lebten sie in einer Grauzone der Religiosität (wie z.B. die Beginen) oder sie wurden als Ketzer verfolgt. Gottesdienst und Seelsorge wurden in den Nonnenklöstern von Mönchspriestern geleistet. Unter ihrer Seelenführung kam die Frauenmystik (s. Mystik) zu ihrer höchsten Blüte.
Über die sittliche Verfassung der Nonnenklöster wurden während des gesamten MA., gehäuft im 14./15. Jh., Klagen und Spott laut. Daraus darf der Schluss gezogen werden, dass sich ein Teil der Klosterfrauen nicht ohne weiteres der klösterlichen Zucht unterworfen haben.

 

Abt

Ein Abt (v. spätlat.: abbas, aus hebr.: abba Vater) war ursprünglich ein allgemeiner Ehrenname und ist seit dem 5./6. Jahrhundert den Vorstehern eines Klosters vorbehalten; die weibliche Entsprechung ist die Äbtissin. Vor allem monastische Orden der katholischen Kirche wie die Benediktiner und Zisterzienser haben Äbte beziehungsweise Äbtissinnen. Diese sind Souveräne über die Abtei und direkt dem Papst unterstellt. Im Mittelalter hatten manche Äbte als Fürstäbte auch weltliche Gewalt und Gerichtsbarkeit in den Besitzungen der Abtei. Dies gilt auch für einen Teil der Augustiner-Chorherren und die Prämonstratenserchorherren, die sowohl Äbte, als auch Pröpste kennen. Äbte sind Prälaten. Die Entsprechung in der Orthodoxen Kirche oder im byzantinischen Ritus ist Hegumen bzw. Archimandrit.

Äbte werden in der Regel auf unbestimmte Zeit gewählt; heutzutage ist allerdings ein Trend zu einer begrenzten Amtszeit auf sechs oder zwölf Jahre erkennbar. Die Konstitutionen der Orden sehen meist einen Amtsverzicht des Abtes (zum 70. oder 75. Lebensjahr) vor. Eine Verlängerung der Amtszeit ist jedoch unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Ungeachtet dessen hat der Abt jederzeit auch die Möglichkeit der vorzeitigen Resignation.

Der Abt wird von allen stimmberechtigten Professen des Klosters gewählt. Das Ergebnis der Wahl wird dem Diözesanbischof und dem Apostolischen Stuhl sowie der Ordensleitung mitgeteilt. Eine Bestätigung der Wahl durch den Ordensoberen oder den Papst ist nicht nötig. Anschließend erhält der gewählte Abt von einem Bischof oder einem anderen Abt die Benediktion und die Pontifikalien (Krummstab, Ring) und der Abt (naturgemäß nicht die Äbtissin) oft auch die Mitra.

Die Vorsteher von Niederlassungen nicht monastischer Orden tragen andere Titel, wie Propst, Prior, Guardian, Superior, Rektor oder Direktor. Diese werden in der Regel vom Provinz- oder Generalkapitel und meist für eine zeitlich beschränkte Amtszeit gewählt. Bei dem 1095 gegründeten Hospitalorden der Antoniter wurde der Klostervorsteher als Präzeptor bezeichnet.

Amtsgewalt

Abteien sind grundsätzlich exemt und unterstehen damit direkt dem Heiligen Stuhl. Die Äbte üben teils väterliche Gewalt (potestas domestica), teils Jurisdiktionsgewalt aus. Diese umfasst die Verwaltung des Klostervermögens, die Leitung des Klosters und die Disziplin der Angehörigen. Bei der Veräußerung von Klostergütern müssen sie, laut Kirchenrecht, die Zustimmung des Rates einholen. Ebenso ist in anderen wichtigen Fragen, je nach Bestimmung des Kirchenrechtes und der Ausgestaltung in der eigenen Ordensregel, der Abtsrat anzuhören oder es muss seine Zustimmung eingeholt werden. Äbte (nicht die Äbtissinnen) gehören zu den Prälaten. Die Abts- bzw. Äbtissinnenbenediktion ist keine Ordination (wie die Weihe zum Diakon, Priester oder Bischof). Sie verleiht aber genau wie diese ein unauslöschliches Prägemal und kann nur von Bischöfen oder Äbten erteilt werden.

Von den wirklichen (Regular-)Äbten sind zu unterscheiden die Säkular-, Kommendatar- und Laienäbte – diese waren Personen, die die Pfründe, also die wirtschaftlichen Einkünfte eines Klosters innehatten, ohne jedoch im Kloster zu wohnen und die Amtsgeschäfte zu führen. Der Kommendatarabt war oft ein Weltgeistlicher oder Laie, der vom jeweiligen Landesherrn ernannt wurde. Die geistliche Leitung des Klosters lag meist hauptsächlich bei einem Mönch des Klosters, der oft Prior betitelt wurde. Schon seit der Merowingerzeit wurden im fränkischen Reich Laien mit Abteien belehnt. Der zuerst unter Karl Martell aufgetretene Brauch wurde zwar von der Kirche meist bekämpft, doch je nach politischer Macht der jeweiligen Landesherrn blieb der Kirche zeitweise nichts anderes übrig, als diese Praxis zu akzeptieren. So hatte auf Grund eines zwischen Papst Leo X. und König Franz I. von Frankreich zwischen 1515 und 1521 abgeschlossenen Kontrakts der König von Frankreich das Recht, 225 Abbés commendataires (für fast alle französischen Abteien) zu ernennen. Mit der Französischen Revolution in Frankreich bzw. nach der Säkularisation in Deutschland ist in der Praxis die Vergabe dieses Titels zu Beginn des 19. Jahrhunderts erloschen.

In seltenen Fällen wird der Titel und die Würde des Abts vom Papst auch an nicht "regierende" Ordensleute verliehen, man bezeichnet sie als Titularäbte. Diese haben dann keine Leitungsgewalt über einen Konvent, sondern sind lediglich mit den - vor allem liturgischen - Vorrechten der Äbte ausgestattet.

Abtsbenediktion

Die Abtsbenediktion, umgangssprachlich als „Abtsweihe“ bezeichnet, ist die offizielle Amtseinsetzungsfeier eines Abtes. Die Abtsbenediktion lehnt sich zwar liturgisch stark an eine Bischofsweihe an, ist aber keine sakramentale Weihe, sondern nur eine feierliche Segnung. Abt wird man durch Wahl, nicht durch Weihe. In der Benediktionsfeier werden dem Erwählten die Ordensregel und die Amtszeichen (Stab, Ring) und dem Abt (naturgemäß nicht der Äbtissin) oft auch die Mitra überreicht.

Die Abtsbenediktion wird entweder durch einen Bischof, der nicht der Ortsbischof sein muss, oder durch einen anderen Abt gespendet. Sie stellt keine Beauftragung durch den Ortsbischof dar, wohl aber den kirchlichen Segen für den Dienst des Abtes in seiner Gemeinschaft und mittelbar für das (in welcher Form und in welchem Umfang auch immer) ausgeübte Apostolat der Gemeinschaft in der jeweiligen Ortskirche und in der Weltkirche.

 

Besondere Bezeichnungen

  • Generalabt: Generalabt heißt der für eine bestimmte Zeit gewählte oberste Leiter bei einigen Orden. Er hat seinen Sitz im sogenannten Generalatshaus in Rom und vertritt dort mit einem Stab von Mitarbeitern die Interessen des Gesamtordens beim Heiligen Stuhl. Bei den Augustiner-Chorherren dagegen wird als Generalabt der gewählte Leiter einer Kongregation bezeichnet.
  • Abtprimas: Abt-Primas heißt bei den Benediktinern der gewählte Repräsentant der von Leo XIII. initiierten Benediktinischen Konföderation. Auch der Konföderation der Augustiner-Chorherren steht ein Abtprimas vor. Der Abtprimas vertritt seinen Orden beim Heiligen Stuhl, hat aber keine Leitungsbefugnis wie ein Generalabt.
  • Abtpräses: Abtpräses heißt der Vorsitzende einer monastischen Ordenskongregation, zum Beispiel der Bayerischen Benediktinerkongregation.
  • Erzabt: Erzabt heißt der Abt des Hauptklosters (Mutterkloster, von dem Neugründungen (Affiliationen) ausgingen) einer Kongregation des Benediktinerordens. Dieses Amt ist häufig verbunden mit der Funktion des Abtpräses. Der Generalabt des Zisterzienserordens der strengeren Observanz (Trappisten) trägt den Titel „Erzabt von Cîteaux“ ehrenhalber.
  • Abtordinarius: Abt einer Territorialabtei oder Gebietsabtei mit bistumsähnlicher Funktion. Der Abtordinarius hat die Jurisdiktionsgewalt eines Bischofs, nicht aber dessen Weihegewalt. Er ist Mitglied der örtlichen Bischofskonferenz. Seine Wahl muss vom Heiligen Stuhl bestätigt werden.
  • Titularabt: Ein Titularabt ist nur pro forma auf den Titel einer nicht mehr existenten Abtei benediziert, hat aber keine Leitungsgewalt.
  • Abbé: Die französische Bezeichnung Abbé (Vater, Pater) ist neben der Amtsbezeichnung auch ein Titel für niedere katholische Weltgeistliche in Frankreich.

Auf Grund eines zwischen Papst Leo X. und König Franz I. von Frankreich abgeschlossenen Kontrakts (zwischen 1515 und 1521) stand den Königen von Frankreich das Recht zu, 225 Abbés commendataires (s. Kommendatarabt) für fast alle französischen Abteien zu ernennen. Diese bezogen Einkünfte aus einem Kloster, ohne dafür Dienst leisten zu müssen.

Seit Mitte des 16. Jahrhunderts führten den Titel Abbé generell junge Kleriker mit oder ohne geistliche Weihen. Ihre Kleidung bestand in einem schwarzen oder dunkelvioletten Gewand mit kleinem Kragen, und ihr Haar war in eine runde Haarlocke geordnet.

Da von diesen Abbés nur wenige zum Besitz einer Abtei gelangen konnten, betätigten sich einige zum Beispiel als Hauslehrer oder Gewissensräte in angesehenen Familien, andere widmeten sich der Schriftstellerei.

Äbtissin

Äbtissin (mhd. aptessin, eppetisse, eptischin; lat. abbatissa, erstmalig 1163 bezeugt). Oberste eines Frauenklosters, geistliche Mutter und rechtliche Vorsteherin der Nonnen, weibliches Pendant zum Abt der Mönchsklöster. In das Amt der Klosterleiterin gelangten entweder Nonnen durch Wahl ihrer Mitschwestern oder Töchter von Klosterstiftern bzw. -stifterinnen aufgrund bei der Klostergründung ausbedungener Rechte. Vor allem der Hochadel suchte auf diese Weise seiner weiblichen Nachkommenschaft eine standesgemäße Stellung sicherzustellen. Der Äbtissin stand in der "Potestas dominativa" die Verwaltung des Klostergutes zu, ferner die Aufsicht über die Nonnen hinsichtlich der Einhaltung des Ordensgelübdes, und die Führung der Eigenleute des Klosters. Wichtige Fragen hatte sie unter Assistenz des Konvents zu entscheiden. Seelsorgerische Aufgaben sowie die Ausübung der geistl. Gerichtsbarkeit im Kloster waren einem Kanoniker, dem capellanus Abbatissae, vorbehalten. Äbtissinen durften im Gegensatz zu Äbten keine kirchlichen Weihen vornehmen; als Pontifikalien führten sie Ring und Krummstab
Wohl die berühmteste aller ma. Äbtissinnen war die Hl. Hildegard von Bingen (1098-1179), Äbtissin von Disibodenberg und später von Rupertsberg.

 

Fürstäbtissin

Fürstäbtissin. Die Äbtissinnen einiger Reichsstifte (z.B. Quedlinburg, Gandersberg, Herford) gehörten dem Reichsfürstenstand an (Fürstäbtissin) und standen als Lehnsherrinnen gleichberechtigt neben Bischöfen, Äbten, Markgrafen und Grafen. Sie übten in ihrem Herrschaftsbezirk die weltl. Gerichtsbarkeit aus gaben Lehen aus und erteilten Privilegien. Sie konnten auch im Besitz von Zoll-, Münz- und Marktrechten sein und waren die einzigen im Reichstag vertretenen Frauen. Amtsinsignien waren Brustkreuz (Pektorale) und Stab. Dass ab Ende des 13. Jh. Frauen auf dem Reichstag mit Sitz und Stimme ("Virilstimme") vertreten sein konnten, geht auf ein Gesetz Kaiser Ludwigs IV "der Frommen" zurück, der auf dem Aachener Reichstag von 816 das Institut der Kanonissen einrichtete, Gemeinschaften von Frauen, die ohne die üblichen klösterlichen Gelübde in eigenen, meist hoch dotierten Häusern lebten. Sie wurden von ihren Stiftsschwestern erwählt und waren nur dem Kaiser untertan.

 

Prior

Der Prior ist der Stellvertreter des Abtes. Der Abt ernennt ihn und der Prior vertritt den Abt, wenn dieser abwesend ist. Seine Aufgabe ist mehr praktischer Natur: er leitet Versammlungen und teilt die Arbeit im Kloster ein.

 

Dekan

Der Dekan ist der Vertreter des Priors. Er ist zudem für die liturgischen Abläufe im Kloster zuständig.

 

 

Cellerar

Der Cellerar ist mit einem Kämmerer vergleichbar. Seine Zuständigkeit betrifft die Einnahmen des Klosters, die Keller und den Klostervorrat.

 

Bibliothekar

Dem Bibliothekar im Kloster obliegt die Beschaffung der liturgischen Literatur. Er verwaltet zudem die Bücher. Im Mittelalter oblag ihm zu bestimmen, welche Bücher und Texte die Schreiber kopieren mussten.

 

Novizenmeister

Der Novizenmeister hat die Aufgabe, den Klosternachwuchs zu unterweisen und anzuleiten.

Laienbrüder – Konversen

Konversen (v. lat. conversio = Umkehrung, Übertritt) Erwachsene Laien aller Schichten, die – häufig in fortgeschrittenem Alter – unter Einbringung ihrer Habe einem Kloster beitraten, wurden Konversen genannt. Nach Ableistung des Noviziats legten sie entweder das Ordensgelübde (die Profess) ab und wurden in die Gemeinschaft der Vollmönche aufgenommen, oder sie nahmen die monastischen Verpflichtungen auf sich, ohne in den Kreis der eigentlichen Mönche einzutreten (s. Laienbrüder). In diesem Fall wohnten sie außerhalb der Klausur, waren im Kirchenraum von den Chormönchen durch eine hohe Schranke getrennt, besaßen sie weder aktives noch passives Wahlrecht im Konvent, waren vom Lernen ausgeschlossen, nahmen am Chorgebet nur an Sonn- und Festtagen teil und verrichteten die Arbeiten auf den Klostergütern und in den klostereigenen Werkstätten. Strafweise konnten sie in den Stand von Familiaren herabgestuft werden.
Vielfach lag dem späten Beitritt zu einer Klostergemeinschaft die Absicht zugrunde, als Mitglied in die Vorteile des ewigen Seelengedächtnisses zu kommen ("monachus ad succurendum" = Mönch, damit ihm geholfen werde).
Den Konversenbrüdern in Mönchsklöstern entsprachen Konversenschwestern in Nonnenklöstern. Sie entstammten zumeist bäuerlichen Familien oder den unteren und mittleren Schichten der Stadtbevölkerung.

 

Laienbrüder, die auch Konversen genannt werden, legen andere Gelübde als die Mönche ab. Außerdem haben sie nie die Priesterweihe. Sie nennen sich Bruder oder Frater. Mönche hingegen werden Vater oder pater genannt. Im Mittelalter wohnten die Laienbrüder nicht mit den Mönchen zusammen, sondern in einem anderen Trakt des Klosters. Sie waren für all jene Arbeiten verantwortlich und zuständig, die Kontakt mit der Außenwelt erforderten, arbeiteten etwa in der Landwirtschaft oder im Handwerk. Auch ihre Kleidung und ihre Tonsur unterschieden sich von der der Mönche. Heute wohnen Mönche und Laienbrüder zusammen im Inneren der Klausur.

