Monachus

Deutsch Orden

Der Deutsche Orden, auch Deutschherren- oder Deutschritterorden genannt, ist eine geistliche Ordensgemeinschaft. Neben dem Johanniter- bzw. Malteserorden ist er einer der noch heute bestehenden Ritterorden aus der Zeit der Kreuzzüge.

Die lateinische Bezeichnung lautet Ordo Teutonicus, abgekürzt OT. Der Langname war Orden der Brüder vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem, lateinisch Ordo fratrum domus Sanctae Mariae Theutonicorum Ierosolimitanorum.

Er ging aus einem 1190 im Heiligen Land gegründeten Hospital hervor. Nach der Erhebung zum geistlichen Ritterorden beteiligten sich die Mitglieder der ursprünglich karitativen Gemeinschaft im Verlauf des 13. Jahrhunderts an der deutschen Ostkolonisation. Im Baltikum begründete der Orden einen eigenen Staat, den Deutschordensstaat. Er umfasste am Ende des 14. Jahrhunderts ein Gebiet von rund 200.000 Quadratkilometern.[1]

Durch eine schwere militärische Niederlage gegen die Polnisch-Litauische Union im Sommer 1410 sowie einen langwierigen Krieg gegen die preußischen Stände in der Mitte des 15. Jahrhunderts beschleunigte sich der um 1400 einsetzende Niedergang. Infolge der Säkularisierung des Ordensstaates im Zuge der Reformation im Jahre 1525 und seiner Umwandlung in ein weltliches Herzogtum übte der Orden in Preußen und nach 1561 in Livland keinen nennenswerten Einfluss mehr aus. Er bestand jedoch im Heiligen Römischen Reich mit erheblichem Grundbesitz, vor allem in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz fort.

Nach rechtsrheinischen Gebietsverlusten im späten 18. Jahrhundert infolge der Koalitionskriege und einer weiteren Säkularisierung in den Rheinbundstaaten im Jahre 1809 blieben nur noch die Besitzungen im Kaiserreich Österreich. Mit dem Zerfall der Habsburger Donaumonarchie nach dem Ersten Weltkrieg ging neben dem Verlust erheblicher Besitztümer auch die ritterliche Komponente in der Ordensstruktur verloren. Seit 1929 wird er von Ordenspriestern geleitet und somit nach kanonischem Recht in der Form eines klerikalen Ordens geführt. Der Deutsche Orden widmet sich heute vorwiegend karitativen Aufgaben.

 

 

 

Geschichte

Gründung und Anfänge im Heiligen Land und Europa

Vorgeschichte

 

 

König Philipp II. August von Frankreich belagert Akkon (Miniatur aus dem 14. Jahrhundert)

Nachdem der Erste Kreuzzug zur Eroberung Jerusalems geführt hatte, etablierten sich in den vier Kreuzfahrerstaaten Outremers erste ritterliche Ordensgemeinschaften. Ursprünglich dienten sie der medizinischen und logistischen Unterstützung von christlichen Pilgern, welche die biblischen Stätten besuchten. Zu diesen Aufgaben kamen bald Schutz und Geleit der Gläubigen im militärisch immer wieder umkämpften Land hinzu. 1099 bildete sich der französisch dominierte Johanniterorden, nach 1119 der stärker nach militärischen Gesichtspunkten ausgerichtete Templerorden. Infolge der vernichtenden Niederlage der Kreuzfahrer 1187 in der Schlacht bei Hattin ging die Hauptstadt des Königreichs Jerusalem an Saladin, den Begründer der Ayyubiden-Dynastie, verloren. Daraufhin begann 1189 der Dritte Kreuzzug. Von verbliebenen Stützpunkten an der Küste aus versuchten die Kreuzfahrer, Jerusalem zurückzuerobern. Das erste Ziel war die Hafenstadt Akkon.

Gründung vor Akkon

Während der Belagerung von Akkon (1189–1191) herrschten im durch muslimische Truppen weitgehend blockierten Lager der Kreuzfahrer auf der Hochfläche Toron katastrophale hygienische Zustände.Über See angereiste Kreuzfahrer aus Bremen und Lübeck gründeten daher dort ein Feldspital. Einer Legende nach soll das über die Kranken gespannte Segel einer Kogge das erste Spital der Deutschen gewesen sein.

Das bewährte Hospital blieb auch nach der Eroberung Akkons bestehen. Die dort dienenden Brüder nahmen die karitativen Regeln der Johanniter an und nannten die Einrichtung „St. Marien-Hospital der Deutschen zu Jerusalem“ – in Erinnerung an ein Spital, das bis 1187 in Jerusalem bestanden hatte. In der Heiligen Stadt sollte nach dem erwarteten Sieg über die Muslime auch das Haupthaus des Ordens errichtet werden.

Das Spital gewann durch Schenkungen, vor allem von Heinrich von Champagne, an wirtschaftlicher Bedeutung. Zudem erhielt der Orden neue militärische Aufgaben. Kaiser Heinrich VI. erwirkte schließlich am 6. Februar 1191 die offizielle Anerkennung des Hospitals durch Papst Clemens III.

Während des Deutschen Kreuzzugs wurde im März 1198 die Gemeinschaft der einstigen Krankenpfleger auf Betreiben Wolfgers von Erla und Konrads von Querfurt nach dem Vorbild der Templer und Johanniter in den Stand eines Ritterordens erhoben. Erster Hochmeister war Heinrich Walpot von Bassenheim. Nach dem Tod Heinrichs VI. (1197) und dem erfolglosen Ende des in erster Linie vom deutschen Feudaladel getragenen Kreuzzuges sollte ein vom deutschen Adel geprägter Ritterorden über familiäre Beziehungen und Lehensabhängigkeiten als politischer Verbündeter des künftigen Herrschers im Reich dienen. Bis dahin verfügten die um den vakanten Kaiserthron streitenden Machtgruppen der Staufer und Welfen in Outremer über keine ihre Interessen vertretende klerikale Institution. Deutsche Interessen im nationalen Sinn waren allerdings im Heiligen Römischen Reich unbekannt.

Mitgliedsstrukturen und Verbreitung des Ritterordens im Hochmittelalter

 

 

Hermann von Salza, der IV. Hochmeister in den Jahren 1210–1239; Spätere historisierende Darstellung aus einer Chronik des 16. Jahrhunderts; Rüstung und Kopfbedeckung des Hochmeisters entsprechen nicht der dargestellten Zeit.

 

 

Der Tannhäuser im weißen Mantel der Deutschordensritter;
Miniatur aus dem Codex Manesse um 1300

Die Mitglieder des Ordens waren auf die Gelübde der Armut, der ehelosen Keuschheit und des Gehorsams verpflichtet. Stimmrecht im Generalkapitel wurde hingegen nur Ritter- sowie Priesterbrüdern zugebilligt. Wie alle Ritterorden des Mittelalters bestand der Deutsche Orden zunächst aus:

  • Ritterbrüdern: Die militärische Kraft des Ordens; jeder zum Ritter geschlagene Mann konnte in der Anfangszeit mit der Profess unter dem Beistand eines glaubwürdigen Bürgen zum Ordensritter avancieren. Ab dem späten 15. Jahrhundert war die Würde eines Ritters gebürtigen Adligen vorbehalten. Vorher waren Adlige, Stadtbürger, sowie überwiegend Ministeriale anzutreffen. Obwohl die Ritterbrüder oft mit ritterlichen Mönchen assoziiert wurden, galten sie doch faktisch als Laien. Das Institut der Professritter existierte bis 1929.
  • Priesterbrüdern: Den Ordenspriestern oblag die Einhaltung der Liturgie und die Durchführung sakraler Handlungen. Des Weiteren fanden im Verlauf des Mittelalters die Priesterbrüder aufgrund ihrer schriftkundlichen Bildung Verwendung als Chronisten oder Kanzleibeamte der Ordensgebieter. Ihr Wirkungsspektrum blieb auf diese Tätigkeitsfelder beschränkt, aus ihren Reihen stammten jedoch auch die Bischöfe des Ordens.
  • Sariantbrüdern: Es handelte sich um bewährte nichtadelige Laien, die als leichtbewaffnete Kämpfer, Kuriere oder untergeordnete Verwaltungsbeamte dienten. Sariantbrüder gab es nur bis zum Ende des Mittelalters.
  • Dienenden Halbbrüdern (sogenannte Halbkreuzler): Diese Gruppe erledigte untergeordnete Arbeiten in Hof- und Haushaltung, versah aber auch Wachdienste. Der Zweig der dienenden Halbbrüder existierte bis zum Ende des Mittelalters.