 

Als erster in Deutschland führte Wilhelm von Hirsau im 11. Jh. den monastischen Stand der Laienbrüder (fratres laici) ein, zumeist Illiterate aus den Unterschichten, die grundsätzlich erst als Erwachsene der Klostergemeinschaft beitraten, einem religiösen Bedürfnis folgend oder um der Armut oder feudaler Willkür zu entkommen. Sie legten zwar nach sechsmonatiger Probezeit ein Gelübde ab, waren aber – im Gegensatz zu Vollmönchen – vom Konvent ausgeschlossen und zugunsten harter körperlicher Arbeit vom Chorgebet befreit. Dem Hirsauer Vorbild folgend gab es bald auch Laienbrüder bei den Orden der Zisterzienser, Prämonstratenser und Kartäuser, vom 13. Jh. an auch bei den Bettelorden. Sie blieben unrasiert ("barbati"), trugen Gewänder, die sich kaum von denen der Landarbeiter unterschieden, lebten als fratres exteriores außerhalb des den Chormönchen vorbehaltenen Bereichs der Klausur oder auf den landwirtschaftl. Vorwerken des Klosters (den Grangien) bei harter Arbeit und karger, aber regelmäßiger Versorgung. Die Institution der Laienbrüder, die sich ausschließlich ihrer bäuerlichen oder handwerklichen Tätigkeit hingaben, machte den staunenswerten kolonisatorischen und wirtschaftlichen Erfolg des Zisterzienserordens erst möglich. Sie verrichteten sowohl alle bei der Rodung (s. Landesausbau) anfallenden Tätigkeiten, arbeiteten aber auch unter dem magister grangie, einem älteren, erfahrenen Konversen, streng arbeitsteilig als Ochsentreiber, Pflugführer, Hirten, Melker, Schmiede, Müller, Bäcker, Bierbrauer, Winzer, Küfer, Stellmacher, Zimmerleute, Steinmetze, Maurer, Walker, Weber usf. Ihnen sind viele technischen Neuerungen und Verbesserungen zu verdanken, so bei der Einrichtung von Bewässerungs-, Schwemm- oder Mühlkanälen, bei der Konstruktion verschiedener Arten von Werkmühlen, im Bergbau-, Hütten- und Salinenwesen und vielen anderen Bereichen mehr. 
Zahlenmäßig waren die Laienbrüder den Chormönchen meist weit überlegen. So kamen beispielsweise in Clairvaux 1150 auf 200 Chormönche 300 Laien, in Himmerod war das Verhältnis 1224 60 zu 120, in Salem 1223 01 zu 160 und in Amelungsborn 1280 50 zu 90.
Die Chormönche erachteten Laienbrüder – ihre unermüdlichen Helfer und Ernährer – als minderwertig, dem Zugvieh vergleichbar und weiterer Fürsorge nicht wert. Als Ende des 12. Jh. den Laienbrüdern der Genuss von Wein und Bier gänzlich verboten, und als dies sich als undurchführbar erwies, doch wenigstens eingeschränkt werden sollte, gab es hunderte schwerer Unruhen. Mancherorts wurden Laienbrüder im Ganzen derart ausbeuterisch behandelt, dass es zu regelrechten Aufständen kam; so in Hilda/Pommern (1232), in Eberbach (1238) und in Heilbronn (1246). Zwischen 1168 und 1308 fanden insgesamt 123 Aufstände statt, also etwa jedes zweite Jahr einer.

 

Novizen

Den Klosternachwuchs nennt man Novizen. Im Mittelalter lebten die Novizen wie die Laienbrüder in einem gesonderten Klostertrakt. In die Klausur kamen sie erst mit Ablegung der Profess.

Cura monialium

cura monialium (lat., = Aufsicht über, seelsorgerische Betreuung von Nonnen; auch „sollicitudo et cura animarum“). Ordens- oder Weltgeistlichen wurde von der Kurie Aufsicht (Visitation) und Seelsorge (Beichte hören, Sakramente spenden) in Nonnenklöstern übertragen. Teils durften die Seelsorger nur den äußere Bereich der Klausur betreten, teils war ihnen dauernde Residenz zugebilligt oder auferlegt. Da die Mönchsorden sich durch die Betreuung der Nonnen überfordert und von ihren eigenen Anliegen (Predigt, Mission) abgehalten sahen, suchten sie sich dieser Verpflichtung zu entziehen, oder wenigstens die Zahl der Frauenklöster und derer Mitglieder klein zu halten. Für die Verwaltung von Besitz und Einkommen der Frauenklöster ernannten die Oberen der betreuenden Mönchsorden geeignete Männer. Im Ganzen war die cura monialium – trotz vieler einschlägiger Bullen – uneinheitlich und widersprüchlich.

 

Nonnenchor

Nonnenchor (Nonnenempore, Frauenchor). Ein in Nonnen-Klosterkirchen – besonders solchen der Zisterzienserinnen – abgeteilter Kirchenraum, gelegen auf einer Empore des Westchors, des Querhauses oder des Kirchenschiffs. Der Raum diente den Ordensschwestern zu gemeinsamen Gebet und Gesang, Priester hatten nur in Ausnahmefällen Zutritt. Betreten wurde der Nonnenchor vom Kreuzgang her, zum Kirchenraum hin war er durch geschnitztes Gitterwerk oder durch Vorhänge, später auch durch Glasfenster abgetrennt. Mancherorts war der Nonnenchor zur Kirche hin durch eine Mauer geschieden; für Kommunion und Beichte sowie zur akustischen Teilnahme an der Messfeier waren verschließbare Fensterchen vorgesehen. Zur Ausstattung des Raums gehörten Chorbänke ähnlich denen im Hochchor und ein Tabernakelaltar, auf dem das Allerheiligste zur Anbetung ausgesetzt werden konnte, sowie Fresken- und Skulpturenschmuck.

 

Priester- und Ordensgewänder

Alba ist in der katholischen Kirche ein weißes Kleid, das von allen geistlichen Ständen unter dem Messgewand getragen und mit dem Zingulum gebunden wird. In den protestantischen Kirchen beizeichnet es einen weißen Überwurf über den Talar, der fallweise, oft bei Sakramentsgottesdiensten, vom Liturgen benützt wird.

Bäffchen ist der zum Talar getragene weiße, streifenförmige Schmuck am Hals.

Barett - auch Birett - ist die Kopfbedeckung von Akademikern und Geistlichen, ausgezeichnet durch ihre vier- oder fünfeckige Form.

Dalmatik ist das Gewand der Diakone, ein Rock mit weiten Ärmeln.

Flocke ist das mantelähnliche Überkleid über der Ordenstracht.

Habit ist die lateinisch Bezeichnung für eine Amts- und Ordenstracht.

Kasel ist das ärmellose Messgewand katholischer Geistlicher, meist in den liturgischen Farben des Kirchenjahres gehalten.

Manipel ist ein streifenförmiges Stoffstück, das in der katholischen Kirche von allen geistlichen Ständen zum Messgewand getragen und um den linken Arm gelegt wird; es stellt wohl die liturgische Fortentwicklung des Schweißtuches dar.

Mitra ist die kegelförmige, spitz auslaufende Mütze der Bischöfe.

Pallium ist eine weiße, um die Schultern gelegte Stola, wobei an den beiden Enden sich jeweils drei schwarze Kreuze sich befinden. ein Zeichen besonderer geistlicher Würde. Es wird in der orthodoxen Kirche von Patriarchen, in der katholischen vom Papst getragen, der es auch an die Erzbischöfe und an besonders versdiente Bischöfe verleiht. Nachdem die Krönung mit der Tiara weggefallen ist, wird heute bei der Papstinthronisation dem neuen Heiligen Vater das Pallium um den Hals gelegt, wodurch er Erzbischof von Rom wird und damit Papst ist.

Rationale ist eine dem Pallium ähnliche Stola, die von besonders ausgezeichneten Bischöfen getragen wird.

Skapulier ist ein Überwurf über das eigentliche Ordensgewand, es besteht aus zwei bis fast zum Boden reichenden Tüchern auf Rücken und Brust.

Stola ist das streifenförmige Tuch zur Verzierung der Amtstracht; sie wird in der Regel in den liturgischen Farben getragen.

Sutane ist das Amtskleid von Klerikern.

Talar ist der in der Regel schwarze,m der Sutane ähnliche Rock, der seinen Träger als Akademiker kennzeichnet und so auch von Geistlichen getragen wird.

Tiara ist die Kopfededeckung des Papstes. Früher hatte sie die Form einer Halbkugel, seit dem 12. Jahrhundert die Form eines spitzen Hutes mit drei Reifen als Krone.

Tunika ist das Untergewand, aus der Antike überkommen, und in bestimmten Farben Tracht in einigen Orden.

Zingulum - lateinisch für "Gürtel" - ist das weiße Band, das zur Alba um den Bauch gebunden wird oder das breite, einer Schärpe ähnliche Band, das zur Soutane getragen wird, wobei die Farbe in der katholischen Kirche den Rang des Träger kennzeichnet: Das Zingulum ist bei Prälaten violett, bei Kardinälen rot, beim Papst weiß.

 

Nonnengewand

Nonnengewand (habit, v. lat. habitus = Tracht, Kleidung). Vor dem Aufkommen von Ordenstrachten bestanden nur allgemeine Bekleidungsregeln. Nonnen sollten auf dem Leib reine Hemden tragen, in denen sie auch schliefen. Das Obergewand, ein weißer Ärmelrock, sollte nicht weiter als bis zum Schuhabsatz reichen, damit kein Staub aufgewirbelt wurde. Die Ärmel sollten nicht länger sein als "Arm und Hand zusammen". Seit dem SMA. gehörte auch das schwarze Skapulier (s. Mönchsgewand) sowie die weiße Kukulle, die glockenartig bis auf die Füße fiel und lange, weite Ärmel und eine Kapuze hatte, zum Obergewand der Nonnen. Die Füße sollten mit Strümpfen und Schuhen bekleidet sein, "nie sollten die Schwestern barfuß gehen, auch nicht unter dem Vorwand der Frömmigkeit". Über dem Gewand wurde bei ungünstiger Witterung ein Mantel getragen, der auch als Decke beim Schlafen diente. Auf dem Kopf sollten die Schwestern eine weiße Binde tragen, darüber einen schwarzen Schleier (weiß bei Novizinnen). Die Tonsur durfte nötigenfalls mit einer Mütze aus Lammfell bedeckt werden.
Aus Synodalbeschlüssen wie denen von Köln (1360, 1371), in denen das Tragen des Kruselers (s. Schleier), schmückender Haarnadeln und vielfarbiger Kleiderstoffe untersagt wurde, geht hervor, dass auch hinter Klostermauern weibliche Putzsucht grassierte.

 

Nonnenliteratur

Nonnenliteratur. Zahlreiche Nonnen betätigten sich schriftstellerisch, wissenschaftlich und künstlerisch. Sie hatten – im Gegensatz zu ihren Geschlechtsgenossinnen außerhalb der Klostermauern – dazu die entsprechenden Bildungs- und Betätigungsmöglichkeiten. (Im FMA. war den Nonnen auch das Programm der Freien Künste vermittelt worden. Vorher und danach hielt man die Kenntnis von Lesen, Schreiben und Singen für ausreichend.) Die erste nachweisbare Dichterin auf deutschem Boden war Hroswith von Gandersheim (um 935 - um 975). Von ihr stammen Verslegenden und historische Gedichte. Die Klausnerin Ava war die erste Dichterin mhd. Sprache. Von ihr sind Werke mhd. Frömmigkeitsdichtung erhalten. Hildegard von Bingen (1098 - 1179) hinterließ ein umfangreiches religiöses und naturkundliches Werk ("Scivias", "Causae et curae", "Physica"), viele geistl. Lieder und Traktate. Gertrud die Große (1256 - 1302) schrieb in "Bote der göttlichen Frömmigkeit" ihre Visionserfahrungen (Brautmystik) nieder und verfasste eine Gebetssammlung unter dem Titel "Die geistige Übung". Mechthild von Magdeburg (ca. 1210 - 82) zählt zu den großen Dichterinnen ma. Mystik. Sie geht in ihrem "Fließenden Licht" in der Beschreibung der Beziehung einer liebenden Seele zu Jesus bis in eindeutig erotische Bereiche. Mechthild von Hackeborn (ca. 1241 - 99) steht in leidenschaftlicher Minne zu Jesus und empfängt viele Offenbarungen, von denen im "Liber specialis gratiae" berichtet wird. Im 14./15. Jh. entstanden in vielen Nonnenklöstern Gebets- und Andachtsbücher, so das der Katharina Rutzin (ca. 1400) und das der Margret Zschampi (ca. 1460).

 

Profess

Zeitliche Profess

Zunächst folgt der zeitliche Profess nach dem Noviziat. Sie dauert drei bis fünf Jahre. Das Mindestalter hierfür beträgt 18 Jahre. Sie kann um ein Jahr verlängert werden, auch mehrfach.

 

Ewige Profess

Der ewige Profess ist die Bindung an den Orden auf Lebenszeit. Sie ist frühestens ab dem 21. Lebensjahr möglich.

Ist der Kandidat in den Orden aufgenommen worden, so nimmt er oft einen anderen Namen an, er erhält eine Ordenstracht, das Habit und in manchen Orden auch einen Ring, der auch ein äußeres Zeichen der Ordenszugehörigkeit ist.

 

Mahlzeiten im Kloster

Das Refektorium ist der Ort im Kloster, in dem die Mahlzeiten im Kloster eingenommen werden. Das Wort Refektorium leitet sich vom lateinischen Wort refectio ab, was Wiederherstellung, Labung, Erholung bedeutet. Die Einnahme der Mahlzeiten im Kloster gehört zum Leben im Kloster. Die Mönche oder Nonnen nehmen ihre Mahlzeit schweigend ein. Im Mittelalter war es üblich, einen  Mönch, der das Schweigen brach, zu bestrafen. Die Strafe konnte der Entzug von Essen oder Getränk oder auch eine körperliche Züchtigung sein. Ein Mönch oder eine Nonne liest beim Essen von einem leicht erhöhten Sitzplatz aus vor, nicht unbedingt religiöse Texte; in der heutigen Zeit wird auch aus der Zeitung vorgelesen. In manche Orden werden die Mahlzeiten nicht gemeinsam eingenommen. Bei den Kartäusern beispielsweise isst jedes Klostermitglied in seiner Zelle für sich. Lediglich am Sonntag speist man gemeinsam im Refektorium. Je nach Kloster und Orden werden die Mahlzeiten dreimal oder auch nur zweimal am Tag eingenommen. Die Zisterzienser im Mittelalter aßen  zur Winterzeit nur einmal am Tag. In der Fastenzeit fand dieses Mahl abends statt.
Zu den Mahlzeiten werden Getränke gereicht: Wasser, Wein oder auch Bier.
In der früheren Zeit aß man unter der Woche nur Geflügel als Fleisch, nur zu den Festtagen gab es Fleisch von vierfüßigen Tieren, es sei denn, man war krank. Fisch aß man nur in der Fastenzeit.

Kloster Tagesablauf

Das opus dei

Der Kloster Tagesablauf dreht sich um das opus dei. Das opus dei ist das Gotteslob. Es ist die wichtigste Aufgabe innerhalb der Klostergemeinschaft. Im Kloster verrichtet man das opus dei gemeinschaftlich und individuell.
Es sind die gemeinsamen Stundengebete, die den Tagesablauf im Kloster, den Tagesablauf der Mönche und Nonnen, bestimmen. Sie werden im Chor der Kirche abgehalten. Wie der Tagesablauf im Kloster haben auch der Wochengang und der Jahreslauf eine einfache Struktur.

 

Stundengebet

Das Stundengebet (lat. liturgia horarum), ist die Antwort der Kirche auf das Apostelwort „Betet ohne Unterlass!“ (1 Thess 5,17 EU) und das Psalmwort „Siebenmal am Tag singe ich dein Lob und nachts stehe ich auf, um dich zu preisen.“ (vgl. Ps 119,62.164 EU).

Die Tradition des Stundengebetes wird in der orthodoxen, römisch-katholischen, der anglikanischen Kirche und den evangelischen Kirchen gepflegt. Sinn des Stundengebets ist es, einzelne Tageszeiten mit ihrer Besonderheit vor Gott zu bringen und gleichfalls das Gebet der Kirche rund um die Erde nicht abreißen zu lassen.

Die liturgischen Bücher, die die Texte des Stundengebets enthalten, heißen Horologion (orthodox), Stundenbuch (katholisch), Book of Common Prayer (anglikanisch) und Tagzeitenbuch (protestantisch). Die früher für die Weltpriester gedachte kürzere Form des monastischen Stundengebetes wurde vor ihrer Reform auch Brevier (lat.: breve = kurz) genannt.

 

Geschichte

Aus der jüdischen Tradition, drei Mal am Tag zu beten (Schacharit, Mincha und Maariw), entwickelte die frühe Kirche im Zuge ihrer Abspaltung vom Judentum die Vorstufe des heutigen Stundengebets, das im Urchristentum noch gemeindegottesdienstlichen Charakter hatte. Die jüdische Tradition, die Psalmen des Tanach zu beten, führten die Christen fort. Daneben wurden christliche Hymnen gesungen und das Vaterunser gebetet. Diese Texte sind noch heute wesentlicher Bestandteil des Stundengebets. (vgl. hierzu die frühen überlieferten Kirchenordnungen der Didache – „Zwölf-Apostel-Lehre“, ca. Anfang des 2. Jahrhunderts – und der Traditio Apostolica – „Apostolische Überlieferung“, ca. 5. Jahrhundert).

Einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des Stundengebets hatte das Aufkommen des christlichen Mönchtums ab dem 3. Jahrhundert. Für Mönche machte das Stundengebet einen wesentlichen Teil ihres Tages aus, so dass die einzelnen Gebetszeiten entsprechend lang waren. Üblich für Mönche war es, täglich alle 150 Psalmen zu beten.

Im östlichen Christentum behielt das Stundengebet stets seine zentrale Rolle im Gemeindeleben. Im westlichen Christentum hingegen wurde der Umfang des täglichen Stundengebets in Gemeinde- und Klosterleben angeglichen, sodass alle 150 Psalmen mindestens im Laufe einer Woche gebetet wurden.

Dieses Pensum konnte im Grunde nur von Ordensleuten und Klerikern bewältigt werden. In der westlichen Kirche und nach der Reformation in der katholischen Kirche behielt das Stundengebet bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil seine Stellung als Standesgebet der Ordensleute und Kleriker, zum einen wegen seines Umfangs und zum anderen wegen des verpflichtenden Vollzugs auf Latein.

Im Zuge der Liturgiereform wurde der Umfang des Stundengebetes in der katholischen Kirche erheblich reduziert. So werden heute üblicherweise fünf bis sechs Gebetszeiten (Laudes, nach Wahl eine oder zwei der kleinen Horen Terz, Sext oder Non bzw. eine Mittagshore, Vesper, Komplet und die Lesehore) täglich vollzogen und die 150 Psalmen (unter wenigen Auslassungen, z. B. Fluchpsalmen) auf vier Wochen verteilt. Außerdem kann das Stundengebet auch in der Landessprache gefeiert werden.

 

Abfolge der Gebetszeiten

Zur Abfolge der Gebetszeiten sei zunächst angemerkt, dass sich die Einteilung nach der antiken Zeitrechnung richtet. Der Tag war damals die Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang; er wurde in zwölf gleich lange Stunden eingeteilt. Wie lang eine solche Stunde war, hing von der Länge der Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ab, war damit also sowohl regional verschieden als auch zu den einzelnen Jahreszeiten unterschiedlich. Als ungefähre Umrechnung in unsere heutige Zeiteinteilung kann die erste Stunde des Tages auf etwa 6 Uhr angesetzt werden.

 

Vigil

Die erste Hore nennt man Vigil oder Matutin. Sie findet zwischen Mitternacht und frühem Morgen statt. Vigil wird mit einem Psalm eröffnet, danach folgt ein Hymnus und eine oder zwei Nocturnen. Die Nocturnen bestehen aus Psalmen und einer Lesung. Eine dritte Nocturn setzt man an Sonntagen und Feiertagen ein. Heute ist es üblich, dass in den Klöstern die Vigil auf eine Nocturn verkürzt ist. Seit der schon oben genannten Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils darf man Vigil sogar ganz verlegen und am Tag als sogenannte Lesehore nachholen.

 

Laudes

Laudes und Vesper sind die wichtigsten Stundengebete. Sie dauern jeweils ca. 30 Minuten.
Die Laudes sind das Morgengebet, das bei Anbruch des Tages gebetet wird. Die Laudes loben und gedenken mit dem Symbol der aufgehenden Sonne an den auferstandenen Christus. Die Laudes beinhalten Psalmen, Gebete, Hymnen, Segnungen und Lesungen. Man hält sie normalerweise zwischen 6 und 8 Uhr ab.

 

Matutin / Laudes (Morgengebet)

K: Kantor
L: Liturg
G: Gemeinde

Eingang Ingressus
L: Herr, tue meine Lippen auf,
G: daß mein Mund deinen Ruhm verkündige.
L: Gott, gedenke mein nach deiner Gnade.
G: Herr, erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.
L: Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste,
G: wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.
[Halleluja.]
(Das Halleluja entfällt in der Passionszeit)

Psalm

Lesung nach liturgischem Kalender

Stille

Antwort Responsorium

K: Gelobt sei der Name des Herren vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.
G: Gelobt sei der Name des Herren vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.
K: Seine Herrlichkeit ist so weit wie der Himmel
G: vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.
K: Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste.
G: Gelobt sei der Name des Herren vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.

Hymnus (Wochenlied oder ein anderes geeignetes Lied, hier kann auch das Non Nobis gesungen werden)

Benedictus
Der Herr hat uns aufgerichtet
eine Macht des Heiles
im Hause seines Dieners David.
1. Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk
2. und hat uns aufgerichtet eine Macht des Heiles im Hause seines Dieners David
3. wie er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten,
4. daß er uns errettete von unsern Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen,
5. und Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund und an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham,
6. uns zu geben, daß wir, erlöst aus der Hand unsrer Feinde, ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen.
7. Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, daß du seinen Weg bereitest
8. und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden,
9. durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe,
10. damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
Der Herr hat uns aufgerichtet
eine Macht des Heiles
im Hause seines Dieners David.
11. Lob und Preis sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste,
12. wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen
Der Herr hat uns aufgerichtet
eine Macht des Heiles
im Hause seines Dieners David.

Kyrie
Kyrie eleison.
Christe eleison.
Kyrie eleison.

Vaterunser
K: Vater unser im Himmel.
G: Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Preces
L: Herr, sei mir gnädig,
G: heile meine Seele, denn ich habe an dir gesündigt.
L: Herr, erzeige uns deine Gnade
G: und hilf uns.
L: Deine Güte, Herr, sei über uns,
G: wie wir auf dich hoffen.
L: Wir bitten dich für deine Christenheit in aller Welt.
G: Gedenke deiner Gemeinde, die du vorzeiten erworben hast.
L: Wir bitten dich für alle, die uns leiten und lehren:
G: Erhalte sie in deiner Wahrheit.
L: Sende die Boten des Heils in alle Welt
G: und kehre die Herzen der Menschen zu dir.
L: Breite deine Güte über alle, die dich kennen,
G: und deine Gerechtigkeit über die Frommen.
L: Wir bitten dich für alle, die mit uns leben und mit uns arbeiten:
G: Behüte sie auf allen ihren Wegen.
L: Herr Gott Zebaoth, tröste uns,
G: laß leuchten dein Antlitz, so genesen wir.
L: Mache dich auf, Christe, und hilf uns
G: und erlöse uns um deiner Güte willen.
L: Herr, höre mein Gebet,
G: und laß mein Schreien zu dir kommen.
Gebetsstille

Schlußgebet
Sonntag
L: Herr Jesus Christus, du hast dem Tod die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht. Wir preisen dich an deinem Tage, Licht vom ewigen Licht, Sonne dieser und der zukünftigen Welt, und bitten dich:
G: Erleuchte unsere Gedanken und öffne unsere Lippen, daß wir dein Wort hören und dich bekennen und preisen.

Montag
L: Gott, barmherziger Vater, du schaffst alle Dinge und vollendest sie. Wir bitten dich heute, weil von neuem unsere Arbeit beginnt:
G: Mache du den Anfang, regiere die Mitte, segne das Ende, damit unser Tun vor Sünde bewahrt, unser Leben geheiligt und unsere Arbeit vollbracht werde nach deinem Wohlgefallen.

Dienstag
L: Ewiger Gott und Vater, du hast uns den Anfang dieses Tages geschenkt. Wir bitten dich:
G: Sende uns den Heiligen Geist, daß er uns beistehe und helfe, deinen Willen zu erkennen und zu tun.


Mittwoch
L: Herr, unser Gott, du Geber aller guten und vollkommenen Gaben. Wir bitten dich:
G: Steh uns heute bei mit deinem Erbarmen und deiner Liebe, daß wir nicht in Sünde fallen, sondern all unser Denken und Tun nach deinem Willen richten.

Donnerstag
L: Lieber Vater im Himmel, du hast uns durch deinen Sohn Jesus Christus zum Leben berufen. Wir bitten dich:
G: Erhalte uns in seiner Nachfolge, damit wir diesen Tag und alle Tage unseres irdischen Lebens nach deinem Willen leben und dem ewigen Ziel entgegengehen.

Freitag
L: Herr Jesus Christus, du hast unsere Sünde am Kreuz getragen und uns in deine Nachfolge berufen:
G: Gib uns, daß wir durch das Opfer deiner Liebe getröstet und zu einem Leben in deinem Dienst geheiligt werden.

Samstag
L: Himmlischer Vater, du hast das Licht des Tages geschaffen, damit es über die Dunkelheit herrsche:
G: Nimm gnädig an unser Gebet und schenke uns dein Erbarmen, daß wir heute und allezeit im Sinn haben, was dir gefällt, und immer in deiner Gnade bleiben.

Allgemein
G: Schöpfer Gott, du scheidest den Tag von der Nacht. Befreie uns von der Herrschaft der Finsternis, damit wir beständig in deinem Lichte leben. Durch Jesus Christus, unsern Herrn.
Amen.

Ausgang
Lobpreis

K:Laßt uns preisen den Herrn!
G: Gott sei ewiglich Dank!

 

Prim, Terz, Sext, Non

Prim, Terz, Sext und Non sind die sogenannten kleinen Horen, Stundengebete, die im Abstand von drei Stunden nach der mittelalterlichen Zeiteinteilung gebetet werden.
Prim wird unmittelbar vor den Laudes gebetet, heute bildet sie mit ihnen meistens eine Einheit. Eine Ausnahme findet man im Kartäuserorden. Dort beten die Mönche die Prim selbständig.
Der Heilige Benediktus erklärte in seiner Benediktregel, dass Terz, Sext und Non drei willkommene Unterbrechungen der Arbeit sein sollen.  Bei vielen Orden ist es heute üblich, die drei kleinen Horen Terz, Sext und Non zu einer Tageshore zusammen zu fassen. Man betet sie meistens vor dem Mittagessen und nennt sie Mittagshore.

 

Mittagsgebet

K: Kantor
L: Liturg
G: Gemeinde

Eingang Ingressus
L: Herr, meine Zeit steht in deinen Händen.
G: Hilf mir durch deine Güte.
L: Gott gedenke mein nach deiner Gnade,
G: Herr erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.
L: Ehre sei dem ° Vater und dem ° Sohne und dem Heiligen ° Geiste,
G: wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.
[Halleluja] Das Halleluja entfällt in der Passionszeit.

Hymnus (Wochenlied oder ein anderes geeignetes Lied, hier kann auch das Non Nobis gesungen werden)


Psalm

Lesung
Sonntag
Dem König aller Könige und Herrn aller Herren, der allein Unsterblichkeit hat, der da wohnt in einem Licht, zu dem niemand kommen kann, den kein Mensch gesehen hat noch sehen kann, dem sei Ehre und ewige Macht. Amen.
(1.Tim 6,15.16)

Montag
Jesus hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: "Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe der Grund der Welt gelegt war." (Joh 17,24)

Dienstag
Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.
(Seligpreisungen Mat 5,3-10)

Mittwoch
Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. (Joh 1,14)

Donnerstag
Jesus spricht: "Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot ißt, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt." (Joh 6,51)

Freitag
Jesus spricht zu seinen Jüngern: "Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht." (Joh 14.27)

Samstag
Groß ist, wie jedermann bekennen muß, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.
(1.Tim 3,16)



Stille

Antwort Responsorium

K: Fest wie der Himmel steht dein Wort, dein Wort, o Herr, bleibt ewig.
G: Fest wie der Himmel steht dein Wort, dein Wort, o Herr bleibt ewig.
K: Deine Treue währt durch alle Geschlechter.
G: Dein Wort, o Herr, bleibt ewig.
K: Ehre sei dem ° Vater und dem ° Sohne und dem Heiligen ° Geiste.
G: Fest wie der Himmel steht dein Wort; dein Wort, o Herr, bleibt ewig.


Gebet

Kyrie

L: Kyrie eleison.
G: Christe eleison.
Kyrie eleison.

Vaterunser
K: Vater unser im Himmel.
G: Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Gebetsstille

Schlußgebet/Friedensbitte

L: Gott, der du Hungrige speist, wir bitten dich: sättige auch uns mit deinen Gaben und gib uns das Brot des ewigen Lebens, das du der Welt geschenkt hast in Christus Jesus, deinem Sohn.
oder:
Himmlischer Vater, du schaffst Mut, guten Rat und rechtes Tun: gib uns den Frieden, den die Welt nicht geben kann, damit unsere Herzen an deinen Geboten bleiben und wir unter deinem Schutz vor dem Bösen bewahrt sind.
G: Amen.

Ausgang
Lobpreis


K: Laßt uns preisen den Herrn!
G: Gott sei ewiglich Dank!

Segen
L: Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott,
† Vater, Sohn und Heiliger Geist.
G: Amen.

 

Vesper

Die Vesper ist das zentrale Abendgebet. Vesper beinhaltet Psalmen, Hymnen, das Vaterunser, die Schriftlesung, Fürbitten und das Magnifikat.
Die Komplet ist die letzte Hore, die mit der Vollendung des Tages gebetet wird, das Nachtgebet. Nach der Eröffnung folgen ein Bußgebet, ein Hymnus, Psalmen, eine Lesung, ein Responsorium, ein Lobgesang, ein Oratorium und der Segen.

 

Vesper (Abendgebet)

K: Kantor
L: Liturg
G: Gemeinde

Eingang Ingressus
L: Herr, bleibe bei uns;
G: denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget.
L: Gott, gedenke mein nach deiner Gnade,
G: Herr, erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.
L: Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste,
G: wie am Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.
[Halleluja.]
Das Halleluja entfällt in der Passionszeit.

Psalm

Lesung

Stille

Antwort Responsorium
K: Mit Freude erfüllt mich dein Walten, ich juble über das Werk deiner Hände.
G: Mit Freude erfüllt mich dein Walten, ich juble über das Werk deiner Hände.
K: Wie groß sind deine Werke, o Herr, wie tief sind deine Gedanken!
G: Ich juble über das Werk deiner Hände.
K: Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geiste.
G: Mit Freude erfüllt mich dein Walten, ich juble über das Werk deiner Hände.


Auslegung oder geistlicher Text

Hymnus (Wochenlied oder ein anderes geeignetes Lied, hier kann auch das Non Nobis gesungen werden)


Magnificat
Christus, unsern Heiland,
ewigen Gott, Marien Sohn,
preisen wir in Ewigkeit. Amen.
1. Meine Seele erhebt den Herren, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes;
2. denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.
3. Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.
4. Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht bei denen, die ihn fürchten.
5. Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.
6. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.
7. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und läßt die Reichen leer ausgehn.
8. Er gedenket der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf,
9. wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit.
Christus, unsern Heiland,
ewigen Gott, Marien Sohn,
preisen wir in Ewigkeit. Amen.
10. Lob und Preis sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste,
11. wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.
Christus, unsern Heiland,
ewigen Gott, Marien Sohn,
preisen wir in Ewigkeit. Amen.



Gebet

Kyrie
L: Kyrie eleison.
G: Christe eleison.
Kyrie eleison.

Vaterunser
K: Vater unser im Himmel.
G: Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.


Preces
L: Herr, wir bitten dich in dieser Abendstunde für alle deine Kinder:
G: laß sie Ruhe finden bei dir von allen ihren Werken.
L: Wir bitten dich für alle, die du mit deiner reichen Güte beschenkt hast:
G: bewahre sie vor Hochmut, daß sie dich allein fürchten und ehren.
L: Wir bitten dich für alle, die gebeugt sind:
G: richte sie auf mit dem Wort deiner Liebe.
L: Wir bitten dich für alle Glieder unserer Gemeinde:
G: geleite sie durch dieses Leben in dein ewiges Reich.
L: Wir bitten dich für alle, die uns lieb und wert sind:
G: erhalte sie in deinem Schutz und Frieden.
L: Wir bitten dich für alle, die uns fremd und feind sind:
G: nimm weg, was uns trennt, und schenke uns Frieden und Eintracht.
L: Wir bitten dich für alle, die verlassen sind:
G: kehre ein bei denen, die deiner bedürfen.
L: Wir bitten dich, Herr, daß bald komme dein Tag:
G: laß uns dein Licht aufgehen und erwecke uns zu neuem Leben.
Gebetsstille

Schlußgebet
Sonntag
L: Dreieiniger Gott, du hast uns und deine ganze Christenheit heute durch dein Wort und Sakrament erfreut. Wir bitten dich:
G: Gib, daß uns deine Gaben in der neuen Woche geleiten und stärken, damit dein Name unter uns verherrlicht, dein Reich gebaut und dein Wille erfüllt werde.