Neben militärischen Aufgaben blieben zunächst Krankenpflege und Armenfürsorge wichtige Schwerpunkte der Ordenstätigkeit. Durch Schenkungen und Erbschaften fielen den Ordensrittern beträchtlicher Landbesitz und zahlreiche Hospitäler zu. Letztere wurden von Ordenspriestern und Halbbrüdern weiter betrieben. Die umfassende Spendenbereitschaft des Feudaladels erklärt sich aus dem Weltbild des frühen 13. Jahrhunderts, das „Furcht ums Seelenheil“ sowie eine spirituelle „Endzeitstimmung“ mitprägten. Durch die Stiftungen zugunsten des Ordens versuchte man sich des eigenen Seelenheils zu versichern.

1221 gelang es dem Orden durch ein päpstliches Generalprivileg, seine volle Exemtion von der Diözesangewalt der Bischöfe zu erlangen. Die Einkünfte erhöhten sich durch die Gewährung des Rechts zur umfassenden Kollekte auch in nicht dem Orden zugeordneten Pfarreien. Gegen entsprechende Vergütung (Legat) durften zudem mit Bann oder Interdikt belegte Personen in „geweihter Erde“ auf den Friedhöfen der Ordenskirchen beigesetzt werden, was ihnen sonst verwehrt geblieben wäre. Der Orden war kirchlich papstunmittelbar und somit Johannitern und Templern gleichgestellt. Seitens dieser Gemeinschaften wurde der Deutsche Orden mit zunehmender Skepsis betrachtet, nicht zuletzt wegen seiner Erwerbungen. Die Templer beanspruchten den Weißen Mantel für sich und legten 1210 sogar offiziellen Protest bei Papst Innozenz III. ein. Erst 1220 wurde den Deutschordensrittern das Tragen des strittigen Mantels durch Papst Honorius III. endgültig bestätigt. Die Templer blieben indes erbitterte Rivalen des Deutschen Ordens. In Palästina kam es zu einem förmlichen Krieg. 1241 verjagten die Templer die Deutschen Herren aus fast allen Besitzungen und duldeten selbst ihre Geistlichen nicht mehr in den Kirchen.

Bereits am Ende des 12. Jahrhunderts erhielt der Orden erste Besitzungen in Europa. 1197 wurde erstmals ein Hospital des Ordens in Barletta in Süditalien erwähnt. Die erste Niederlassung auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches nördlich der Alpen bildete um 1200 ein Spital in Halle. Auf einem durch Schenkung übereigneten Gelände westlich der Stadt gründeten Ordensbrüder St. Kunigunden. Das Spital benannte sich nach der heilig gesprochenen Kaiserin Kunigunde, der Gemahlin Heinrichs II.. Der verstreute territoriale Besitz wurde bald so umfangreich, dass schon 1218 ein Landkomtur für Deutschland eingesetzt werden musste. In den kommenden Jahrzehnten breitete sich der Orden im gesamten Reichsgebiet aus, begünstigt durch zahlreiche Stiftungen und den Beitritt prominenter und wohlhabender Adliger.

Der Deutsche Orden unterstützte 1228/1229 vorbehaltlos die Kreuzfahrt von Kaiser Friedrich II., an der Hochmeister Hermann von Salza maßgeblich beteiligt war. Dies brachte dem Orden die Lehnsexemtion ein. Dieses wichtige Privileg löste ihn zwar nicht aus dem Lehnsverband des Königreiches Jerusalem, befreite ihn aber von allen Verpflichtungen diesem gegenüber. Dieser Verzicht des Königreichs Jerusalem auf alle königlichen Rechte ist ohne Beispiel. Kaiser Friedrich II., zugleich infolge seiner Hochzeit mit Isabella von Brienne König von Jerusalem, wünschte den Orden an herausragender Stelle in seine imperiale Politik zu integrieren. Die umfassende Privilegierung ist auf das Wirken Hermanns von Salza zurückzuführen, einen der bedeutendsten Berater und Diplomaten des Kaisers. Friedrich gewährte dem Orden noch eine Reihe weiterer Privilegien, so bereits 1226 die Goldene Bulle von Rimini.

Kontingente der Ordensritter unterstützten 1241 die vom Angriff der mongolischen Heere unter Batu Khan betroffenen mitteleuropäischen Herrschaftsgebiete. In der verlorenen Schlacht bei Liegnitz wurde beispielsweise das gesamte zur Verteidigung Schlesiens eingesetzte Aufgebot des Ordens aufgerieben.

Entwicklung in Europa und Palästina bis zum Ende des 13. Jahrhunderts

Der Orden im Heiligen Land

Reste der Deutschordensfestung Toron im Heiligen Land

Im Heiligen Land gelang dem Orden nicht nur der Erwerb eines Anteils am Hafenzoll in Akkon, sondern durch Schenkung Ottos von Botenlauben auch der der vormaligen Herrschaft Joscelins III. von Edessa im Umland der Stadt (1220). Zudem erwarb man die Burg Montfort (1220), die Herrschaften Toron (1229) und Schuf (1257) und die Burg Toron Ahmud in der Herrschaft Banyas (1261).

Dennoch zeichnete sich ein Ende der Kreuzfahrerherrschaft im Heiligen Lande ab. Das von Kaiser Friedrich II. 1229 auf friedlichem Wege erworbene Jerusalem fiel 1244 endgültig. Nach dem Sieg der ägyptischen Mamelucken über die bis dahin als unbesiegbar geltenden Mongolenheere des Ilchanats in der Schlacht von Ain Djalut im Jahre 1260 brachten Mamelukenstreitkräfte die Bastionen der Kreuzfahrer immer mehr in Bedrängnis. Die verbliebenen Festungen der Ritterorden wurden in den folgenden Jahrzehnten systematisch erobert. Mit dem Fall von Akkon 1291 zeichnete sich schließlich ein Ende der „Gewappneten Züge zum Grabe (Christi)“ ab. Beim Endkampf zu Akkon nahm ein bedeutendes Kontingent von Deutschordensrittern teil. Geführt wurde es bis zu dessen abruptem Rücktritt vom Hochmeister Burchard von Schwanden, anschließend vom Kriegskomtur Heinrich von Bouland.

Mit dem endgültigen Verlust Akkons endete im Jahr 1291 das militärische Engagement des Deutschen Ordens im Heiligen Land. Anders als bei den multinational ausgerichteten Johannitern und Templern konzentrierte sich die Präsenz des Deutschen Ordens anschließend innerhalb der Grenzen des Reiches sowie in den neuerworbenen Stützpunkten in Preußen. Der Hauptsitz des Hochmeisters befand sich aufgrund der vorübergehend fortbestehenden Hoffnung auf eine Wiedereroberung des Heiligen Landes aber noch bis 1309 in Venedig, einem wichtigen Hafen für die Überfahrt ins Heilige Land.

Die Niederlassungen des Deutschen Ordens in Europa um 1300

Königreich Sizilien und Levante

Im Königreich Sizilien und in der Levante entstanden im ersten Viertel des 13. Jahrhunderts einige Ordensniederlassungen. Besonders im Königreich Sizilien wurde nach 1222 im Rahmen der Vorbereitungen des Kreuzzuges Friedrichs II. eine Vielzahl kleinerer Ordenshäuser gegründet, deren wichtigste die schon ältere Kommende in Barletta sowie die Häuser zu Palermo und Brindisi waren. Auch in Griechenland, an der Westküste der Peloponnes, bestanden vereinzelte Niederlassungen, die in erster Linie der Versorgung der Pilger auf dem Weg ins Heilige Land und auf dem Rückweg dienten.

Gescheiterte Staatsbildung in Siebenbürgen

Ruine der Deutschordensfestung Marienburg über Feldioara in Rumänien

Hochmeister Hermann von Salza scheint angesichts der zersplitterten Besitzungen schon frühzeitig die Errichtung eines zusammenhängenden, vom Deutschen Orden dominierten Territoriums angestrebt zu haben. Vor diesem Hintergrund ist zu verstehen, dass er 1211 bereitwillig ein Hilfeersuchen des Königreichs Ungarn annahm, zu einem Zeitpunkt also, da die verfügbaren Ordenskräfte eigentlich zum Zwecke der Befreiung des Grabes in Outremer gebunden waren. Andreas II. von Ungarn bot dem Orden an, durch Kriegsdienste gegen die Kumanen ein Heimatrecht im Burzenland in Siebenbürgen zu erwerben. Wichtige kirchliche Abgaben, darunter das Zehntrecht, gestand der König dem Orden ebenfalls zu. Überdies war ihm gestattet, Münzen zu prägen sowie seine Burgen mit Steinen zu befestigen. Letzteres galt in Ungarn als besonderes Privileg.

Die Beziehungen Ungarns zum Deutschen Orden trübten sich jedoch alsbald nachhaltig ein. Im Land wuchsen antideutsche Ressentiments, was 1213 auch zum Tod von Gertrud von Andechs führte. Die Königin war deutschstämmige Gattin von Andreas II. 1223 erteilte Papst Honorius III. dem Orden in Form einer Bulle ein Exemtionsprivileg, das sich ausdrücklich auf das Burzenland bezog. Seine Umsetzung hätte die letzten legislativen Bindungen Ungarns an das von ihm beanspruchte Territorium de facto aufgehoben. Der ungarische Adel drängte den König daher massiv zum Widerstand gegen den Orden.

Auf Anraten Hermanns von Salza versuchte der Papst 1224, das im Vorjahr verbriefte Privileg administrativ durchzusetzen. Zu diesem Zwecke unterstellte er das Burzenland kurzerhand dem Schutz des Apostolischen Stuhles. Damit sollte der unmittelbar papstunterstellte Deutsche Orden bei der Landnahme und den aufflammenden Feindseligkeiten mit den Ungarn juristisch unterstützt werden. Andreas II. schritt nun militärisch ein. Die zahlenmäßig hoch überlegene ungarische Heeresmacht belagerte und eroberte die wenigen Burgen des Ordens.

Der Versuch des Deutschen Ordens, mit Berufung auf das zugebilligte Heimatrecht und mit aktiver Unterstützung des Papstes ein autonomes Herrschaftsgebiet außerhalb des ungarischen Königreiches aufzubauen, endete 1225 mit der Vertreibung des Ordens und der Vernichtung seiner Burgen.

Die Besitzungen nördlich der Alpen

Die Ordensballeien im Reich

Eine der bedeutendsten vom Orden übernommenen karitativen Einrichtungen war das von der Ländgräfin Elisabeth von Thüringen in Marburg gegründete Hospital. Es wurde nach ihrem Tod im Jahre 1231 durch den Orden weitergeführt und ausgebaut. Mit der Heiligsprechung Elisabeths 1235 erlangten dieses Spital sowie seine Betreiber eine besondere spirituelle Bedeutung. Die sich für den Orden ergebende Reputation stieg noch, als die Heilige im Frühjahr 1236 unter persönlicher Beteiligung des Kaisers Friedrich II. umgebettet wurde.

Ab den zwanziger Jahren des 13. Jahrhunderts wurden die einzelnen Kommenden zu regional gegliederten Balleien zusammengefasst. So entstanden 1222 die Kammerballei Böhmen und Mähren, 1236 die Ballei Thüringen sowie 1237 die Ballei Marburg. Später folgten Lothringen (1246), Koblenz (1256), Franken (1268) und Westfalen (1287). Diese Besitzungen unterstanden wie die Balleien Österreich und Elsass-Burgund dem Deutschmeister. Des Weiteren entwickelte der Orden im Baltikum ein eigenes Staatswesen.

Der Staat des Deutschen Ordens

Konzentration auf Baltikum und Ostkolonisation

Erwerbungen des Deutschen Ordens in Preußen und des 1237 mit ihm vereinigten Schwertbrüderordens in Kurland und Livland bis 1260; bei den schraffierten Gebieten handelt es sich um die umkämpften Territorien in Preußen und Schamaiten

Die Geschichte des Ordens zwischen 1230 und 1525 ist eng mit dem Schicksal des Ordensstaates verknüpft, aus dem später Ostpreußen, Lettland und Estland hervorgingen.

Ein zweiter Versuch des Landerwerbs war erfolgreich in einer Region, die dem statuierten Missionierungsgebot des Ritterordens eine weitreichende Perspektive bot, dem Baltikum. Schon 1224 hatte Kaiser Friedrich II. in Catania die heidnischen Einwohner des Prußenlandes östlich der Weichsel und der Nachbargebiete als Reichsfreie der Kirche und dem Kaiserreich direkt unterstellt. Als päpstlicher Legat für Livland und Preußen bestätigte Wilhelm von Modena diesen Schritt noch im selben Jahr.

1226 rief der polnische Herzog aus dem Geschlecht der Piasten, Konrad I. von Masowien, den Deutschen Orden zu Hilfe in seinem Kampf gegen die Prußen um das Kulmerland. Nach den misslichen Erfahrungen mit Ungarn sicherte sich der Deutsche Orden diesmal juristisch ab. Er ließ sich von Kaiser Friedrich II. mit der Goldenen Bulle von Rimini und von Papst Gregor IX. mit der Bulle von Rieti garantieren, dass nach der Unterwerfung und Missionierung des Baltikums, also der Prußen, das eroberte Land an den Orden fallen sollte. Auf sein Drängen erhielt der Orden zudem die Zusicherung, man werde als Souverän dieses Gebietes nur dem Papst, aber keinem weltlichen Lehnsherrn unterstehen. Konrad I. von Masowien überließ dem Orden nach längerem Zögern 1230 im Vertrag von Kruschwitz „auf ewige Zeit“ das Kulmerland. Der Deutsche Orden betrachtete diesen Vertrag als Instrument zur Schaffung eines selbstständigen Herrschaftsgebietes in Preußen. Sein Wortlaut und seine Echtheit wurden von einigen Historikern in Zweifel gezogen.

1231 überschritt Landmeister Hermann von Balk mit sieben Ordensrittern und ungefähr 700 Mann die Weichsel. Er errichtete noch im selben Jahr im Kulmerland eine erste Burg, Thorn. Von hier aus begann der Deutsche Orden die schrittweise Eroberung des Territoriums nördlich der Weichsel. Die Eroberung ging einher mit zielgerichteter Besiedlung, wobei den vom Orden begründeten Ansiedlungen zumeist das in der Kulmer Handfeste verbriefte Recht verliehen wurde. Unterstützt wurde der Orden in den ersten Jahren von Truppen Konrads von Masowien sowie der anderen polnischen Teilfürsten und von Kreuzfahrerheeren aus dem Reich und vielen Ländern Westeuropas. Papst Gregor IX. gewährte den Teilnehmern am Kriegszug gegen die Prußen die für einen Kreuzzug ins Heilige Land üblichen Satisfaktionen, so eine umfassende Sündenvergebung und weitere Heilsversprechungen.

1234 wurden die verbliebenen Ritter des Ordens der „Brüder von Dobrin(fratribus militiae Christi in Prussia) in den Deutschen Orden eingegliedert. Der Orden war 1228 auf Initiative Konrads zum Schutz des masowischen Kernlands gegründet worden, konnte sich aber militärisch nicht gegen die Prußen durchsetzen.

Der 1202 in Riga gegründete Schwertbrüderorden (Ornat: weißer Mantel mit rotem Kreuz) erlitt 1236 in der Schlacht von Schaulen eine vernichtende Niederlage gegen schamaitische Litauer sowie Semgaller. Daraufhin handelte Hermann von Salza persönlich mit der Kurie die Union von Viterbo aus, als deren Ergebnis Deutscher Orden und Schwertbrüderorden vereinigt wurden. So erwarb man mit den livländischen Kommenden ein zweites Kernland, das sogenannte Meistertum Livland, wo nach dem Muster Preußens das bereits bestehende System von Burgen (sogenannte feste Häuser) ausgebaut wurde.

Die nachhaltige Expansion der Livländischen Union nach Osten endete am Fluss Narva. Nachdem 1240 Pskow vorübergehend besetzt werden konnte, kam es zu ständigen Gefechten zwischen Rittern des Livländischen Ordenszweiges sowie Gefolgsleuten der livländischen Bischöfe und russischen Abteilungen. Diese gipfelten im April 1242 in der Schlacht auf dem zugefrorenen Peipussee, deren genauer Verlauf und Umfang unter Historikern umstritten ist. Ein russisches Aufgebot unter Alexander Newski, dem Fürsten von Nowgorod, schlug hier eine größere Heeresabteilung unter Hermann von Buxthoeven, dem Bischof von Dorpat. Im Sommer 1242 wurde ein Friedensvertrag geschlossen. Er fixierte faktisch für mehr als 150 Jahre die jeweiligen Einflusssphären.

Die Unterwerfung des Siedlungsgebietes der Prußen ging einher mit Christianisierung und deutscher Besiedlung des Landes. Dieses Unterfangen beschäftigte den Orden mehr als 50 Jahre lang und wurde nach schweren Rückschlägen, wie verschiedenen Aufständen der Prußen, erst 1285 abgeschlossen. Die ursprünglich legitimierende Zielsetzung der sogenannten Heidenmission behielt man auch nach der Missionierung Preußens bei.