 

Montag
L: Herr, unser Gott:
G: schenke uns in deiner großen Güte Vergebung und Frieden, damit unser Leib und unsere Seele zur Ruhe kommen.

Dienstag
L: Gott, du wohnst im Licht und vertreibst alle Finsternis.
G: Erleuchte die Dunkelheit, die uns umgibt, durch den hellen Schein deiner Gegenwart, und halte von uns fern die Schrecken der Nacht, damit wir Tag und Nacht in deiner Gnade geborgen sind.

Mittwoch
L: Lieber himmlischer Vater, du hast uns heute gnädig bewahrt:
G: Sieh nicht an, was wir gefehlt haben, sondern neige dich zu uns mit deinem Erbarmen, damit wir diese Nacht in deinem Schutze ruhen und dich am kommenden Tage von neuem preisen.

Donnerstag
L: Barmherziger Gott, du hast uns zum Ende des Tages geleitet. Wir bitten dich:
G: Bleibe bei uns und beschirme uns in den schweigenden Stunden der Nacht, damit wir, müde von der Unruhe dieser vergänglichen Welt, ruhen in deinem Frieden.

Freitag
L: Herr Jesus Christus, du hast durch dein Leiden und Sterben die Bande der Sünde zerrissen. Wir bitten dich:
G: Vergib uns, wo wir heute versagt haben, daß wir mit freiem Herzen dich bekennen und preisen.

Samstag
L: Herr, unser Gott, du hast uns in dieser Woche gnädig beschirmt und in Gutem und Schwerem deine erbarmende Liebe erwiesen. Wir bitten dich:
G: Vergib uns alle Schuld der vergangenen Woche um Christi willen und schenke uns deinen Geist, daß wir deine Wege erkennen und am Ende unserer Tage aufgenommen werden in deine Herrlichkeit.

Allgemein
L: Herr Gott, du hast uns heute gnädig beschützt und unser Werk gefördert. Wir bitten dich:
G: vergib, was wir gefehlt haben und schenke uns allen, die zu dir rufen, den Trost deiner Nähe und den Frieden deiner Vergebung. Durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen.

Ausgang
Lobpreis
K: Laßt uns preisen den Herrn!
G: Gott sei ewiglich Dank!

Segen
L: Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott,
Vater, Sohn und Heiliger Geist.
G: Amen.

Komplet

 

Das Komplet begehen die meisten Klöster um 20 oder 21 Uhr. Danach setzt das nächtliche Stillschweigen ein. Nur Vigil darf das Schweigen unterbrechen.
An einigen Gebetszeiten des Stundengebets können in manchen Klöstern auch Besucher teilnehmen um den Kloster Tagesablauf kennen zu lernen, meist an der Mittagshore und der Vesper.

Neben den gemeinsamen Stundengebeten und der gemeinsamen Messe stehen die individuellen Gebete der Mönche und Nonnen. Die Bibel sagt „Betet ohne Unterlass“, 1 Thess.5,17. Zu den individuellen Gebeten im Kloster zählen die lectio, das Lesen biblischer Texte, die meditadio, das Nachdenken über das Gelesene sowie die oratio, die Hinwendung zu Gott im Gebet. Die individuellen Gebete werden in der persönlichen Kloster-Zelle oder im Kreuzgang abgehalten. Sie sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil im Kloster Tagesablauf.

Komplet (Nachtgebet)

K: Kantor
L: Liturg
G: Gemeinde

Vorbereitung

K: Laßt uns beten um Gottes Segen!
L: Eine ruhige Nacht und ein seliges Ende
verleihe uns der Herr, der Allmächtige.
G: Amen.
Lektor: Seid nüchtern und wacht,
denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge.
Dem widersteht, fest im Glauben.
Du aber, Herr, erbarme dich unser.
G: Gott sei ewig Dank.
L: Unsre Hilfe steht im Namen des Herrn,
G: der Himmel und Erde gemacht hat.

Sündenbekenntnis
L: Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen, und euch, Brüder, daß ich gesündigt habe mit Gedanken, Worten und Werken: meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld.
Darum bitte ich euch, betet für mich zu Gott, unserm Herrn.
G: Der allmächtige Gott erbarme sich deiner, er vergebe die deine Sünde und führe dich zum ewigen Leben.
L: Amen.
G: Wir bekennen Gott, dem Allmächtigen, und dir, Bruder, daß wir gesündigt haben mit Gedanken, Worten und Werken: unsere Schuld, unsere Schuld, unsere große Schuld.
Darum bitten wir dich, bete für uns zu Gott, unserm Herrn.
L: Der allmächtige Gott erbarme sich euer, er vergebe euch eure Sünde und führe euch zum ewigen Leben.
G: Amen.

L: Tröste uns, Gott unser Heiland,
G: und laß ab von deiner Ungnade über uns.

Eingang Ingressus
L: Gott, gedenke mein nach deiner Gnade.
G: Herr, erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.
L: Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste.
G: wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeiten und in Ewigkeit. Amen.
[Halleluja.] Das Halleluja entfällt in der Passionszeit.

Psalm

Hymnus (Wochenlied oder ein anderes geeignetes Lied, hier kann auch das Non Nobis gesungen werden)


 

Lesung
Lektor: Du bist ja doch unter uns, Herr,
und wir heißen nach deinem Namen;
verlaß uns nicht!
G: Gott sei ewig Dank.

Antwort Responsorium
K: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.
G: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.
K: Du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.
G: Dir befehle ich meinen Geist.
K: Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste.
G: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.

Versikel
K: Behüte uns wie einen Augapfel im Auge.
G: Beschirme uns unter dem Schatten deiner Flügel.

Nunc dimittis
Bewahre uns, o Herr, wenn wir wachen behüte uns, wenn wir schlafen,
auf daß wir wachen mit Christus und ruhen in Frieden.
1. Herr, nun läßt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast.
2. Denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, den du bereitet hast vor allen Völkern,
3. ein Licht, zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines Volkes Israel.
Bewahre uns, o Herr, wenn wir wachen behüte uns, wenn wir schlafen,
auf daß wir wachen mit Christus und ruhen in Frieden.
4. Lob und Preis sei Gott dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste,
5. wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.
Bewahre uns, o Herr, wenn wir wachen behüte uns, wenn wir schlafen,
auf daß wir wachen mit Christus und ruhen in Frieden.

Gebet

Kyrie
L: Kyrie eleison.
G: Christe eleison.
Kyrie eleison.

Vaterunser
K: Vater unser im Himmel.
G: Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.


 

Preces
L: O Herr, bewahre uns in dieser Nacht
G: nach deiner Gnade ohne Sünde.
L: Sei uns gnädig, Herr.
G: Sei uns gnädig.
L: Deine Güte, Herr, sei über uns,
G: wie wir auf dich hoffen.
L: Herr, höre mein Gebet
G: und laß mein Schreien zu dir kommen.

Gebetsstille

Schlußgebet
L: Allmächtiger Gott, du hast uns zum Ende dieses Tages geleitet,
wir bitten dich: bleibe bei uns und beschirme uns in den schweigenden Stunden der Nacht,
damit wir, müde von der Unruhe dieser vergänglichen Welt, ruhen in deinem Frieden.
Durch Jesus Christus, unsern Herrn.
G: Amen.

Ausgang
Lobpreis
K: Laßt uns preisen den Herrn!
G: Gott sei ewiglich Dank!


Segen
L: Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott,
Vater, Sohn und Heiliger Geist.
G: Amen.

 

Die wichtigsten Gebete

Credo

Credo in unum deum patrem omnipotentum factorem caeli et terra visibilium et in unum

dominum ihesum christum filium dei unigentum et ex patre natum ante omnia saecula deum de deo lumen de lumine deum verum de deo vero genitum non factum consubstantialem patri per quem facta sunt qui propter nos homines et propter nostram salutem descendit de caelis et

incarnatus est de spiritu ex maria virgine et homo factus est crucifixus etiam pro nobis sub pontio pilato passus et sepultus est et resurrexit tertia die secundum scripturas et ascendit in caelum sedet ad dexteram patris et iterum venturus est cum glorian iudicare vivos et mortuos cuius regni non erit finis et in spiritum sanctum dominum et vivificantem qui ex patre filioque procedit qui cum patre et filio simul adoratur et conglorificatur qui locutus est per prophetas et unam sanctam christo ecclesiam confiteor unum baptisma in remissionem peccatorum et expecto resurrectionem mortuorium et vitam venturi saeculi.

Amen.

 

Das Glaubensbekenntnis

Übersetzung:

 Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben. Hinabgestiegen in das Reich des Todes. Am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel, er sitzet zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters. Von dort wird er wiederkommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die Heilige Katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Auferstehung der Toten, Vergebung der Sünden und das Ewige Leben.

Amen.

Psalm 31

Ego autem in Te speravi, Domine; dixi: "Deus meus es tu, in manibus tuis sortes meae." Eripe me de manu inimicorum meorum et a persequentibus me; illustra faciem tuam super servum tuum, salvum me fac in misericordia tua. Domine, non confundar, quoniam invocavi te; erubescant impii et obmutescant in inferno.

Übersetzung

Ich aber, Herr, ich vertraue dir, ich sage, "Du bist mein Gott." In Deiner Hand liegt mein Geschick; entreiss mich der Hand meiner Feinde und Verfolger! Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht, hilf mir in deiner Güte! Herr, lass mich nicht scheitern, denn ich rufe zu Dir. Scheitern sollen die Frevler, verstummen ...

Psalm 23: Der gute Hirte

canticum David Dominus pascit me nihil mihi deerit in pascuis herbarum adclinavit me super aquas refectionis enutrivit me animam meam refecit duxit me per semitas iustitiae propter nomen suum sed et si ambulavero in valle mortis non timebo malum quoniam tu mecum es virga tua et baculus tuus ipsa consolabuntur me pones coram me mensam ex adverso hostium meorum inpinguasti oleo caput meum calix meus inebrians sed et benignitas et misericordia subsequetur me omnibus diebus vitae meae et habitabo in domo Domini in longitudine dierum

Amen

Übersetzung

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.  

Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Amen

 

Pater noster / Vater unser

Pater noster, qui es in caelis:
Sanctificetur nomen tuum:
Adveniat regnum tuum:
Fiat voluntas tua,
Sicut in caelo, et in terra.
Panem nostrum cotidianum da nobis hodie:
Et dimitte nobis debita nostra,
Sicut et nos dimittimus debitoribus nostris.
Et ne nos inducas in tentationem,
Sed libera nos a malo.

Amen.

 

Übersetzung:

 

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde Dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

 

Amen.

 

Ave Maria

Ave Maria, gratia plena,
Dominus tecum.
Benedicta tu in mulieribus,
et benedictus fructus ventris tui, Iesus.

 Amen.

Übersetzung

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen,
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.

 
Amen.

Gloria Patri (Ehre sei dem Vater)

Gloria Patri, et Filio, et Spiritui Sancto.

Sicut erat in principio, et nunc, et semper, et in saecula saecculorum.

Amen

Übersetzung:
Ehre sei dem Vater
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
wie es war im Anfang, so auch jetzt und allezeit,
und in Ewigkeit.

 

Amen

 

Te Deum laudamus

 

Te Deum laudamus, 
te Dominum confitemur.
Te aeternum Patrem omnis terra veneratur.
Tibi omnes angeli, tibi caeli et universae 
potestates, tibi cherubim et seraphim
incessabili voce proclamant:
Sanctus, sanctus, 
sanctus Dominus Deus Sabaoth.

Pleni sunt caeli et terra 
maiestatis gloriae tuae.
Te gloriosus Apostolorum chorus,
te prophetarum laudabilis numerus,
te martyrum candidatus laudat exercitus.
Te per orbem terrarum
sancta confitetur ecclesia.
Patrem immensae maiestatis;
venerandum tuum verum et unicum filium;
Sanctum quoque Paraclitum Spiritum.

Tu rex gloriae, Christe.
Tu Patris sempiternus es filius.

Tu, ad liberandum suscepturus hominem,
non horruisti virginis uterum.

Tu, devicto mortis aculeo,
aperuisti credentibus regna caelorum.

Tu ad dexteram Dei sedes 
in gloria Patris. 
Iudex crederis esse venturus.

Te ergo quaesumus, tuis famulis subveni, quos pretioso sanguine

redemisti.

Aeterna fac
cum sanctis tuis in gloria numerari.

Salvum fac populum tuum Domine, et benedic haereditati tuae.
Et rege eos, et extolle illos usque in aeternum.
Per singulos dies, benedicimus te.
Et laudamus nomen tuum in saeculum, et in saeculum saeculi.
Dignare Domine, die isto sine peccato nos custodire.

Miserere nostri, Domine, miserere nostri.
Fiat misericordia tua Domine, super nos, quemadmodum speravimus in te.
In te, Domine, speravi: non confundar in aeternum.

Amen

 

Übersetzung:

Dich, Gott, loben wir
dich, Herr, preisen wir.
Dir, dem ewigen Vater huldigt das Erdenrund.
Dir rufen alle Engel, die Himmel und Mächte 
insgesamt, die Kerubim und die Seraphim
mit nie endender Stimme zu:
Heilig, heilig,
heilig, Herr, Gott der Scharen.

Voll sind Himmel und Erde 
von deiner erhabenen Herrlichkeit.
Dich preist der glorreiche Chor der Apostel,
dich der Propheten lobwürdige Zahl,
dich der Martyrer leuchtendes Heer.
Dich preist über das Erdenrund
die heilige Kirche.
Dich, den Vater unermessbarer Majestät;
deinen wahren und einzigen Sohn
und den heiligen Fürsprecher Geist.

Du König der Herrlichkeit, Christus.
Du bist des Vaters ewiger Sohn.

Du, um zu befreien den Menschen,
hast der Jungfrau Schoß nicht verschmäht.

Du hast bezwungen den Stachel des Todes
und denen, die glauben, den Himmel aufgetan.

Du sitzest zur rechten Gottes 
in der Herrlichkeit des Vaters. Als Richter, so glauben wir, kehrst du einst wieder.

Dich bitten wir denn, komm deinen Dienern zu Hilfe, die du erlöst hast mit kostbarem Blut.

In der ewigen Herrlichkeit
zähle uns deinen Heiligen zu.

Rette dein Volk, o Herr, und segne dein Erbe;
und führe sie und erhebe sie bis in Ewigkeit.
An jedem Tag benedeien wir dich
und loben in Ewigkeit deinen Namen, ja, in der ewigen Ewigkeit.
In Gnaden wollest du, Herr, an diesem Tag uns ohne Schuld bewahren.

Erbarme dich unser, o Herr, erbarme dich unser.
Laß über uns dein Erbarmen geschehn, wie wir gehofft auf dich.
Auf dich, o Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt. In Ewigkeit werde ich nicht zuschanden.

Amen

 

Tischgebet mit Übersetzung

 

Komm, Christus, segne
nun diese Speisen,
 
Adsis, Christe,
dapes hinc nunc benedicere sumptas,

Damit diese Tische
(eigentlich „Traggestelle“, wahrscheinlich die Gestelle, worauf sich die
Nahrungsmittel befinden) deine Diener sättigen
Ut satient
famulos fercula ista tuos.

Wir bitten Dich: Weide,
nähre und belebe unsere Seelen und Körper immer mit süßer
Speise
Tu nostras animas, petimus et
corpora victu
Dulcifero pascas, semper alas, vegetes"

Denn Du hast Deinem auf
trockenen Fluren rechtmäßig bittenden Volk
Speise und Trank reichlich gegeben

Namque cibum siccis et potum
largus in arvis
Tu dederas populo rite petenti
tuo.

 

Ubi caritas (Zu Pfingsten)

 

Ubi caritas est et amor, Deus ibi est.
Congregavit nos in unum Christi amor.
Exultemus, et in ipso iucundemur.
Timeamus, et amemus Deum vivum.
Et ex corde diligamus nos sincero.

Ubi caritas est et amor, Deus ibi est.
Simul ergo cum in unum congregamur:
Ne nos mente dividamur, caveamus.
Cessent iurgia maligna, cessent lites.
Et in medio nostri sit Christus Deus.

Ubi caritas est et amor, Deus ibi est.
Simul quoque cum beatis videamus,
Glorianter vultum tuum, Christe Deus:
Gaudium quod est immensum, atque probum,
Saecula per infinita saeculorum.

 

Amen.