Strukturelle und ökonomische Rationalität

Der Orden schuf sich ein Herrschaftsgebiet, dessen organisatorische Strukturen und Modernität im Wirtschaftsdenken im Reich bestenfalls von Nürnberg erreicht wurden, und die in vielerlei Hinsicht an die fortgeschrittensten Staatswesen in Oberitalien erinnerten. Er war bereits in seiner nominellen Eigenschaft als Landesherr ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, zog aber darüber hinaus durch seine effizienten, von Wirtschaftsplanung und -rationalität bestimmten Strukturen größeren Gewinn aus dem Land. Er wurde einziges nichtstädtisches Mitglied der Hanse. Als ressourcenreicher Anrainer des durch den Städtebund der Hanse florierenden baltischen Wirtschaftsraumes eröffneten sich damit neue Handelsmöglichkeiten und erweiterte Handlungsräume.

Der Ordensstaat war in wirtschaftlicher und administrativer Hinsicht eines der modernsten und wohlhabendsten Gemeinwesen, vergleicht man ihn mit den Flächenstaaten des Großraums.[46][47] Weitreichende Innovationen in der Landwirtschaft sowie pragmatische Neuerungen im Bereich der handwerklichen Produktion in Verbindung mit effizienter Verwaltung und einer hoch entwickelten Geldwirtschaft kennzeichnen eine gegenüber dem traditionellen Lehnswesen überlegene Organisationsstruktur. Fördernd wirkte hierbei der nach 1282 forcierte Ausbau der verkehrstechnischen Infrastruktur und die Perfektionierung des Nachrichtenwesens.

Litauerkriege und Blütezeit (1303 bis 1410)

Die Besitzungen, Hauptsitze und Erwerbungen des Deutschen Ordens in Preußen und der Livländischen Union bis zum Jahre 1410

Der Hochmeister hatte seinen Hauptsitz in Akkon, bis 1291 dieser letzte Kreuzfahrerstützpunkt verloren ging. Konrad von Feuchtwangen residierte daher in Venedig, traditionell ein wichtiger Hafen für die Einschiffung nach Outremer. 1309 verlegte Hochmeister Siegfried von Feuchtwangen seinen Sitz in die Marienburg an der Nogat. Preußen war damit zum Zentrum des Ordens geworden. In dieser Zeit wurde der Templerorden durch König Philipp IV. von Frankreich verfolgt, den der willfährige Papst Clemens V. unterstützte. Die Ritterorden standen in der ersten Dekade des 14. Jahrhunderts aufgrund des Verlustes des Heiligen Landes im Mittelpunkt der allgemeinen Kritik. So erschien es ratsam, den Sitz des Hochmeisters in das Zentrum der eigenen territorialen Machtbasis zu verlegen.

Die Inbesitznahme Danzigs und Pommerellens im Jahr 1308 erfolgte durch militärisches Vorgehen gegen polnische Herzogtümer und auf Grundlage des Vertrages von Soldin mit der Markgrafschaft Brandenburg. In Polen wuchsen nicht zuletzt aufgrund dieser Ereignisse Ressentiments gegen den Orden und auch gegen in Polen ansässige Deutsche. 1312 wurde in Krakau der Aufstand des Vogtes Albert niedergeschlagen und die Deutschen vertrieben. Das durch Territorialherrschaften zersplitterte Polen der Piastenzeit konnte in den folgenden Jahren von Władysław I. Ellenlang wieder als Königreich Polen konsolidiert werden. Dabei vertrat besonders Erzbischof Jakub Świnka von Gnesen eine Politik der Abgrenzung gegenüber den Deutschen. Die infolge des Verlustes Pommerellens und Danzigs erwachsenen Konflikte zwischen dem Orden und lokalen polnischen Machthabern sowie einem vorerst politisch schwachen Königtum weiteten sich in der Folge zu einer Dauerfehde aus. Auch der Friedensvertrag von Kalisz, in dem Polen 1343 offiziell auf Pommerellen und Danzig verzichtete, erbrachte langfristig gesehen keine Entspannung zwischen dem Orden und Polen.

Vertrag des Deutschen Ordens mit der dänischen Königin Margarethe I. über die Rückgabe Gotlands

Mit Litauen im Südosten stieg zudem allmählich ein Großfürstentum auf, gegen das der Orden aus ideologischen und territorialen Gründen in einen ständigen Krieg verwickelt wurde. Die Litauerkriege des Deutschen Ordens dauerten von 1303 bis 1410 über ein Jahrhundert an. Da dieses östliche Großfürstentum die Taufe vehement ablehnte, galten die Litauer offiziell als Heiden. Die stete Betonung der Heidenmissionierung kaschierte nur unzureichend die territorialen Interessen des Ordens namentlich in Schamaiten (Niederlitauen). Durch andauernde Unterstützung adliger Preußenfahrer wurde der Krieg durch viele kleinere Feldzüge nach Litauen getragen. Die Großfürsten von Litauen gingen ihrerseits ebenso vor und stießen wiederholt auf preußisches und livländisches Gebiet vor. Ein Höhepunkt der Kriege war die Schlacht bei Rudau im Jahre 1370. Nördlich von Königsberg besiegte ein Heer des Ordens unter Befehl des Hochmeisters Winrich von Kniprode und des Ordensmarschalls eine litauische Streitmacht. Dessen ungeachtet konnte das weit nach Osten ausgedehnte Litauen niemals nachhaltig bezwungen werden. Als Ursache dieses erfolgreichen Widerstandes wird die zahlenmäßige Stärke der Litauer im Vergleich mit anderen vom Orden unterworfenen Ethnien wie den Prußen, Kuren und Esten, sowie deren effektive politische Organisation angesehen.

Hochmeister Winrich von Kniprode führte den Ordensstaat und somit den Orden zu seiner größten Blüte. Eine konsolidierte Wirtschaft und nachhaltige militärische Erfolge gegen Litauen erwiesen sich als Schlüssel zum Erfolg. Dem Orden als Gesamtheit gehörten zum Ende des 14. Jahrhundert um die 3000 Ritter an.[51] Unter Konrad von Jungingen wurde mit der Eroberung von Gotland, dem friedlichen Erwerb der Neumark und Samaitens die größte Ausdehnung des Ordens erreicht. Die Eroberung Gotlands 1398 bezweckte die Zerschlagung der dort lagernden Vitalienbrüder. Das bedeutete die Befreiung von der zur Plage gewordenen Piraterie innerhalb der hansischen Hauptrouten auf der östlichen Ostsee. Der Orden hielt Gotland in der Folge als Faustpfand militärisch besetzt. Erst 1408 gelang ein Ausgleich mit dem ebenfalls am Besitz der Insel interessierten Königreich Dänemark. Margarethe I. von Dänemark zahlte 9000 Nobel, also etwa 63 Kilogramm Gold.[52] Die Einigung kam allerdings unter dem Aspekt der sich abzeichnenden Eskalation des Konfliktes mit dem Königreich Polen und dem Großfürstentum Litauen zustande.

Darstellung der Schlacht bei Tannenberg in der Berner Chronik von Diebold Schilling dem Älteren um 1483

1386 hatten sich durch die Heirat von Großfürst Jogaila mit Königin Hedwig von Polen die beiden Hauptgegner des Ordens vereint. Anfang August 1409 übersandte der Hochmeister Ulrich von Jungingen seinen Kontrahenten die „Fehdebriefe“, womit er den Krieg erklärte.

Am 15. Juli 1410 schlug eine vereinigte polnisch–litauische Streitmacht das durch preußische Landesaufgebote, Gastritter aus vielen Teilen Westeuropas sowie mit Söldnerabteilungen ergänzte Heer des Ordens in der Schlacht bei Tannenberg vernichtend. Auch der Hochmeister Ulrich von Jungingen fand neben fast allen Ordensgebietern und vielen Ordensrittern den Tod.

Den Kern seiner preußischen Territorien samt der Marienburg konnte der Orden durch den Einsatz des Komturs und späteren Hochmeisters Heinrich von Plauen erhalten und im Ersten Frieden von Thorn von 1411 behaupten. Mit diesem Friedensvertrag sowie dessen Ergänzung im Frieden von Melnosee 1422 endeten auch die über hundert Jahre offensiv ausgetragenen Kriegszüge der bei Tannenberg nachhaltig geschwächten Ordensstreitmacht gegen Litauen sowie gegen die spätere Personalunion Polen-Litauen. Allerdings waren im Frieden von Thorn hohe Kontributionen in Höhe von 100.000 Schock böhmische Groschen unter anderem für die Auslösung von Gefangenen, zu leisten. Die Kontributionen führten zur Einführung einer Sondersteuer, dem sogenannten Schoss, was zu einer bisher unüblich hohen Steuerbelastung der Preußischen Stände beitrug.

Niedergang und Auflösung (1410 bis 1525)

Das nach dem 2. Frieden von Thorn 1466 verbliebene Ordensland Preußen sowie das Meistertum Livland; das Grün dargestellte Ermland hatte neben Danzig faktisch einen souveränen Status inne

Schon gegen Ende des 14. Jahrhunderts zeichnete sich eine für den Orden und seinen Staat destruktive Entwicklung ab. Während das europäische Rittertum im Spätmittelalter verfiel, wurde der „Kampf für das Kreuz“ zunehmend verklärt und stand für ein Ideal, welches in der damaligen Realität kaum noch Bestand hatte.

Der Adel reduzierte die Ritterorden zunehmend zur sicheren Versorgungsbasis nicht erbberechtigter Nachkommen. Entsprechend sank die Motivation der Ritterschaft. Alltägliche Aufgaben in Verwaltung oder Administration des Deutschen Ordens wurden nun als lästige Pflichten wahrgenommen. Zu dieser Sichtweise trug die konservative Liturgie des Ordens bei. Der Tagesablauf in Friedenszeiten war minutiös geregelt. Die Inhalte eines geistlichen Ritterordens mit Missionierungscharakter hatten sich demgegenüber weitgehend überlebt. Zudem wurde dem Orden auf Betreiben des Königs von Polen auf dem Konzil von Konstanz (1414–1418) eine weitere Missionierungstätigkeit im nun offiziell christlichen Litauen förmlich untersagt.

In der Krise infolge der schweren Niederlage von 1410 weiteten sich die Missstände aus. Interne Streitigkeiten schwächten sowohl den Orden selbst, als auch in der Folge den Ordensstaat. Landsmannschaftliche Gruppen stritten um Einfluss im Orden, der Deutschmeister strebte nach Unabhängigkeit vom Hochmeister.[56] Die Städte Preußens und der im Eidechsenbund zusammengeschlossene Kulmer Landadel forderten aufgrund der hohen Besteuerung Mitbestimmung und schlossen sich 1440 im Preußischen Bund zusammen. Hochmeister Ludwig von Erlichshausen verschärfte durch seine Forderungen an die Stände den Konflikt. Kaiser Friedrich III. stellte sich Ende 1453 auf die Seite des Ordens. Anlässlich der Hochzeit von König Kasimir IV. von Polen mit Elisabeth von Habsburg ging der Preußische Bund Anfang 1454 ein Bündnis mit Polen ein und rebellierte offen gegen die Ordensherrschaft.

Daraufhin brach ein Dreizehnjähriger Krieg aus, der durch Belagerungen und Raubzüge gekennzeichnet war, kaum jedoch durch offene Feldschlachten. Bereits im September 1454 unterlagen die polnischen Truppen in der Schlacht von Konitz und unterstützten den preußischen Aufstand in der Folge nur noch marginal. Schließlich kam es aufgrund allgemeiner Erschöpfung zu einer Pattsituation. Der Orden konnte seine Söldner nicht mehr entlohnen und musste aus diesem Grunde sogar sein Haupthaus, die Marienburg, aufgeben. Die Burg wurde den unbezahlten Söldnern verpfändet, die sie umgehend an den König von Polen verkauften. Letztlich gab so die höhere Finanzkraft der aufständischen Städte, darunter insbesondere Danzigs, den Ausschlag.

Im Zweiten Frieden von Thorn verlor der Orden 1466 nun auch de jure Pommerellen, das Kulmerland und die Marienburg. Er musste für sich als Gesamtheit die polnische Lehnshoheit anerkennen, was fortan allerdings jeder neu ernannte Hochmeister durch Herauszögerung oder gar Nichterbringung des Lehnseides zu vermeiden suchte. Ein großer Teil der preußischen Städte und Gebiete im Westen konnte sich infolge des II. Thorner Kontraktes von der Ordensherrschaft lösen.

Zum Erhalt des territorial geschrumpften Ordensstaates wurden nun Subventionen aus den Balleien des Reiches benötigt, die viele der dortigen Kommenden in eine schwierige finanzielle Lage brachten. Deutschmeister Ulrich von Lentersheim versuchte sich dieser Pflichten zu entbinden, erbat in der Folge eigenmächtig Unterstützung des Kaisers und unterstellte sich zu diesem Zweck 1494 der Lehnshoheit Maximilians I.. Dieses Vorgehen widersprach allerdings den Verträgen von Kujawisch Brest und Thorn mit Polen, was Proteste seitens des preußischen Ordenszweiges und besonders des Königreiches Polen zur Folge hatte.

Wie im Reich breitete sich die Reformation schnell auch im Ordensstaat aus. Auf Rat Martin Luthers entschied sich Hochmeister Albrecht I. von Brandenburg-Ansbach, den Orden zu säkularisieren und den König von Polen, Sigismund I., als weltlichen Souverän anzuerkennen. Albrecht ersuchte im Vorfeld lange vergeblich im Reich sowie in Dänemark um Unterstützung. Der sogenannte Reiterkrieg mit dem Ziel, Unabhängigkeit vom Polenkönig zu erlangen, blieb ohne Entscheidung. Somit gab Albrecht das Hochmeisteramt auf, um seinem Onkel Sigismund I. einen persönlichen Lehnseid zu leisten. Der Ordensstaat wurde in das weltliche Herzogtum Preußen umgewandelt. Albrecht residierte ab dem 9. Mai 1525 als Herzog Albrecht I. in Königsberg.

Zeit nach der Reformation

Die Reichskammern des Heiligen Römischen Reiches erkannten zwar das weltliche Herzogtum Preußen nicht an, setzten aber bis zum Ende des 17. Jahrhunderts Administratoren für Preußen ein.

Der Ordenszweig im Reich fand sich mit der Umwandlung „seines“ Ordensstaates Preußen in ein weltliches Herzogtum nicht ab. Ein hastig einberufenes Generalkapitel setzte den bisherigen Deutschmeister Walther von Cronberg als neuen Hochmeister ein. Vom Kaiser erhielt er 1527 die Berechtigung, sich Administrator des Hochmeistertums zu nennen und damit den Besitzanspruch auf Preußen aufrechtzuerhalten. Erst 1530 erlaubte ein kaiserliches Dekret Cronberg, sich nun auch Hochmeister zu nennen. Aus dieser Bezeichnung entstand später der Kurztitel Hoch- und Deutschmeister. Cronberg wurde gleichzeitig zum Administrator Preußens ausgerufen und auf dem kaiserlichen Reichstag zu Augsburg im Jahr 1530 durch Kaiser Karl V. mit dem Preußenland belehnt.

Anschließend verklagte Cronberg seinen ehemaligen Hochmeister, Herzog Albrecht, vor dem Reichskammergericht. Der Prozess endete 1531 mit der Verhängung der kaiserlichen Reichsacht gegen Herzog Albrecht sowie der Weisung an Albrecht und den Preußischen Bund, dem Orden die angestammten Rechte in Preußen wieder einzuräumen.

Trotz aller Maßnahmen des Ordenzweiges im Reich und der kaiserlichen Kammern erhielt Preußen mit Ausnahme des Ermlandes eine lutherische Landeskirche. 1561 wurde Livland zum weltlichen Herzogtum unter dem ehemaligen Landmeister, Herzog Gotthard von Kettler. Livland und das südliche Estland unterstellten sich angesichts der russischen Bedrohung polnischer Lehnshoheit, während das nördliche Estland mit Reval vorerst unter schwedischer Oberhoheit kam. Die Herzogtümer Preußen und Livland unterstanden nun der polnischen Lehnshoheit.

Nach dem Ende des Großen Nordischen Krieges wurde Livland als Ganzes mit Riga und Estland 1721 dem Russischen Reich in Form der sogenannten Ostseegouvernements eingegliedert.

Der Orden im Reich

Nach 1525 beschränkte sich das Wirkungsfeld des Deutschen Ordens auf seine Besitzungen im Deutschen Reich. Seit der Reformation war der Orden trikonfessionell; es existierten katholische, lutherische und reformierte Balleien.

Nach dem Verlust seiner preußischen Besitzungen gelang dem Orden unter Walther von Cronberg eine äußere und innerer Konsolidierung. Auf dem Frankfurter Generalkapitel 1529 wurde die Cronbergsche Konstitutionerlassen, das zukünftige Verfassungsgesetz der Adelskorporation. Residenz des Ordensoberhauptes und zugleich Sitz der Zentralbehörden der dem Hochmeister unmittelbar unterstellten Gebiete wurde Mergentheim.