 

Übersetzung:

Wo Hingabe und Liebe sind, gibt es Gott.
Die Liebe Christi hat uns in einer Herde versammelt.
Lasst uns jubeln und fröhlich sein in ihm.
Lasst uns Angst und wir lieben den lebendigen Gott.
Und aus einem aufrichtigen Herzen lasst uns einander lieben (und ihm).

Wo Hingabe und Liebe sind, gibt es Gott.
Daher sind wir als eine Gemeinschaft zusammengetragen:
Damit wir nicht im Sinn geteilt, lasst uns hüten.
Lasst sie aufhören bösartige Streitigkeiten, geschweige Streit nachgeben.
Und mitten unter uns sein Christus, unser Gott.

Wo Hingabe und Liebe sind, gibt es Gott.
Gemeinsam auch mit den gesegneten können wir sehen,
Herrlich, Dein Antlitz, o Christus, unser Gott:
Eine Freude, die immens, und auch genehmigt wird:
Durch unendliche Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

 

Veni, creator Spiritus  (Christi Himmelfahrt)                                  

 

Veni, creator Spiritus                                    

mentes tuorum visita,

imple superna gratia,

quae tu creasti pectora.

 

Qui diceris Paraclitus,

altissimi donum Dei,

fons vivus, ignis, caritas

et spiritalis unctio.

 

Tu septiformis munere,

digitus paternae dexterae

tu rite promissum Patris

sermone ditans guttura.

 

Accende lumen sensibus,

infunde amorem cordibus,

infirma nostri corporis,

virtute firmans perpeti.

 

Hostem repellas longius

pacemque dones protinus;

ductore sic te praevio

vitemus omne noxium.

 

Per te sciamus da Patrem

noscamus atque Filium,

te utriusque Spiritum

credamus omni tempore.

 

Deo Patri sit gloria,

et Filio qui a mortuis

Surrexit, ac Paraclito,

in saeculorum saecula.

Amen.

 

Übersetzung:

Komm, Schöpfer Geist,
die Gesinnungen der Deinen besuche;
erfülle mit oberer Gnade
die Herzen, die Du geschaffen hast!
 
Der Du der Beistand genannt wirst,
des höchsten Gottes Geschenk,
lebendige Quelle, Feuer, Liebe
und geistliche Salbung.
 
Du Siebengestaltiger im Amt,
Finger der väterlichen Rechten,
Du nach heiligem Brauch Versprochenes des Vaters,
mit Rede bereichernd die Kehlen.
 
Zünd’ an das Licht den Sinnen,
gieß’ ein die Liebe den Herzen,
das Schwache unseres Leibes
stärkend durch ununterbrochene Tugend!
 
Mögest den Feind weiter zurückstoßen
und den Frieden sofort schenken!
Mit Dir so als vorausgehendem Lotsen
mögen wir alles Schädliche meiden!
 
Gib, dass wir durch Dich den Vater verstehen
und auch den Sohn erkennen
und an Dich, beider Geist,
zu jeder Zeit glauben!
 
Gott, dem Vater, sei Ehre
und dem Sohn, der von den Toten
auferstanden ist, und auch dem Beistand
in die Zeitalter der Zeitalter!

 

Amen

 

Veni, Sancte Spiritus (Frohnleichnam)

Veni, Sancte Spiritus,
Et emitte caelitus
Lucis tuae radium.

Veni, pater pauperum,
Veni, dator munerum,
Veni, lumen cordium.

Consolator optime,
Dulcis hospes animae,
Dulce refrigerium.

In labore requies,
In aestu temperies,
In fletu solatium.

O lux beatissima,
Reple cordis intima
Tuorum fidelium.

Sine tuo numine
Nihil est in homine,
Nihil est innoxium.
Lava quod est sordidum,
Riga quod est aridum,
Sana quod est saucium.

Flecte quod est rigidum,
Fove quod est frigidum,
Rege quod est devium.

Da tuis fidelibus
In te confidentibus
Sacrum septenarium.

Da virtutis meritum,
Da salutis exitum,
Da perenne gaudium.

 

Amen

 

Übersetzung:

Komm, heiliger Geist,
Und sende vom Himmel her
Deines Lichtes Strahl.

Komm, Vater der Armen,
Komm, Geber der Gaben,
Komm, Licht der Herzen.

Bester Tröster,
Süßer Gast der Seele,
Süße Erfrischung.

In der Mühe bist du Ruhe,
In der Hitze Mäßigung,
Im Weinen Trost.

O seligstes Licht,
Erfülle das Herzensinnere
Deiner Gläubigen.

Ohne deinen Wink
Ist nichts im Menschen,
Ist nichts unschuldig.

Wasche, was schmutzig ist,
Bewässere, was trocken ist,
Heile, was verwundet ist.

Beuge, was starr ist,
Wärme, was kalt ist,
Lenke, was vom Weg weg ist.

Gib deinen Gläubigen,
Die auf dich vertrauen,
Die siebenfache heilige Gabe.

Gib der Tugend Verdienst,
Gib des Heiles Ausgang (Erfolg),
Gib beständige Freude.

 

Amen

 

Requiem (für Pestumzüge gut geeignet)

 

 

Pie Jesu
Pie Jesu, Domine
dona eis requiem,
requiem sempiternam.


       Gütiger Jesus, Herr,
       gib ihnen Ruhe,
       ewige Ruhe.

 

 

Requiem aeternam dona eis, Domine:
et lux perpetua luceat eis.
Te decet hymnus, Deus, in Sion,
et tibi reddetur votum in Jerusalem:
exaudi orationem meam,
ad te omnis caro veniet.
Requiem aeternam dona eis Domine …

 

Übersetzung:

Herr, gib ihnen die ewige Ruhe,
und das ewige Licht leuchte ihnen.
Dir gebührt Lob, Herr, auf dem Sion,
Dir erfüllt man Gelübde in Jerusalem.
Erhöre mein Gebet;
zu Dir kommt alles Fleisch.
Herr, gib ihnen die ewige Ruhe …

 

Totenoffizium

Gott der Geister und Herr allen Fleisches, der Du den Tod getötet, den Teufel besiegt und der Welt das Leben geschenkt hast, schenke, Herr, deinen Dienern die Ruhe der Seele am Orte des Lichtes, am Orte des Ergrünens, am Orte der Erquickung, wo entflieht aller Schmerz alle Trübsal  und alle Klage. Verzeihe ihnen gütiger und Menschen liebender Gott, was sie gesündigt in Taten, Worten oder Gedanken, weil kein Mensch lebt ohne zu sündigen. Denn Du allein bist ohne Sünde, Deine Gerechtigkeit ist ewige Gerechtigkeit und Dein Wort ist Wahrheit.

Denn Du bist die Auferstehung und das Leben und die Ruhe deiner Diener, Christus unser Gott, und Dich lobpreisein wir, Dich und Deinen anfanglosen Vater und Deinen allheiligen und guten und leben schaffenden  Geist, jetzt und immerdar und in der Ewigkeiten Ewigkeit. Amen

 

Anbetung Gottes ( Gebet zur Bußnacht)

Allmächtiger, ewiger Gott,
Schöpfer und Erhalter
des gesamten Alls,
gepriesen seiest Du
in der Majestät und Glorie
der Göttlichen Dreifaltigkeit
und Allerheiligsten Dreieinigkeit
von Gott Vater, Gott Sohn
und Gott Heiligem Geist.

Ermutigt durch die Heiligen Schriften,
die vom Erlöser, unserem Herrn
Jesus Christus, berichten
und im Vertrauen auf die Fürbitte
der heiligsten Jungfrau und Muttergottes Maria,
wage ich es, als Dein unwürdiger Knecht,
mein Gebet und meine Bitten
an Dich, oh Gott, zu richten.

Oh Gott, Du hast die Welt
in wunderbarer Weise erschaffen.
Was ein Himmel sein könnte,
haben Menschen zur Hölle gemacht.
Es gibt so viel Leid und Not
auf dieser Erde.
Sei barmherzig, oh Herr.
Auch mit meinen Feinden.

Du bist der Gott der Güte und der Liebe.
Oh Gott, in aller Demut bitte ich Dich:
Bewahre mich, meine Familie
und alle, die uns gut gesinnt sind,
vor dem Übel des Bösen
und vor weltlichem Leid.
Schenke ihnen allen
die Gnade des wahren Glaubens.

Lass mich, gerechter Gott,
meine Aufgaben und Pflichten
nach bestem Wissen und Können erfüllen.
Schick mir einen Strahl
Deines göttlichen Heiligen Geistes,
auf dass meine Finsternis
erhellt werde und ich fähig werde,
das Richtige zu tun.
Wenn ich über meinen Nächsten
nichts Gutes zu sagen weiß,
lass mich schweigen.
Segne, oh Herr, meine Werke,
denn Du allein vermagst alles.
An Deinem Segen ist alles gelegen.

Ich bitte Dich, oh Herr, sende mir,
in Deiner unermesslichen Güte,
Deine himmlischen heiligen Engel,
damit sie mich friedvoll geleiten.
In geziemender Weise wage ich,
Dich anzurufen und zu bitten:
Lass, oh Herr, Gerechtigkeit
und Liebe in meinem Herzen walten.
Schenke meinem Herzen Freude,
damit ich sie mit anderen teilen kann.
Gib mir die Gnade, Gutes zu tun.
Denn jedes gute Werk
zählt mehr als nur ein guter Rat.

Gib mir, allmächtiger, gütiger Gott,
die Kraft, das mir von Dir
in Deiner unendlichen Weisheit
zugeteilte Schicksal
ohne Verlust meines Glaubens
anzunehmen, ohne leiblichen,
geistigen oder seelischen
Schaden zu erleiden,
denn ich bin schwach.
Aber Dir ist nichts unmöglich:
Du siehst, weißt und bewirkst alles.
Du bist der Anfang und das Ende,
die Allmacht und die Güte.

Allmächtiger, allwissender Gott,
ich bin nur ein unnützer Diener
und Dein unwürdiger Knecht,
nicht würdig, vor Dein göttliches
Angesicht zu treten.
Um unseres Erlösers und Herrn,
Jesu Christi willen, der als Menschensohn
freiwillig für uns Sünder
einen peinvollen Tod
auf sich genommen hat,
habe Erbarmen, oh Gott,
mit mir armen Sünder.

Allmächtiger, ewiger Gott,
Du mein Schöpfer
und himmlischer Vater,
weißt immer,
was für mich das Beste ist.
Deine Züchtigungen
sind Ausdruck Deiner Liebe.
Dein göttlicher Wille geschehe
im Himmel und auf Erden.
Dein Name sei gepriesen
und verherrlicht,
denn Du bist die Macht
und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.


Gebet zu Gott Vater und seinem Sohn

Allmächtiger ewiger Gott,
Du mein Schöpfer und himmlischer Vater,
ich weiß, dass ich ein Sünder bin,
und ich weiß, dass ich die Strafe
für meine Sünden verdiene.
Aber ich glaube daran, dass Du, oh Gott,
Deinen eigenen Sohn,
unseren Herrn Jesus Christus,
gesandt hast, damit Er
mit Seinem kostbaren Leib und Blut
für unsere Sünden bezahlt und uns erlöst.

Darum, Herr Jesus Christus,
bitte ich Dich, schließe mich
in Dein Herz, wie auch ich Dich,
Deinen Vater und den Heiligen Geist
in mein Herz geschlossen habe.
Ich preise die Göttliche Dreifaltigkeit
und Heiligste Dreieinigkeit
von Gott Vater, Gott Sohn
und Gott Heiligem Geist.

Herr Jesus Christus,
Du König des Himmelreiches,
sei mein Herr und Retter
und nimm mich, wenn ich sterbe,
zu Dir in den Himmel,
zu meinem himmlischen Vater
und zu meiner himmlischen Mutter.
In Deinem erhabenen Namen
bitte ich Dich darum. Amen.


Lob Gottes

Allmächtiger, ewiger Gott,
ich habe Dich nicht gekannt,
aber ich habe Dich angerufen
in meiner Verzweiflung und Not.
Du gibst und Du nimmst.
Gelobt sei Dein Name!

Dein göttlicher Sohn,
unser Herr Jesus Christus,
den Du gesandt hast,
hat aus unendlicher Liebe
sein Leben hingegeben
als Lösegeld für viele von uns.
Unser Herr Jesus Christus
hat in Deinem Auftrag,
allmächtiger, ewiger Gott
und durch seine Liebe
allen, die an ihn glauben,
die Macht und Gnade gegeben,
Kinder Gottes zu werden
und als seine Geschwister
das Himmelreich zu erben.

Unser Herr Jesus Christus
hat Dich, oh Gott,
hier auf Erden verherrlicht.
Er hat uns Deine Majestät
und Glorie offenbart.
Er hat Dich, oh Gott, und
Deine Herrlichkeit gepriesen.
Er hat uns Deine Allmacht,
Allwissenheit und Weisheit,
Deine Liebe, Güte und
Barmherzigkeit verkündet.
Er hat uns gelehrt,
dass Du der einzige, wahre und
lebendige Gott bist.

Allmächtiger, ewiger Gott,
Du lebst für uns Menschen
im Verborgenen.
Kein menschliches Auge
hat Dich je gesehen.
Aber im Vertrauen auf die Worte
unseres Herrn Jesus Christus
bete ich zu Dir, oh Gott,
und glaube an Dich,
der Du im Verborgenen bist.

Allmächtiger, ewiger Gott,
Du bist unendlich und absolut,
unvorstellbar und unbegreiflich.
Oh Gott, sende mir den Göttlichen Heiligen Geist,
der von Dir, Gott Vater, und Gott Sohn ausgeht,
damit ich erleuchtet und im Glauben
gestärkt werde.
Schenke mir das Licht
Deiner göttlichen Gnade.

Allmächtiger, ewiger Gott,
ich bin nur der Geringste Deiner Diener,
aber ich bete zu Dir, oh Gott,
und bitte Dich, dass Du mir die Gnade gibst,
Dich nach dem Gericht in alle Ewigkeit
von Angesicht zu Angesicht
schauen, lieben, verehren
und anbeten zu dürfen.

Ich habe Dich, großer Gott, nicht gekannt,
aber ich glaube an Dich, großer Gott,
der Du für uns unsichtbar die Welt regierst.
Du bist der Gott der Gerechtigkeit,
Du bist der Herr der Schöpfung
und des Universums.
Sei mir gnädig, großer Gott.

Allmächtiger, ewiger Gott,
wenn Du Dich meiner erbarmst,
freue ich mich darauf,
Dich, von Ewigkeit zu Ewigkeit
lobpreisen und verherrlichen
zu dürfen. Alleluja.
Heilig, heilig, heilig bist Du, Herr,
Gott und Herrscher
über die gesamte Schöpfung,
heilig bist Du, oh Gott,
Herr über Zeit und Raum,
der Du warst, bist und kommst.

Allmächtiger, ewiger Gott.
Ehre sei Dir in der Höhe.
Gepriesen werde Dein Name,
Verherrlicht werde Dein Werk.
Lob und Dank sei Dir, oh Gott,
überall und in alle Ewigkeit. Amen.


Preis Gottes

Meine Seele preist die Größe des Herrn
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seines Knechtes
hat Gott, der Allmächtige, geschaut.
Sein Name ist heilig und gepriesen.
Sein Arm vollbringt machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen
voll Hochmut sind.
Er stürzt die Mächtigen vom Thron
und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt Er mit Seinen Gaben
und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich Seines Knechtes an
und schenkt ihm Sein Erbarmen. Amen.


Gebet des Kämpfers

Oh Herr, lass mich Dein Kämpfer sein,
ich bin zwar nur ein Mensch und schwach,
doch ich möchte den guten Kampf
des Glaubens kämpfen.

Oh Herr, gib mir den Mut,
für die gute Sache einzutreten,
für die Wahrheit und für Menschen,
die in Bedrängnis sind.

Oh Herr, lass mich unermüdlich
nach Gerechtigkeit, Frömmigkeit,
Glauben, Liebe, Standfestigkeit
und Sanftmut streben.

Oh Herr, kleide mich mit Demut,
Güte, Geduld und Milde
und mit aufrichtigem Erbarmen
damit ich dieser Aufgabe gerecht werde.

Oh Herr, schenke mir in Deiner Huld
die Früchte des Geistes: Güte, Treue,
Liebe, Freude, Frieden, Langmut,
Sanftmut, Freundlichkeit und Disziplin. Amen.


Gebet des alternden Ritters

Allmächtiger, großer Gott!
Dein verirrtes Schaf
möchte heim zu Deiner Herde.
Lange irrte mein Sinn:
In meinem Unverstand suchte ich
nach dem wahren Sinn des Lebens
im lauten Vergnügen, in Lastern,
Materialismus, Magie, Okkultem,
Esoterik und anderem Irrglauben.
Selbst wenn ich gute Vorsätze hatte,
wie wenig habe ich davon erfüllt.
Jetzt bereue ich aus ganzem Herzen
den Frevel meines Unglaubens,
Zweifels, Neides, Hochmuts,
und auch Hasses,
meiner Selbstsucht, Lieblosigkeit,
Eitelkeit und Überheblichkeit.
Ich bereue auch alle anderen
Fehler und Verfehlungen,
denn als Dein Geschöpf
sollte ich Deinem Namen
Ehre machen.

Allmächtiger, gütiger Gott,
ich flehe Dich an:
Lass mich nie mehr
im Glauben wanken.
Gib mir die Kraft,
meinen guten Vorsätzen
treu zu bleiben.
Lass mich nicht verzagen,
auch wenn manchmal
Alles hoffnungslos erscheint.
Zürne mir nicht, oh Gott,
sondern erbarme Dich
Deines reuigen Sünders.

Allmächtiger, barmherziger Gott,
ich bitte um Begnadigung.
Du bist der Richter über Gut und Böse.
Mir steht kein Urteil und keine Rache
für vermeintliches Unrecht zu.
Ich verzeihe meinen Feinden
und will auch denen Gutes tun,
von denen ich Nichts zu erwarten habe.

Allmächtiger, gütiger Gott,
Dein göttlicher Wille geschehe,
hier und überall, auch wenn ich
Opfer zu ertragen habe.
Alles, oh Gott, geschehe
nach Deinem weisen göttlichen Plan.
Allmächtiger, ewiger Gott,
ich danke Dir für jeden Tag,
an dem Du mich vor dem Bösen
und dem Leid bewahrst.
Denn mein Wille ist zwar frei,
aber menschlich und schwach.
Du, oh Gott, aber bist
gütig und barmherzig
auch zu uns Sündern.

Allmächtiger, barmherziger Gott,
meine bisherigen irdischen Ziele
sind meist nur zu persönlichen
Leidenswegen geworden.
Ich bin des Kämpfens müde
und sehne mich nach Frieden.
Erbarme Dich und lass mich
die Früchte meiner Mühen ernten.
Denn Dir, oh Gott,
ist nichts unmöglich.

Allmächtiger, alleiniger Gott,
Du bist der einzige, wahre
und lebendige Gott.
Ich glaube an Dich
und die Auferstehung
Deines Sohnes, unseres Herrn
Jesus Christus,
und an die Auferstehung
der Auserwählten,
der Kinder Gottes, und
ein ewiges Leben in Deinem Reich.
Oh, Gott, sei mir
armen Sünder gnädig!

Allmächtiger, allwissender Gott,
mein Weg nähert sich
dem ewigen Ziel.
Nur Du, Gott Vater,
weißt den Tag und die Stunde.
In Dir, allmächtiger, gütiger Gott,
wird mein unruhiges Herz
Ruhe finden.
Erbarme Dich meiner, oh Gott!
Schenke mir Vergebung
und eine friedliche Todesstunde.
Amen.


Christus unser Retter

Herr Jesus Christus,
gepriesen sei Dein hoher Name,
der höher und größer ist
als alle Namen und Titel auf Erden,
verherrlicht werde Dein Gnaden-
und Dein Erlösungswerk.
Vor Deinem Namen beugen ihre Knie
die Engel und Heiligen im Himmel,
und auf Erden die Lebenden und Toten.

Herr Jesus Christus,
Dein Leben als Mensch,
Dein freiwilliger Opfertod,
die wunderbaren Zeichen
und die Weisheit
Deiner göttlichen Worte
sind überzeugender
als alle Spekulationen
und wissenschaftlichen Theorien
Wer Deinen Worten glaubt,
der glaubt an Dich
und findet auch zu Deinem Vater,
zu Gott, dem Allmächtigen.

Herr Jesus Christus,
Du hast Deinen göttlichen Vater
hier auf Erden verherrlicht
und wirst von Ihm verherrlicht
mit der Herrlichkeit, die Du hattest,
bevor die Welt erschaffen war.
Durch Dich, Herr Jesus Christus,
will ich zu Deinem Vater kommen,
der mein Schöpfer
und himmlischer Vater ist.
Ich lege mich vertrauensvoll
in seine Hand mit meinen Sorgen,
denn Er weiß besser als ich,
was ich brauche.

Herr Jesus Christus,
Du König des Himmels,
Du bist das Wort,
das Fleisch geworden ist
und unter uns gewohnt hat.
Du bist die Wahrheit.
Du bist das Licht
in der Welt, der Weg
und das Ziel.
Du bist das Salz,
der Sauerteig und
das lebendige Brot.
Du bist das Weizenkorn,
das millionenfach
Frucht getragen hat.
Du bist der Weinstock,
wir sind Deine Reben.
Du bist die Liebe, Freude
und die Hoffnung.
Du bist die Auferstehung
und das ewige Leben.
Du bist der gute Hirte,
der keines seiner Schafe
verloren gehen lässt.
Du kennst die Deinen
und die Deinen kennen Dich.
Mit Deinem kostbaren Blut
bist Du der Mittler des neuen Bundes
und der Erlöser der Gerechten.

Herr Jesus Christus,
Du unser Heiland und Messias,
Du bist die Fülle des Lebens,
die Seligkeit des Herzens,
das Wunder der Liebe,
der Schatz unseres Lebens.
Du bist die Tür zum Vaterhaus
und Quelle des ewigen Lebens.
Wer an Dich glaubt,
wird nicht zu Grunde gehen.

Herr Jesus Christus,
Du hast gesagt:
"Wer durch mich hineingeht,
wird gerettet werden.
Er wird ein und ausgehen
und Weide finden.
Ich bin gekommen,
damit sie das Leben haben
und es in Fülle haben."
Darum, Herr Jesus Christus,
erbarme Dich meiner,
wenn ich vor Deinem
Richterstuhl stehen werde.
Gott, der Allmächtige,
hat Dir das Gericht übertragen,
denn Du hast für die Sünden
der ganzen Welt gesühnt.
Habe Erbarmen mit mir,
Herr Jesus Christus.

Herr Jesus Christus,
Du bist die Güte und die Liebe.
Du hast gesagt:
"Alles, was zwei von euch
auf Erden gemeinsam erbitten,
werden sie von meinem
himmlischen Vater erhalten.
Denn wo zwei oder drei
in meinem Namen
versammelt sind,
da bin ich mitten unter ihnen."
Herr Jesus Christus,
Du liebst uns wie Brüder und Schwester.
Wir aber sind oft hart und grausam.
Verzeihe uns armen Sündern.

Herr Jesus Christus,
nimm mich auf in Deine Schar.
Du hast allen Menschen,
die an Dich glauben,
die Macht gegeben,
Kinder Gottes zu werden,
wenn sie die Gebote halten,
Opfer ertragen
und gute Werke vollbringen.
Du hast in Deiner unendlichen
Liebe zum Vater und zu seinen Geschöpfen
Dein kostbares Leben hingegeben
als Lösegeld für viele.

Herr Jesus Christus,
Deine Liebe war und ist so groß,
dass Du alle, die Dir folgen,
zu Miterben Deines Königtums
machst und ein ewiges Leben
verheißt, wenn Du mit Macht
und in Herrlichkeit wieder kommst.
Wenn Gott Dir alle Feinde
unter die Füße gelegt hat
und auch der Tod entmachtet ist.
Nimm mich auf, denn im Hause
Deines Vaters sind viele Wohnungen.

Herr Jesus Christus,
Du Erstgeborener der Kinder Gottes,
ich bete zu Dir und bitte Dich,
sende mir Deinen göttlichen Geist,
damit ich barmherzig, gütig und
von Herzen demütig werde,
damit ich Gott gefällig lebe
und der Gnaden würdig werde.
Herr Jesus Christus, segne mich,
auf dass ich Gott in der
Majestät und Glorie
der Heiligsten Dreifaltigkeit
mehr liebe als alles Andere in der Welt
und meinen Nächsten
so liebe wie mich selbst.

Herr Jesus Christus,
verzeihe mir meine Kleingläubigkeit.
Zwar bin ich guten Willens,
aber oft verzweifelt und verzagt,
wenn jeder Erwartung
neue Enttäuschungen folgen,
hoffend auf die göttlichen Gnaden,
aber nur ein schwacher Mensch.
Dennoch möchte ich jedes Kreuz,
das Du mir schickst,
in Demut auf mich nehmen.
Gib mir bitte die Kraft dazu.

Herr Jesus Christus,
ich vertraue darauf, dass Du,
in der Einheit mit Deinem Vater
und dem Göttlichen Heiligen Geist,
das Leid zu meinem Besten wendest.
Herr Jesus Christus,
gepriesen sei Dein hoher Name,
der höher und größer ist
als alle Namen und Titel auf Erden,
verherrlicht werde Dein Gnaden-
und Dein Erlösungswerk.
Vor Deinem Namen beugen ihre Knie
die Engel und Heiligen im Himmel,
und auf Erden die Lebenden und Toten.
Amen.


Anrufung des Heiligen Geistes

Alle Ehre und Anbetung gebührt Dir,
Göttlicher Heiliger Geist,
der Du von Gott Vater
und Gott Sohn ausgehst
und die ganze Schöpfung belebst.

Gott Heiliger Geist, Du bildest
mit dem Vater und dem Sohne
die Heiligste Dreifaltigkeit.
Zugleich vereinst Du sie
zur Göttlichen Dreieinigkeit.

In der Gestalt der Taube
und als Feuerzungen,
die vom Himmel kamen,
bist Du, Gott Heiliger Geist,
den Menschen sichtbar geworden.

Gott Heiliger Geist, der Du
das Weltall in Harmonie erhältst.
Du bist überall zugegen, doch unsichtbar.
Nur in den guten Werken
kann man Dich erahnen.

Gott Heiliger Geist, Du bist
die spirituelle Verbindung
zwischen Gott Vater, Gott Sohn
und uns Menschen, die wir
auf göttliche Hilfe angewiesen sind.

Gott Heiliger Geist, erleuchte mich,
nur ein Millionstel einer Sekunde
mit Deiner unendlichen Energie,
damit ich die Kraft und Klugheit
erlange, alles Recht zu machen.

Gott Heiliger Geist, stärke mich
in meinem Glauben,
dass das ewige Leben
im Reiche des Allerhöchsten
mehr zählt als alle Schätze dieser Erde.

Gott Heiliger Geist, Du bist
das Leben, die Gnade,
die Weisheit und der Geist
der Heiligsten Dreifaltigkeit
und Göttlichen Dreieinigkeit.

Gott Heiliger Geist, Du Quelle
der Freude und Energiepotential,
in wunderbarer Weise verwirklichst Du
die schöpferischen Gedanken
und weisen Pläne Gottes.

Gott Heiliger Geist, Du Lebensborn,
stärke und erleuchte mich,
belebe meinen Geist und meine Seele.
Und gib mir Deinen Frieden
jetzt und in Ewigkeit. Amen.


Gruß der Heiligsten Jungfrau Maria

Mit dem Gruß des Heiligen Erzengels Gabriel
bete ich, Dein unwürdiger Knecht, zu Dir:
Gegrüßest seist Du, Heilige Maria,
voll der Gnade bist Du.
Gott, der Herr, ist mit Dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen
und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes,
unser Herr Jesus Christus.

Heiligste Jungfrau, in allen Situationen
vertraue ich auf Dich.
Durch Deine Fürbitte habe ich einst
zu Deinem Sohn gefunden,
unserem Herrn Jesus Christus.
Er hat mir den Weg zu Gott,
dem Allmächtigen, gezeigt.

Ein Ritter ohne Furcht und Tadel
möchte ich sein, der für das Gute kämpft
- und bin doch nur ein schwacher Mensch.
Du himmlische Mutter, behüte mich, Dein Kind.
Du Mutter der Gnade, verlasse mich nicht,
auch wenn ich Deiner Güte nicht würdig bin,
umso mehr bedarf ich Deiner Fürbitte.

Heilige Maria, Mutter Gottes,
bitte für mich armen Sünder
jetzt, jederzeit und insbesondere
in der Stunde meines Todes. Amen.


Bitte um Beistand der Heiligsten Jungfrau Maria

Oh, Du von Gott erkorene,
ohne Makel der Erbsünde
empfangene und geborene,
allerheiligste immerwährend reine
Jungfrau und Gottesmutter,
Maria Immaculata,
die Du uns unwürdigen Dienern
Deinen vielgeliebten Sohn,
Gottes Sohn, unseren
Herrn Jesus Christus,
den Erlöser, durch die Geburt
geschenkt hast,
sei mir eine verständnisvolle
und gnädige Fürbitterin
beim allmächtigen,
ewigen Gott, unserem Herrn.

Als mit Leib und Seele
in den Himmel aufgenommene
Königin des Himmels,
als Königin der Heiligen und Freude
der himmlischen Heerscharen,
bist Du voll der Gnade Gottes,
bist Mittlerin der Gnaden
und Fürsprecherin
für uns sündige Menschen.
Du genießt die besondere Gnade
der Heiligen Dreifaltigkeit Gottes.
Erbitte Vergebung und Erbarmen
für uns arme,
verlorene Menschenkinder
beim allmächtigen,
ewigen Gott, unserem Herrn.

Im Gedenken an den Opfertod
Deines vielgeliebten Sohnes,
unseres Herrn Jesus Christus,
bitte ich Dich in Demut und Verehrung:
Heilige Muttergottes, freudenvoll
und schmerzensreich zugleich,
Du geistige und himmlische
Mutter der Menschheit,
nimm auch mich
unter Deine mütterliche Obhut,
lehre mich Deine Demut
und Bescheidenheit,
bewahre mich vor Irrwegen,
erbarme Dich und hilf mir
mit Deiner gütigen Fürbitte
beim allmächtigen,
ewigen Gott, unserem Herrn.
Amen.


Anrufung der Heiligen Engel

Ihr strahlenden Lichtträger Gottes,
Ihr Fürsten des Himmels und Würdenträger Gottes,
Ihr Wächter des Thrones und des Guten,
Ihr Boten Gottes und des Himmels,
Ihr Hüter der Schöpfung und Herren der Sterne,
Ihr Schutzherren des Glaubens,
Ihr Kämpfer gegen das Böse und die Sünde,
Ihr Borne und Träger der Weisheit,
Ihr von Gott mit höchster Intelligenz, Schönheit
und Perfektion ausgestattete
Führer und Wegbegleiter der Menschen:
seid in Ehrfurcht gegrüßt.
Durch Euch sei Gott alle Ehre und Verherrlichung.

Die Heiligen Schriften preisen Euch,
Ihr Seraphim, Cherubim und Throne,
Ihr Herrschaften, Mächte und Gewalten,
Ihr Fürsten, Erzengel und Engel,
Euer Wille folgt in allem Gottes Willen.
Eure Existenz preist Euren Schöpfer.

Ein bedeutungsloser Knecht bin ich
und nicht würdig, Euch anzurufen,
einer, der Eurer Hilfe bedarf,
um Gott gefällig zu leben.
Dankbar und in Ehrfurcht
nehme ich Eure Hilfe an.
Für Alles, was Ihr bereits für mich getan habt,
danke ich aus ganzem Herzen.

Seid die Stimme meines Gewissens.
Bringt mir die ersehnte Heilsbotschaft:
"Fürchte dich nicht!"
Gebt mir den Mut, meine Angst zu überwinden.
Steht mir bei, Ihr Himmlischen,
wenn ich kleinmütig werde.
Spendet mir Trost, wenn ich ihn benötige.
Schickt mir begnadete,
gute und fromme Menschen,
die mir seelisch und materiell weiterhelfen,
wenn es Gottes Wille ist.

Gebt mir Gerechtigkeit und Güte
im Umgang mit meinen Mitmenschen.
Begleitet und leitet jedes Gespräch
Eurer Schützlinge, damit sich ihre Herzen
und mein Herz mit göttlicher Hilfe
in wunderbarer Weise erweichen
und wir miteinander harmonieren.

Steht mir bei in meiner Todesstunde
und geleitet mich dahin,
wohin es Gottes Wille ist.
Bittet für mich bei Gott, unserem Herrn,
am Tag des Gerichts.
Nicht meine Wünsche sind maßgebend,
sondern Gottes weiser Ratschluss.
Gott sei Lob und Ehre, gepriesen sei der Herr.
allein sein göttlicher Wille geschehe
jetzt und in Ewigkeit. Amen.