Außerhalb dieser sich den neuen Bedingungen anpassenden Territorialherrschaft entwickelten sich die von den Landkomturen geführten Balleien zu weitgehend selbständigen Gebilden. Einige von ihnen hatten den Rang von Reichsständen und rangierten innerhalb der Matrikel in der Gruppe der Prälaten. Oft gerieten sie in die Abhängigkeit benachbarter Adelsfamilien, die ihre Söhne in den Orden entsandten. In Thüringen, Sachsen, Hessen und Utrecht, wo sich die neue Lehre fest etabliert hatte, gab es auch lutherische und reformierte Ordensbrüder, die sich – dem korporativen Denken des Adels folgend – dem Hochmeister gegenüber loyal verhielten, auch im Zölibat lebten und nur die Gelübdeformel durch einen Eid ersetzten.

Nach 1590 wählte man den Hoch- und Deutschmeister aus führenden Geschlechtern katholischer Territorialstaaten, vor allem aus dem Haus Habsburg. Dies schuf neue familiäre und politische Querverbindungen zum deutschen Hochadel, ließ den Orden aber auch mehr und mehr zu einem Instrument habsburgischer Hausmachtpolitik werden.

 

Vor diesem Hintergrund begann im Laufe des 16. Jahrhunderts eine innere Erneuerung des Ordens. Er sah sich gezwungen, seine Position neu zu definieren und die Bestimmungen der Ordensregel den veränderten Verhältnissen anzupassen. Eine katholisch geprägte Reform des Ordens führte zu einer Rückbesinnung auf seine ursprünglich geistliche Verpflichtung. Im Verlauf des 16. Jahrhunderts hatte das eher auf Exklusivität drängende Standesdenken des Adels die Bedeutung der zumeist nichtadligen Priesterbrüder zurückgedrängt. Im Generalkapitel verfügten sie in der Neuzeit weder über Sitz noch Stimme. Die Seelsorge in den Kommenden lag oft in den Händen von Angehörigen anderer geistlicher Orden. Seitdem Laien mit juristischer Ausbildung in den Kanzleien des Ordens arbeiteten, fiel auch diese Betätigung für Priesterbrüder weg. Infolgedessen war ihre Zahl stark gesunken.

Die Ordensleitung folgte den Forderungen des Konzils von Trient und beschloss, neue Priesterseminare zu stiften. Das geschah 1574 in Köln sowie 1606 in Mergentheim. Gründer des letzteren Seminars war Hochmeister Erzherzog Maximilian von Österreich, auf dessen Initiative auch Tirol katholisch blieb. Externe Ordensniederlassungen in evangelischen Gebieten spielten bei der Seelsorge für durchreisende Katholiken oder für die wenigen dort verbliebenen Altgläubigen eine wichtige Rolle. In einigen Kommenden kam zudem erneut der Gedanke der Hospitalsbruderschaft auf. Der Orden errichtete unter anderem 1568 ein Spital in Sachsenhausen bei Frankfurt am Main.

 

Als wichtigste Aufgabe betrachtete der noch immer vom Adel und dessen Wertvorstellungen geprägte Orden jedoch den kriegerischen Einsatz der Ritterbrüder, die sich seit dem 17. Jahrhundert nach italienischem Vorbild auch Cavalliere nannten. Einer satzungsgerechten Verteidigung des christlichen Glaubens boten die seit dem 16. Jahrhundert eskalierenden Türkenkriege ein umfangreiches Betätigungsfeld. Trotz finanzieller Notlagen leistete der Orden auf diese Weise erhebliche Beiträge für die – im Sprachgebrauch der Zeit so genannte – Verteidigung des Abendlandes gegen das Osmanische Reich. Professritter dienten zumeist als Offiziere in Regimentern von katholischen Reichsfürsten und in der kaiserlichen Armee. Alle tauglichen jungen Ritterbrüder hatten ein sogenanntes exercitium militare abzuleisten. Sie dienten für den Zeitraum von drei Jahren im Offiziersrang in den durch Kriegszüge besonders gefährdeten Grenzfestungen, ehe sie weiterführende Ordensämter übernehmen durften.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg begann in den Kommenden des Ordens eine rege Bautätigkeit. Schlösser, oft verbunden mit bemerkenswerten Schlosskirchen, und repräsentative Kommendenhäuser wurden errichtet. Solche Bauten entstanden in Ellingen, Nürnberg, Sachsenhausen, Altshausen, Beuggen, Altenbiesen und an vielen anderen Orten. Daneben entstanden zahlreiche neue, reich ausgestattete Dorf- und Stadtkirchen sowie profane Zweckbauten.

Territoriale Verluste und Umstrukturierungen im 19. und 20. Jahrhundert

Südportal der gotischen Leechkirche in Graz

Die Koalitionskriege in Folge der Französischen Revolution während des ausgehenden 18. Jahrhunderts waren Ursache für eine weitere große Krise des Ordens. Mit der Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich gingen die Balleien Elsass und Lothringen vollständig, Koblenz und Biesen zu großen Teil verloren. Der Frieden von Pressburg mit Frankreich nach der schweren Niederlage der österreichisch-russischen Koalition bei Austerlitz gegen Napoléon 1805 verfügte, dass die Besitzungen des Deutschen Ordens und das Amt des Hoch- und Deutschmeisters erblich an das Haus Österreich, also Habsburg, übergehen sollten.  Das Amt des Hochmeisters und mit ihm der Orden wurden in die Souveränität des Kaiserreichs Österreich integriert. Kaiser Franz I. von Österreich ließ den nominellen Status des Ordens jedoch weiterhin bestehen. Hochmeister war zu diesem Zeitpunkt sein Bruder Anton Viktor von Österreich.

Der nächste Schlag erfolgte mit dem Ausbruch eines neuen kriegerischen Konfliktes im Frühjahr 1809. Am 24. April erklärte Napoléon nach dem Einmarsch der Österreicher in das Königreich Bayern infolge des Fünften Koalitionskrieges den Orden in den Rheinbundstaaten für aufgelöst. Der Ordensbesitz wurde an die Fürsten des Rheinbundes abgetreten. Napoléon bezweckte auf diesem Wege, den Kriegseinsatz seiner Verbündeten im Krieg gegen die Koalition materiell zu entschädigen sowie die Fürsten somit enger an das französische Kaiserreich zu binden. Dem Orden verblieben jetzt nur noch die Besitzungen in Schlesien und Böhmen sowie die Ballei Österreich mit Ausnahme der an die illyrischen Provinzen abgetretenen Kommenden um Krain. Die Ballei An der Etsch in Tirol war an die französischen Vasallen-Königreiche Bayern und das 1805 aus der Cisalpinischen Republik Napoléons 1805 hervorgegangene Königreich in Nordostitalien gefallen.

Zwar fielen infolge der Ergebnisse des Wiener Kongresses 1815 die Balleien Krain und Tirol zu Österreich und somit in den Verfügungsbereich des Ordens; Eine Wiederherstellung der vollen Souveränität des Ordens war aber angesichts der nun unzureichenden Vermögenswerte nicht mehr möglich.

Durch die Säkularisation im frühen 19. Jahrhundert verlor der Orden seine meisten Gebiete, obwohl er im Reichsdeputationshauptschluss noch als Souverän anerkannt wurde. Aber schon 1805 wurde in Artikel XII des Friedens von Pressburg 1805 festgelegt, dass „Die Würde eines Großmeisters des deutschen Ordens, die Gerechtsame, Domainen und Einkunfte … demjenigen Prinzen des kaiserlichen Hauses, welches Se. Majestät der Kaiser von Deutschland und Oesterreich ernennen wird, in der Person und in gerader männlicher Linie nach dem Erstgeburtsrechte erblich überlassen werden“ sollten. Dieser war damit jedoch ein Teil Österreichs geworden. 1834 verzichtete Franz I. erneut auf alle Rechte aus dem Pressburger Frieden und setzte den Orden wieder in seine alten Rechte und Pflichten ein, der Orden wurde durch Kabinettsorder juristisch zu einem selbstständigen geistlichen Institut deklariert. Es bestanden nur noch die Ballei Österreich, das Meistertum in Böhmen und Mähren und eine kleine Ballei in Bozen.