Gebet zum Heiligen Erzengel Michael

Alleluja, alleluja, Heiliger Erzengel Michael.
Das Meer kam in Wallung, es wankte die Erde,
als der Erzengel Michael vom Himmel herabstieg.
Heiliger Erzengel Michael, Du Fürst der himmlischen
Heerscharen, verteidige uns im Kampfe,
auf dass wir nicht zu Grunde gehen im Alltag
und im schrecklichen Gerichte.
Heiliger Erzengel Michael, Du Fürst der himmlischen
Heerscharen, verbreite den nach Dir benannten Orden,
damit wir gute Werke für die Ärmsten der Armen
verrichten können, aber nicht im eigenen Namen,
sondern in Deinem heiligen Namen
zur höheren Ehre Gottes. Amen.


Gebet zu den Heiligen Schutzengeln

Alleluja, alleluja, Ihr heiligen Schutzengel.
Ihr Engel des Herrn, die ihr vor Gottes Thron steht
und die Gnade habt, stets das Angesicht
eures himmlischen Vaters zu sehen,
lobpreiset den Herrn, singet Sein Lob
in Psalmen, Hymnen und Liedern,
wie sie der Göttliche Heilige Geist eingibt,
und erhebt Ihn, euren Herrn und Schöpfer,
über Alles in Ewigkeit. Amen.


Gebet zum eigenen Schutzengel

Heiliger Schutzengel, ich grüße Dich
in Demut und Ehrfurcht, in Liebe und Verehrung.
Heiliger Schutzengel, ich danke Dir für Alles,
was Du schon für mich getan hast.

Heiliger Schutzengel, verzeihe mir,
dass ich nicht so gut bin wie ich es möchte.
Verzeihe mir, dass ich Dich in meiner Dummheit
für meine Fehler verantwortlich gemacht habe.

Heiliger Schutzengel, ich bitte Dich:
Steh mir weiter bei, begleite mich und gib mir
einen Funken Deiner Intelligenz und Weisheit,
damit ich in dieser Welt bestehen kann.

In Demut und Ehrfurcht grüße ich auch
alle anderen Schutzengel,
mit deren Schützlingen ich heute in direkter
und indirekter Weise in Berührung komme.

Ihr himmlischen Führer, wirkt
auf Eure Schützlinge ein,
dass sie Feindseligkeiten vermeiden.
Lasst sie christlich denken und handeln.

Heiliger Schutzengel, hilf mir, nach dem
Willen Gottes zu leben, damit ich die Gnade erlange,
mit Dir als Freund und Beistand in der anderen Welt
Gott in Ewigkeit zu preisen und zu loben. Amen.


 

 

Gottes Gnade

Allmächtiger, ewiger Gott,
Du lässt Deine Sonne aufgehen
über Bösen und Guten,
und Du lässt es regnen
auf Gerechte und Ungerechte.
Oh Herr, Du bist unser Gott,
unser Schöpfer und Richter.
Lass die Barmherzigkeit
im Gerichte triumphieren.
Rette mich vor dem
Schrecken des Gerichts.
Sei mir gnädig, oh Gott,
denn auch ich will
barmherzig sein,
den Feinden verzeihen
und für jene beten,
die mich verfolgen.

Allmächtiger, ewiger Gott,
mit jedem Atemzug danke ich Dir
und preise Dich. Mein Herz jubelt,
wenn ich Dich preise.
In Demut beuge ich mich
unter Deine mächtige Hand,
denn Du bist gerecht,
barmherzig und gütig auch
gegen Undankbare und Böse.
Ich habe zahlreiche Sünden
und Fehler zu bereuen.
Weil die Liebe aber
viele Sünden zudeckt,
hoffe ich auf Deine Gnade, oh Gott.

Am Ende meines Weges,
wenn alle irdischen Wünsche
versiegt sind, bleibt nur
die Liebe zu Dir,
allmächtiger, ewiger Gott.
Erbarme Dich meiner, oh Gott,
schenke mir Deine Vergebung,
eine friedliche Todesstunde
und das ewige Leben
in Deinem himmlischen Königreich. Amen.

 

 

 

Mönchs / Nonnenweihe

 

Mönchsweihe (mhd. wihe; lat. benedictio, ordinatio). Liturgische Feier anlässlich der Aufnahme eines Novizen in den Mönchsstand, üblicherweise in die Messfeier integriert. Dazugehörige rituelle Elemente waren: Frage-Antwort-Scrutinium zur Bestätigung der Bereitschaft des Kandidaten, Verlesung der Professurkunde, deren Darbringung auf dem Altar, alternierende Wechselgesänge von Kandidat und Mönchsgemeinde, Segensgebet des zelebrierenden Priesters, Tonsurierung, Bekleidung mit dem Mönchsgewand, Demutsgeste der Prosternierung vor jedem einzelnen Mitglieds des Konvents und Friedenskuss des Abtes als Zeichen der Aufnahme in die Klostergemeinschaft. Vor allen Mönchen des Klosters gelobte der Kandidat, ein Leben in stabilitas loci, conversatio morum und oboedientia (Ortsverbundenheit, Umkehr der Lebensführung und unbedingten Gehorsam) zu führen.

 

Weihe eines monastischen  Novizen

Bevor ein Novize geweiht werden kann muss er ebenfalls eine rituelle Waschung kurz vor dem Komplet an sich vornehmen lassen und wird danach in ein Bußgewand aus weißem Leinen gekleidet und verbleibt nach dem Komplet in der Kirche und verbringt betend dort die Nacht (Bußnacht). Während dieser Zeit dürfen nur noch der Novizenmeister und der Abt nach dem Novizen schauen. Nach der Laudes beginnt für den Novizen die Klausur, auch hier dürfen nur noch der Abt und der Novizenmeister mit dem Novizen sprechen, alle anderen sind hierbei ausgeschlossen bis die Weihe zur Vesper abgeschlossen ist.

 

 

Die Weihe selbst:

Novize ist im weißen Bußgewand gekleidet und liegt mit ausgebreiteten Armen und mit dem Gesicht auf dem Boden gerichtet vor dem Altar, Novizenmeister hält Demut Predigt in deutsch:

Die erste Stufe der Demut: Der Mensch achte stets auf die Gottesfurcht und hüte sich, Gott je zu vergessen.

Die zweite Stufe der Demut: Der Mönch liebt nicht den eigenen Willen und hat deshalb keine Freude daran, sein Begehren zu erfüllen.

Die dritte Stufe der Demut: Aus Liebe zu Gott unterwirft sich der Mönch dem Oberen in vollem Gehorsam. So ahmt er den Herrn nach, von dem der Apostel sagt: "Er war gehorsam bis zum Tod."

Die vierte Stufe der Demut: Der Mönch übt diesen Gehorsam auch dann, wenn es hart und widrig zugeht. Sogar wenn ihm dabei noch so viel Unrecht geschieht, schweigt er und umarmt gleichsam bewusst die Geduld.


Die fünfte Stufe der Demut: Der Mönch bekennt demütig seinem Abt alle bösen Gedanken, die sich in sein Herz schleichen, und das Böse, das er im Geheimen begangen hat und er verbirgt nichts.

Die sechste Stufe der Demut: Der Mönch ist zufrieden mit dem Allergeringsten und Letzten und hält sich bei allem, was ihm aufgetragen wird, für einen schlechten und unwürdigen Arbeiter.

Die siebte Stufe der Demut: Der Mönch erklärt nicht nur mit dem Mund, er sei niedriger und geringer als alle, sondern glaubt dies auch aus tiefstem Herzen.

Die achte Stufe der Demut: Der Mönch tut nur das, wozu ihn die gemeinsame Regel des Klosters und das Beispiel der Väter mahnen.

Die neunte Stufe der Demut: Der Mönch hält seine Zunge vom Reden zurück, verharrt in der Schweigsamkeit und redet nicht, bis er gefragt wird.

Die zehnte Stufe der Demut: Der Mönch ist nicht leicht und schnell zum Lachen bereit, steht doch geschrieben: "Der Tor bricht in schallendes Gelächter aus."
 

Der Novize spricht sein Gelöbnis:

Ich gelobe, alle Lehren der Kirche zu glauben und ihre Gebote zu halten.

Ich gelobe, meine Pflichten dem Kloster und der Gemeinschaft gegenüber zu erfüllen, sofern sie nicht gegen Gottes Gebote sind.

Ich gelobe, niemals zu lügen und zu meinem gegebenen Wort zu stehen.

Ich gelobe, Armut, Gehorsam und Keuschheit, in Demut und Dankbarkeit bin ich dazu bereit, so Gott will.

 

Novize wird vom Diakon angekleidet ( Habit, Kukulle+Gugel)

 

Novize spricht nach Ankleidung:“ Laudetur Jesu Christi“ und verneigt sich dem Diakon.

Diakon antwortet:“ in aeternam, amen“ und verneigt sich ebenfalls

 

Novize spricht nach Ankleidung:“ Laudetur Jesu Christi“ und verneigt sich dem Priester.

Priester antwortet:“ in aeternam, amen“ und verneigt sich ebenfalls

 

Hospitalgeschichte

Die Hospitäler waren, was ihre medizinische Funktion betraf, Einrichtungen, in denen bei den Kranken der Heilprozess der Natur

  1. durch die nötige Ruhe z.B. durch ausgewogenen Schlaf,
  2. durch intensive Pflege z.B. durch häufiges Waschen und Baden, und
  3. durch angemessene, gute Ernährung gefördert wurde.

Die Anwesenheit von Ärzten und medizinischem Personal wie in unseren heutigen Krankenhäusern war nicht notwendig, da die Genesung Gott allein oblag.

Die Spitäler entstanden der moralischen Verpflichtung der Christen, tätige Nächstenliebe zu üben. In der Benediktinerregel galt das Gebot: "Die Sorge um die Schwachen muss vor allem und über alles getätigt werden, damit auf diese Weise in Wahrheit Christus und damit ihnen (den Schwachen) gedient werde." Damit war die Fürsorge und Pflege für Alte, Arme, Kranke und Schwache christlich begründet.
Seit etwa dem 4. Jh. verbreiteten sich im Abendland die Xenodochien, die Bedürfnisanstalten für Arme, Fremde und Pilger darstellten. Die ersten abendländischen Xenodochien wurden in Ostia (395) und in Rom (399) errichtet. Im Frühmittelalter gab es sie schließlich in Gallien und im Merowingerreich an fast jedem Bischofssitz. Auf dem Land sorgten die Mönche für die Kranken, Schwachen und Pilger, indem sie in ihren Klöstern für diese Menschengruppen Gästehäuser, Pilgerhäuser und Aderlaßhäuser errichteten.

Nach alten Überlieferungen soll die Geburtstätte des Lazarusordens ein Lepra-Hospiz außerhalb der Mauern Jerusalems gewesen sein, welches vom Hohepriester Johannes Hyrcanus (135-105 v. Chr.) gegründet wurde. Nach Unterlagen aus dem Jahre 1343, die Johannes, Herzog von Berry (späterer französischer König Johann II), zugerechnet werden, soll das Gründungsdatum der Bruderschaft im Jahre 72 n. Chr. liegen. Die meisten Historiker
sehen jedoch das Jahr 369 n. Chr. als einigermaßen fundiertes Gründungsdatum des Ordens an. Danach soll der Heilige Basilius der Große, Erzbischof von Caesarea, durch die Gründung eines Leprahauses in der Nähe von Caesarea die Grundsteine für den späteren Lazarusorden gelegt haben. Seit dem 5. Jahrhundert existierten Lepra-Hospitäler in Akkon und Caesarea, die von armenischen Mönchen nach der Regel des Heiligen Basilius geführt wurden. Das spätere Haupthaus wurde dann im Jahre 530 bei Jerusalem gegründet. Dieses Hospiz diente nicht nur der Aufnahme und Pflege von Leprakranken, sondern widmete sich generell der Wohlfahrt der Pilger im Heiligen Land. Da das Leprosorium sich in der Nähe von Bethanien, dem Ort, an dem Christus Lazarus von den Toten erweckt haben soll, befand, wurde es Lazarus-Hospital genannt. Dieses Hospital soll sich angeblich an eben jener Stätte befunden
haben, an der auch das alte, von Johannes Hyrcanus gegründetem Haus stand. Zu dieser Zeit standen die Lazarener-Brüder unter der Protektion des Patriarchen von Jerusalem.

Weiterentwicklungen im Hospitalwesen fanden während der Kreuzzüge (1096 - 1270) statt. Zu dieser Zeit entstanden die bekannten ritterlichen Ordensgemeinschaften: die Hospitaliter, die Lazarener und der Deutsche Ritterorden.

Die Hospitaliter, Lazarener und der Deutsche Ritterorden waren anfänglich besonders in der Krankenpflege aktiv.
Der Orden der Hospitaliter, die sich seit dem 16. Jh. "Malteser" nannten, wurde 1099 von einem französischen Ritter mit dem Namen Gérard in Jerusalem gegründet. Seine Mitglieder, die an ihren schwarzen Mänteln mit dem weißen, achtspitzigen Kreuz zu erkennen waren, legten nach dem Vorbild der Benediktiner ein strenges Gelübde auf Armut, Gehorsam und Keuschheit ab.

Ihre Aufgaben sahen die Hospitaliter in der Pflege von Kranken und Verwundeten und in der Hilfe von Armen. Später übernahmen sie wie die Templer die militärische Funktion, die Pilger, die auf dem Weg vom Meer nach Jerusalem waren, zu beschützen. Im Gegensatz zu den gewöhnlichen mittelalterlichen Hospitälern waren in dem größten Hospital der Hospitaliter zu Jerusalem gegen Ende des 12. Jhd. vier gelehrte Ärzte zur Betreuung der Kranken und Armen vorgeschrieben, die unter anderem Urinproben durchführen und Heilmittel verabreichen mussten.

Der Deutsche Ritterorden wurde während des dritten Kreuzzuges im Jahre 1191 von Kaufleuten aus Bremen und Lübeck und deutschen Rittern in Jerusalem gegründet. Sie wählten zur Kennzeichnung ihres Ordens genau in umgekehrter Reihenfolge die Farben der Hospitaliter: weißer Mantel und schwarzes Kreuz.
Zu Anfang übernahmen die Ritter des Deutschen Ordens nicht nur die Ordensregeln der Hospitaliter, sondern kümmerten sich auch wie diese um Kranke und Verwundete. Aber bald schon waren auch sie nur noch militärisch tätig.

In Europa wurde währenddessen ein neuer eingreifender Erlass bezüglich der Hospitäler verkündet. Seit 1179 forderte ein Laterankonzil wegen der Gefahr der Ansteckung die Isolierung der Schwerkranken von den übrigen Patienten. So entwickelten sich neben den allgemeinen Spitälern die Sondersiechenspitäler und die Lepra-Hospitäler, die außerhalb der Städten errichtet werden mussten. Im Spätmittelalter stellten sich diesen zwei Spitalarten noch das Elendspital oder die Elendherberge hinzu, in denen erkrankte und hilfsbedürftige Fremde ihre Aufnahme fanden.

1198 wurde in Montpellier der Spitalorden vom Heiligen Geist gegründet, der sich vorwiegend in Frankreich, Italien und Süddeutschland ausbreitete. Dieser Orden widmete sich wie der kurz vor ihm gegründete Hospitalorden vom Heiligen Antonius der Krankenpflege.

Im Spätmittelalter trennte sich das Hospitalwesen von seiner bisherigen Bindung an Klöster und Domstifte und wurde unter die Kontrolle der städtischen Räte gestellt. Unter deren Administration entwickelten sich die bisherigen "Krankenhäuser" immer mehr zu "Alterspflegeheimen". So konnten sich alte Bürger und Bürgerinnen als Pfründner in ein Hospital "einkaufen". Die reichen und gerngesehenen Pfründner erhielten spezielle Unterkünfte, die zum Teil zusätzlich mit Stube, Küche und Keller ausgestattet waren. Sie brachten auch ihr eigenes Dienstpersonal mit, das für sie zu putzen, zu waschen und zu kochen hatte. Das Pflegepersonal des Hospitals musste sich kaum um sie kümmern. Starben diese reichen Pfründner, so erbte das Hospital ihr gesamtes Vermögen.
Den armen Pfründnern wurde nur ein Bett zur Verfügung gestellt. Sie hatten ihre eigene Bettwäsche mitzubringen. Ihr ärmlicher Besitz wurde nach ihrem Tode ebenfalls vom Hospital beansprucht.

Im Gegensatz zu den reichen Pfründnern waren die armen, sofern sie körperlich dazu noch in der Lage waren, zur Mithilfe verpflichtet. So mussten sie z.B. das Vieh versorgen, Kranke betreuen und Küchendienste verrichten, im Garten arbeiten oder spinnen. Und nicht jeder arme Alte wurde im Hospital  kostenlos aufgenommen. Die führenden Persönlichkeiten des Hospitals betrieben nach moralischen und kirchlichen Gesichtspunkten eine Selektion.

Das Personal des Hospitals bestand aus dem Spitalpfleger, dem Spitalmeister und der Spitalmeisterin, einigen Schwestern und Hilfskräften. Der Spitalpfleger verwaltete das Spitalvermögen und führte als Vertreter des städtischen Rates die Oberaufsicht über das Hospital. Ihm unterstanden der Spitalmeister und die Spitalmeisterin, die für die Verwaltungs- und für die Pflegedienste zuständig waren. Die Schwestern, die bei ihrem Eintritt ein Gelübde des Gehorsams, der Keuschheit, der Armut und des Dienstes am Kranken ablegen mussten, verfügten über keinerlei medizinische Ausbildung. Ärzte erschienen im Hospital nur, wenn sie ausdrücklich herbei gerufen wurden. Außerdem waren noch mehrere Geistliche für das Hospital zuständig. Sie hatten die täglichen Messen zu lesen und an den Sonn- und Festtagen Gottesdienste für die Kranken zu halten. Auch die sieben Gebetszeiten (Horen) wurden von ihnen wie in einem Kloster bei Tag und bei Nacht mit feierlichem Gesang verrichtet.

Die Hospitäler wurden von der Stadtbevölkerung durch freiwillige Spenden z.B. Nahrungsstiftungen finanziert und auch in vielen Testamenten der Bürger und Bürgerinnen reichlichst bedacht. In vielen spätmittelalterlichen Städten gehörten ihnen mehrere übereignete Ländereien, Weinberge und Nutzungsrechte, und sie fungierten, da sie häufig über die größten liquiden Geldbeträge in der Stadt verfügten, oft auch als Bank.

 

Die Medizin und das Gesundheitswesen

Wer im Mittelalter bei einer Krankheit einen Fachmann benötigte, standen in den Städten außer den "weisen" Frauen, die Ärzte und Bader zur Verfügung. Der Arzt, der "Medicus", benannt wurde, war schon auf Grund seines Universitätsstudiums eine angesehene Persönlichkeit und nahm in der Stadt eine bedeutsame Position ein. Im Früh- und Hochmittelalter konnten sich nur Adlige und reiche Kaufleute den teuren Dienst eines Arztes leisten. Die übrige Bevölkerung musste sich den Rat von den Badern oder Wundärzten einholen. Im Spätmittelalter änderte sich dies. In vielen Städten wurden die Ärzte nun vom Rat einbestellt und waren verpflichtet, alle Kranken zu betreuen. In den städtischen Medizinalordnungen wurde vom Medicus verlangt, dass seine Honorare bescheiden waren, dass er arme Menschen kostenlos behandeln musste, dass er die Arzneiherstellung den Apothekern überließ, dass er die Kranken in ihren Häusern aufsuchte, dass er ohne Erlaubnis des Rates keine Reise unternahm oder über Nacht außerhalb der Stadt blieb, dass er jede ungewöhnliche Krankheit sofort meldete, und dass er ein- bis zweimal im Jahr die Apotheken überprüfte, ob von den Medikamenten noch genügende Mengen vorhanden waren.

Trotz seiner angesehenen Stellung war die Meinung der Bevölkerung über den Arzt alles andere als günstig. Die eigenen Zeitgenossen bezeichneten die Ärzte gern als "verdammte Blutsauger" oder "Pfuscher". Francesco Petrarca († 1374) begann einen Brief an einen kranken theologischen Freund mit folgenden ängstlichen Worten: "Ich weiß dein Krankenbett von Ärzten belagert; dies ist für mich ein erheblicher Grund zur Furcht!" (in: Werner Leibbrand, ebenda, S. 154)

Tatsächlich führte gerade die Anwesenheit des Arztes bei einem Kranken des öfteren zum Tode.  Den meisten "Medizinmännern" fiel nichts Besseres ein, als die Patienten so lange zur Ader zu lassen, bis auch der letzte Blutstropfen aus den Erkrankten herausgepresst worden war, Wunden behandelten sie mit Öl und Fett. Dabei wurde das Öl gekocht und so heiß wie nur möglich auf die Wunde gegossen in der Annahme, dass dadurch die Eiterbildung und die "üblen" Säfte vernichtet würden. Nicht selten litt aber gerade dann solch ein Kranker an schweren Eiterbildungen. Es gab auch andere Ärzte, die die Wunden mit Wein reinigten und sie mit Verbänden versahen, um jede Form von Infektion aus der Luft zu verhindern. Denn bis zu Beginn des 19. Jhds. wurde die Lehre vertreten, dass die Krankheitsübertragung durch verdorbene Luft bewirkt würde.

Paul Diepgen berichtet von einer Nonne, die fünf Tage lang nicht urinieren konnte, weil ein Stein ihre Harnröhre verstopfte. Einem Arzt gelang es schließlich, sie von ihrer Qual befreien:
"So spießte er (der Arzt) dem Stein einen Haken ein, damit er nicht in die Blase zurückschlüpfen konnte, wenn er beklopft wurde; dann schob er die vorliegende Steinpartie etwas zurück und klopfte den Stein selbst mit einem ‚eisernen Instrument‘ in kleine Stücke. Hierauf zog er Haken und Instrument mit größter Vorsicht zurück, um ja Nebenverletzungen zu vermeiden, und es folgten Urin und gleichzeitig die Steinsplitter." (in: Paul Diepgen, Frau und Frauenheilkunde in der Kultur des Mittelalters, Stuttgart 1963, S. 187).

Ein recht großes Problem stellte die Betäubung des Patienten bei schweren Operationen z.B. bei Beinamputationen oder Eingriffen am Auge dar. Lange Zeit hindurch versuchte man den Schmerz nur durch übermäßigen Alkoholkonsum zu lindern. Die Patienten selbst mussten an ihren Händen und Füßen mit straffen Riemen auf einem Stuhl gefesselt werden.

Damit sie von der Operation optisch nichts mitkommen konnten, wurden ihnen die Augen durch eine heruntergezogene Kappe verdeckt oder die Augen wurden ihnen verbunden.

Zum Trost las ihnen vielleicht noch jemand aus der Bibel vor. Meistens wurde der Patient erst durch einen Ohnmachtsanfall von den schrecklichen Schmerzen während der Operation erlöst.

In der Zeit der Kreuzzüge gelangten neue Narkosemethoden vom Orient nach Europa. Nun wurden den Patienten vor dem operativen Eingriff Schwämme, die mit bestimmten Essenzen wie Alraunwurzeln, Bilsenkraut, Opium und/oder Mohn getränkt waren, über den Mund und die Nase gelegt. Als Operationswerkzeuge standen Sägen verschiedener Größen für Amputationen, Messer, Haken zum Halten von Wundrändern, Zangen, Scheren und Bohrer zur Verfügung. Zum Zunähen der Wunden wurden Hanf, Haare oder Tiersehnen verwendet.

Die Alternative zum Arzt war der Bader oder Wundarzt (Feldscher). Seit dem Spätmittelalter musste er, um praktizieren zu können, eine dreijährige Lehrzeit mit einigen Wanderjahren vorweisen. Erst dann hatte er das Recht, unter ständiger ärztlicher Aufsicht Patienten zu behandeln. Zu den Aufgaben des Baders gehörte, zur Ader zu lassen oder zu schröpfen, Kopfschmerzen zu behandeln, Verbände anzulegen, Salben und Arzneien auszugeben, kranke Zähne zu ziehen, Wunden und Geschwüre zu heilen, kleine chirurgische Tätigkeiten auszuüben, zu massieren, Haare und Bart zu scheren, im Badehaus das Bad bereitzustellen und die Badegäste zu betreuen.

Wenn weder Arzt noch Bader zur Verfügung standen, oder wer an ihren Fähigkeiten zweifelte, holte sich Rat von "weisen" Frauen oder braute seine Heilmittel selbst zusammen. So wurden Abkochungen oder Aufgüsse von Heilkräutern geschluckt oder zum Einreiben benutzt. Auch die Dämpfe bestimmter Wundermittel wurden eingeatmet oder zum Beräuchern der Wohnung verwendet. Gegen Krankheiten des Kopfes halfen angeblich Wermut, Akazie, Agrimonie oder Anagallis, gegen Krankheiten der Ohren Aconit, Osterluzei, Majoran oder Thymian, gegen Krankheiten der Zunge Sauerampfer, Zweiblatt, Natterwurz oder Efeu, und gegen Krankheiten der Augen Schlehenblüten, Maßliebchen, Anemone, Sonnentau, Rosen oder Euphrasta.

Hildegard von Bingen empfahl, die heilsamen Kräuter bei wachsendem Mond zu schneiden, weil sie dann vollsaftig wären und sich in diesem Zustand besser zur Bereitung von Salben, Latwergen und Arzneien verwenden ließen. Im 15. Jh. wurde zudem der Branntwein als das Allheilmittel, als das wahre Elixier des Lebens, betrachtet.

Aber bei den Heilungsversuchen spielte auch der Aberglauben eine große Rolle. Schlaganfall, Lähmung, Herzinfarkt, Tollwut – das waren für den mittelalterlichen Menschen alles unerklärliche und unheimliche Krankheiten, gegen die ihrer Meinung nach nur ungewöhnliche Heilmittel wie z.B. getrocknete Hirnschale, Rabeneier, Wolfsherzen und Wieselblut helfen konnten. Je widerlicher oder teurer eine Medizin war, um so mehr versprach sie zu helfen. So half gegen die Gicht angeblich nur ein Heilpflaster aus Ziegenmist, Rosmarin und Honig. Bei Wurmbefall empfahl man den Verzehr von Ruß aus dem Schornstein, von Asche verbrannter Schuhsohlen, von Harn, Rinderkot und von gedörrten "Garten- und Feldwürmern" – nach dem Motto, davor müssten sich auch die Würmer ekeln und deshalb den Wirtskörper fluchtartig verlassen!

Andere abergläubische Bräuche waren folgende:

  • "Es stärkt das schwache Auge gewaltig, wenn man die Augen einer Kröte entnimmt und sich selbst um den Hals hängt.
  • Ein Hundebiss heilt nur wieder vollkommen, wenn man von dem betreffenden Hund Haare auf die Wunde bindet.
  • Gegen Nasenbluten hilft, wenn man den kleinen Finger der linken Hand fest mit einem Faden zubindet. Wenn das nicht hilft, so nimm aus dem Gebeinhaus die Hirnschale eines Menschen, lege sie auf eine Röste, dörre sie und stoße sie zu Pulver. Trinke das Pulver im warmen Bier...
  • Gegen Fallsucht ist günstig, um Johannis (den 24.6.) 13 lebendige Maulwürfe in einen unglasurten Topf zu legen, der zugedeckt und verkittet wird. Dann wird der Topf so lange auf glühende Kohlen gesetzt, bis die Maulwürfe gut durchgebrannt sind, worauf man sie zu Pulver zerstößt. Das nehme man eine halbe Messerspitze voll in Milch...
  • Schneidet man einer ganz schwarzen Katze ein Loch ins Ohr und läßt die Tropfen von ihrem Blut auf ein Stück Brot laufen und ißt dieses, so hilft es gegen das Fieber...
  • Hat jemand Flechten im Gesicht, besonders auf der Stirn, so muß eine fremde Person hinzutreten und ihm unvermutet ins Gesicht spucken. Wer Gelbsucht erleidet, muß eine gelbe Rübe aushöhlen, seinen Harn hineinlassen und die Möhre alsdann in die Sonne hängen, bis sie trocknet, also wird er geheilt werden...
  • Zahnschmerzen werden geheilt, wenn man im Beinhaus einen Zahn, den man einem Totenkopf ausbrechen muß, holt und in den Mund nimmt, aber um Mitternacht solls geschehen."

(in: Walter Hansen, Gütersloh 1977, S. 92-94)

Besonders beliebt war die Verwendung von "Mumien". Zur Herstellung dieser Kostbarkeiten benötigte man das Blut eines Gesunden. Dieses wurde in eine Eierschale gefüllt, die man mit einer Hausenblase fest verschloss und unter eine brütende Henne legte. Wenn die Henne ihr Gelege verließ, war das Innere im Ei zu einer fleischähnlichen Masse geworden. Jetzt musste das ganze nur noch zusammen mit Brotteig in den Backofen geschoben werden. Denn mit dem ausgebackenen Brot waren auch die "Mumien" fertig und konnten gelagert oder gleich verspeist werden.

Anstatt sich dieser suspekten Heilmittel zu bedienen, konnte man jedoch auch die speziellen Heiligen anrufen. So hilft angeblich der Heilige Hugo, ein ehemaliger Bischof aus Grenoble († 1132) gegen Kopfweh, der Heilige Zeno († 371), wenn Kinder schlecht laufen und sprechen lernen, der Heilige Quirin, ein römischer Märtyrer († 130), bei Bein- und Fußleiden, Gicht, Lähmung, Eitergeschwüren, Pest, Ohrenschmerzen, Kropfleiden, Pocken, Fisteln, Knochenfraß, Hautausschlag, Augenleiden und Pferdekrankheiten. Für den Krebs ist der Heilige Beatus zuständig, vor Zahnschmerzen bewahrt die Heilige Medard († 560), von Blähungen befreit der Heilige Martin († 397), vor Zuckungen schützt der Heilige Claudius (7.Jh.), vor Bettnässen der Heilige Vitus († 304) und vor Durchfall der Heilige Germanus († 448).

Gegen die Pest konnten mehr als 20 Heilige angerufen werden und bei der Geburt standen mindestens 35 Heilige hilfsbereit zur Seite. Außerdem gab es noch die Reliquien der Heiligen, die in Notsituationen zu Hilfe genommen wurden. Dem Gürtel der Heiligen Elisabeth († 1231) wurden im Spätmittelalter besondere Kräfte für leichte und gefahrlose Geburten zugeschrieben. Und ihr Unterkleid sollte noch bis in die Mitte des 17. Jhs. hinein bei schweren Geburten helfen. Selbst die Protestanten, die den Heiligenkult abgeschafft hatten, zweifelten nicht an seine Wirkungskraft.

Aber im Gegensatz zu unserer Zeit wurden psychosomatische Krankheiten im Mittelalter sehr ernst genommen. So war man der Auffassung, daß Gefühle wie Zorn und besonders die Schwermut den Körper schwächten und den Krankheiten Tür und Tor öffneten.

 

Reformation

Im Zuge der Reformation behielten die evangelischen Äbte der reformierten Klöster zunächst die Amtsbezeichnung Abt bei. Im Laufe der Zeit setzten sich dann andere Bezeichnungen durch, so hießen die württembergischen Klostervorsteher bald nur noch Prälaten. Doch gibt es auch heute noch evangelische Konvente, deren Obere den Titel Abt bzw. Äbtissin tragen. Ein streng reguliertes Leben wie katholische Klöster führen diese Gemeinschaften jedoch nicht.

Quellen:

Die Äbtissin Hildegard von Bingen – Ursachen und Behandlung der Krankheiten, übersetzt von Hugo Schulz. München 1933

Ariès, Philippe: Die Geschichte des Todes. München 1987 (3. Auflage)

Diepgen, Paul: Frau und Frauenheilkunde in der Kultur des Mittelalters. Stuttgart 1963

Holländer, Eugen: Die Medizin in der klassischen Malerei. Stuttgart 1903

Leibbrand, Werner: Heilkunde - Eine Problemgeschichte der Medizin. Freiburg, München 1954

Schelenz, Hermann: Frauen im Reiche Aeskulaps. Leipzig 1900

Toellner; Richard: Illustrierte Geschichte der Medizin, Bd. 2 und Bd. 3. Salzburg 1986

Vogt, Helmut: Das Bild des Kranken. München 1980 (2. Auflage)

Maike Vogt-Lüerssen: Zeitreise 1: Besuch einer spätmittelalterlichen Stadt. Norderstedt 2005 (dieses Buch berichtet auch sehr anschaulich über den Ablauf von Geburten im Mittelalter)

Andreas Libau (Libavius): Alchemie, Weinheim (Reprint)  

Ralf Koch, - Der Lazarusorden – Geschichte, Leben und Wirken - von seinen Anfängen bis zum Jahre 1557 Oktober 2011

 

F. Meffert, - Caritas und Krankenwesen bis zum Ausgang des Mittelalters

 

Werner Leibbrand, Heilkunde – Eine Problemgeschichte der Medizin, Freiburg, München 1954

 

Heiligen Lexikon

 

Hartmut Bookmann, - Einführung in die Geschichte des Mittelalters

Wikipedia