Nach dem Untergang der Donaumonarchie in der Folge des Ersten Weltkrieges wurde der Orden in den Nachfolgestaaten der Vielvölkermonarchie zunächst als Kaiserlich Habsburger Ehrenorden betrachtet. Deshalb erwogen die verantwortlichen Behörden eine Beschlagnahmung des Ordensvermögens als nominelles Eigentum des Habsburger Kaiserhauses. Aus diesem Grund verzichtete Hochmeister Erzherzog Eugen von Österreich-Teschen 1923 auf sein Amt. Er ließ den Ordenspriester und Bischof von Brünn Norbert Johann Klein zum Koadjutor wählen und dankte gleichzeitig ab. Diese Zäsur erwies sich als erfolgreich: Bis Ende 1927 erkannten die Nachfolgestaaten der Donaumonarchie den Deutschen Orden als geistlichen Orden an. Der Orden umfasste noch die vier Balleien (später Provinzen genannt) im Königreich Italien, in der Tschechoslowakischen Republik, in der Republik Österreich und im Königreich Jugoslawien.

Am 6. September 1938 erließ die nationalsozialistische deutsche Reichsregierung ein Dekret zur Auflösung des Deutschen Ordens. Im selben Jahr wurde der Deutsche Orden infolge dieses Dekretes im an das Deutsche Reich als Ostmark angegliederten Österreich aufgelöst. 1939 kam das gleiche Edikt in der vom Deutschen Reich annektierten Rest-Tschechei, dem Reichsprotektorat Böhmen und Mähren, zur Anwendung. Im italienischen Südtirol gab es bis 1945 ideologisch begründete Übergriffe örtlich ansässiger Faschisten auf Einrichtungen und Mitglieder.

Im Königreich Jugoslawien wurde der Orden in den zwanziger und dreißiger Jahren geduldet. Im Zweiten Weltkrieg dienten seine zumeist im slowenischen Gebiet angesiedelten Besitzungen als Lazarett. Nach 1945 wurden Mitglieder des Deutschen Ordens in der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien nicht zuletzt infolge des Namens aufgrund der Kriegs- und Nachkriegsereignisse verfolgt. Im Zuge der 1947 hier erfolgenden Aufhebung aller geistlichen Orden säkularisierten die jugoslawischen Staatsorgane das Eigentum des Deutschen Ordens und verwiesen seine Mitglieder des Landes.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Österreich 1947 das Aufhebungsdekret von 1938 staatsrechtlich annulliert und das verbliebene Vermögen dem Orden zurückerstattet.

Auch aus der Tschechoslowakei wurden die Angehörigen des Ordens ausgewiesen. In Darmstadt gründeten diese Ordensmitglieder einen Konvent. Für Ordensschwestern wurde 1953 in Passau, im ehemaligen Augustiner Chorherrenstift St. Nikola ein Mutterhaus geschaffen. 1957 erwarb der Orden in Rom ein Haus als Sitz des Generalprokurators, das zugleich als Pilgerhaus dient. 1970 und 1988 wurden die Ordensregeln – auch in Hinblick auf eine bessere Partizipation der weiblichen Mitglieder – modifiziert.

Der Deutsche Orden in der Gegenwart

Heute ist der Deutsche Orden mit dem offiziellen Titel „Brüder vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem“ ein geistlicher Orden. Aktuell hat er etwa 1000 Mitglieder, davon rund 100 Priester, 200 Schwestern und 700 Familiaren.

Die räumlichen Bezirke des Ordens werden als Provinzen bezeichnet. Sie besitzen eigene Provinzialate, welche man als Regionalverwaltungen des Ordens verstehen kann. Diese befinden sich für Deutschland in Weyarn, für Österreich in Wien, für Südtirol/Italien in Lana, für Slowenien in Ljubljana und für Tschechien und die Slowakei in Opava.

Entsprechend seinem ursprünglichen Ideal, „den hilfsbedürftigen Menschen um Christi willen in selbstloser Liebe zu dienen“, betätigt sich der Orden heute karitativ und im Bildungsbereich. Schwerpunkte bilden die Bereiche Alten- und Behindertenhilfe sowie die Suchthilfe. Daneben unterhält er Gästehäuser in Wien Rom und Gumpoldskirchen. Darüber hinaus sind Ordenspriester als Pfarrer in verschiedenen Pfarreien eingesetzt. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Erforschung der ordenseigenen Geschichte. Seit 1966 gibt der Orden – unter staats- und konfessionsübergreifender Mitarbeit von Autoren – die inzwischen 60-bändige Buchreihe Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens heraus.

Seit 1999 kam es in der Deutschordensprovinz Deutschland infolge von Missmanagement zu eklatanten finanziellen Engpässen, in deren Folge die Provinz im November 2000 ihre Zahlungsunfähigkeit erklären musste. Durch die Einsetzung einer neuen Leitung wurde eine Liquidation der Körperschaft des öffentlichen Rechts im Einvernehmen mit den Gläubigern in letzter Instanz abgewendet.

 

 

Ordensleitung

 

 

 

Hochmeister

 

 

 

 

Generalrat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Generalprokurator

 

Generalsekretär

 

 

Generalökonom

 

Generalassistentin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommission für Liturgie des Deutschen Ordens

 

 

 

 

Kommission für Eigenrecht im Deutschen Orden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                       

 


Quelle:

  • Generalrat: Mitglieder sind neben dem Hochmeister der Generalprokurator, vier aus den Provinzen gewählte Generalräte, der Generalsekretär, der Generalökonom, neben der Generalassistentin eine weitere Repräsentantin der Ordensschwestern, sowie ein Sachverständiger aus dem Familiareninstitut. Alle zur Leitung des Ordens wichtigen Angelegenheiten werden vom Hochmeister mit seinem Rat auf turnusmäßigen Generalratssitzungen beraten und entschieden.
  • Der Generalprokurator in Rom vertritt die Angelegenheiten des Deutschen Ordens beim Heiligen Stuhl.
  • Generalsekretär: Administrativer Bevollmächtigter des Hochmeisters im Tagesgeschäft sowie Stellvertreter des Hochmeisters bei Unpässlichkeit.
  • Generalökonom: Verantwortlich für Finanzen und Logistik.
  • Die Generalassistentin vertritt die Schwestern aller Provinzen im Generalrat. Als Vertreterin des Hochmeisters nimmt sie auch an den Konferenzen und Tagungen der Generaloberinnen teil und bespricht die dabei gefassten Beschlüsse mit dem Hochmeister, der die einzelnen Provinzoberinnen davon in Kenntnis setzt. Die Generalassistentin nimmt nicht die Stelle einer Generaloberin im Sinne des Ordensrechts ein.

Ordenspriester und Laienbrüder

Den ersten Zweig des Ordens bilden die Priester (Abkürzung hinter dem Namen: „OT“ für „Ordo Teutonicus“). Sie legen ein feierliches ewiges Gelübde (Profess) ab, sind als Nachfolger der Ordensritter allein zur Leitung des Ordens berechtigt und vornehmlich in der Pfarrseelsorge tätig. Zu diesem Zweig gehören auch Laienbrüder, die ein einfaches ewiges Gelübde ablegen. Die Konvente sind in fünf Provinzen organisiert

An der Spitze steht jeweils ein Provinzial, der den Titel „Prior“ oder „Landkomtur“ führt.

Ordensschwestern

Den zweiten Zweig bildet die Kongregation der Ordensschwestern. Sie legen die einfachen ewigen Gelübde ab. Innerhalb des Ordens regeln sie ihre Angelegenheiten selbständig und widmen sich der Kranken- und Altenpflege. Sie sind in ebenfalls in fünf Provinzen organisiert

  • Deutschland mit Sitz in Passau
  • Österreich mit Sitz in Friesach
  • Italien mit Sitz in Lana
  • Tschechien (Milosrdné sestry Panny Marie Jeruzalémské Province sester) und Slowakei (Milosrdné sestry Panny Márie Jeruzalemskej Provincia sestier) mit Sitz in Opava
  • Slowenien (Sestre Križniškega Reda (SKR)) mit Sitz in Ljutomer.

Familiaren und Ehrenritter

Den dritten Zweig bildet das Institut der Familiaren (Abkürzung hinter dem Name „FamOT“). Diese legen ein Versprechen (kein Gelübde) auf den Orden ab und regeln innerhalb des Ordens ihre Angelegenheiten ebenfalls selbständig. Bei feierlichen Anlässen tragen sie einen schwarzen Umhang mit dem Wappen des Deutschen Ordens an der linken Seite. Sie gliedern sich in die Balleien

  • Deutschland mit Sitz in Frankfurt am Main und den Komtureien „An Isar, Lech und Donau“, „An der Donau“, „Franken“, „Am Oberrhein“, „An Tauber, Neckar und Bodensee“, „An Rhein und Main“, „An Rhein und Ruhr“, „An Weser und Ems“ und „An Elbe und Ostsee“,
  • Österreich mit der Komturei „An Der Drau“, die Komturei „Am Inn und Hohen Rhein“ gehört seit Februar 2009 zur Ballei An der Etsch und im Gebirge
  • Ad Tiberim (Italien),
  • An der Etsch und im Gebirge (Südtirol),
  • Ballivia in Bohemia, Moravia et Silesia (Tschechien)
  • und die selbständige Komturei „Alden Biesen“ in Belgien.

Bekannte Familiaren sind oder waren beispielsweise Konrad Adenauer, Franz Josef Strauß oder Edmund Stoiber.

Eine besondere Kategorie innerhalb der Familiaren bildet die Klasse der Ehrenritter, die auf zwölf Mitglieder beschränkt ist. Sie tragen einen weißen Mantel mit dem Ordenswappen sowie das Ritterkreuz des Ordens am Halsband. Bekannte Ehrenritter sind zum Beispiel Otto von Habsburg, Kardinal Christoph Schönborn oder Herzog Carl von Württemberg.

Organisatorische Strukturen des Ordens

Zeichen und Ornat

 

Mittelalterlicher Wappenschild des Deutschen Ordens

Die Form des Ordenszeichens wandelte sich im Laufe der Jahrhunderte vom einfachen Balkenkreuz zum schwarzen Tatzenkreuz auf weißem Grund.

Die Kleidung der Mitglieder des Ordens entsprach der jeweiligen Zeit, seit der Gründung des Ordens ist der Weiße Mantel mit dem schwarzen Kreuz auf der rechten Seite (Vom Betrachter aus gesehen) jedoch immer ein Wahrzeichen des Ordens. Neben dem zu feierlichen Anlässen obligaten Mantel gehören zur typischen Ordenskleidung heute für die Geistlichen, die Soutane, Halskreuz und Brustkreuz.

Der Wahlspruch des Ordens lautet: „Helfen, Wehren, Heilen“.

Innere Verfassung

Ursprünglich hatte der Orden für seine militärischen Tätigkeiten die Regeln der Templer, für seine karitativ Tätigen die der Johanniter übernommen. Ab dem 13. Jahrhundert bildete der Orden 1244 von Papst Innozenz IV. bestätigte Regeln aus, die in einem sogenannten „Ordensbuch“ festgehalten wurden. Die älteste erhaltene Abschrift eines Ordensbuches stammt aus dem Jahre 1264. Der Deutsche Orden pflegte ursprünglich eine eigene Form des Ritus der Liturgie. In der Entstehungszeit feierten die Brüder den Gottesdienst nach dem Ritus der Kanoniker vom Heiligen Grab in Jerusalem. Durch eine Approbation Papst Innozenz IV. wurde die Liturgie der Dominikaner im Orden eingeführt. Obwohl im Konzil von Trient die Beibehaltung dieser alten Liturgieform gestattet wurde, setzte sich die Form der Tridentinischen Messe im Orden langsam durch und wurde 1624 endgültig übernommen. Seitdem gilt auch im Deutschen Orden der jeweils gültige Ritus der katholischen Kirche. Als Patronin des Ordens gilt neben der Jungfrau Maria die 1235 heiliggesprochene Elisabeth von Thüringen.

Die Konstitution des Ordens, auch Statuten genannt, wurde und wird durch das Generalkapitel / Großkapitel beschlossen und früher vom Kaiser, heute vom Papst genehmigt. Wichtige Beschlüsse waren

  • die „Cronbergsche Konstitution“, auf dem Frankfurter Generalkapitel 1529 erlassen;
  • die „Statuten des Deutschen Ritterordens“ (1840 von Kaiser Ferdinand I. bestätigt)
  • die „Regel der Konventsbrüder des deutschen Hauses und Hospitals Unserer lieben Frau zu Jerusalem für die dem Hochmeister unmittelbar unterstehenden Priesterkonvente von 1865 für die neuen Priesterkonvente“ (1866 vom Kaiser anerkannt und 1871 von Papst Pius IX. bestätigt);

Im Jahre 1929 approbierte das Großkapitel des Deutschen Ordens die beiden überarbeiteten Ordensregeln der Brüder und der Schwestern, die beide am 27. November 1929 von Papst Pius XI. bestätigt wurden.

Die Deutschordensschwestern sind als Kongregation päpstlichen Rechts dem Orden der Brüder beigeordnet. Die Generalleitung liegt beim Hochmeister; Vertreterinnen der Schwestern nehmen am Generalkapitel und am Generalrat teil. Diese Form des Ordenslebens ist solitär in der römisch-katholischen Kirche. Nach vorläufigen Approbationen wurden am 11. Oktober 1993 die Regeln der Brüder vom Deutschen Haus Sankt Mariens in Jerusalem und die Lebensregeln der Schwestern vom Deutschen Haus Sankt Mariens in Jerusalem, vom Apostolischen Stuhl bestätigt. Beide waren nach den Weisungen des Zweiten Vatikanischen Konzils bereits genehmigt worden waren und zuletzt auch den Normen des kirchlichen Gesetzbuches von 1983 angepasst. Alle Satzungen des Ordens sind in Regeln und Statuten des Deutschen Ordens „Das Ordensbuch. Wien 2001“ veröffentlicht.

Ämter und Institutionen

Generalkapitel

Das Generalkapitel bildete ursprünglich die richtungsweisend beschlussfassende Versammlung aller Vollmitglieder des Ordens (Ritter, Priester, Graumäntler). Da dies logistisch nicht möglich war, beschränkte man sich auf Deputationen der einzelnen Kommenden und Balleien unter Vorsitz der jeweiligen Landmeister. Ursprünglich als jährlich durchzuführende Versammlung angestrebt, trat in der Praxis ein Generalkapitel im Hoch- und Spätmittelalter fast ausschließlich zur Wahl der jeweiligen Hochmeister zusammen. Die Beschlüsse waren für die Gebietiger des Ordens formal bindend.

Hochmeister

 

Der Hochmeister ist das höchste Amt im Deutschen Orden. Bis 1525 gewählt durch das Generalkapitel hatte er im Heiligen Römischen Reich den Rang eines Geistlichen Reichsstandes. In Preußen galt der Hochmeister bis 1466 zugleich als souveräner Landesfürst. Dennoch muss er hierarchisch gesehen als Erster unter Gleichen betrachtet werden. Das bedeutete, dass er auf Intentionen und Verlangen der einzelnen Gruppierungen im Orden Rücksicht nehmen musste. Inwieweit dies geschah, hing eng mit der Persönlichkeit des jeweiligen Hochmeisters zusammen. Von 1530 bis 1929 hieß das Amt umgangssprachlich „Hoch- und Deutschmeister“. Letzter Hoch- und Deutschmeister war von 1894 bis 1923 der k.u.k. Feldmarschall Erzherzog Eugen von Österreich aus dem Haus Habsburg. Zum derzeitigen 65. Hochmeister des Ordens wurde am 25. August 2000 Dr. Bruno Platter gewählt, er empfing durch den Bischof von Bozen-Brixen Wilhelm Egger am 29. Oktober 2000 die Abtsbenediktion.

siehe auch: Liste der Hochmeister des Deutschen Ordens

Großgebietiger

 

 

 

Hochmeister

 

 

 

 

Generalkapitel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Großkomtur
(Magnus Commendator)

 

Ordensmarschall
(Summus Marescalcus)

 

Großspittler
(Summus Hospitalarius)

 

Ordenstressler
(Summus Thesaurarius)

 

Ordenstrappier
(Summus Trappearius)

 

 

 

 

                                                     

 


Quellen:

Für den Bereich des ganzen Ordens waren bis 1525 die vom Hochmeister selbst bestimmten sogenannten „Großgebietiger“ zuständig. Ihre jeweiligen Amtssitze befanden sich in Preußen. Neben administrativen Aufgaben nahmen die Großgebietiger auch repräsentative Pflichten bei der Landesverwaltung wahr und erfüllten häufig wichtige diplomatische Missionen im Dienste des Hochmeisters. Es existierten bis 1525 fünf amtsspezifische Großgebietiger:

  • Großkomtur (Stellvertreter des Hochmeisters) zu Marienburg: Hatte die Aufsicht über den Ordensschatz und alle Vorräte. Insbesondere unterstand ihnen die Firmarie (Altersheim) und das Kriegswesen der Marienburg. Daneben kontrollierte er die Rechnungslegung des Tresslers und führte das Schuldenregister des Ordens. Außerdem vertrat er den Hochmeister bei längerer Krankheit oder Abwesenheit.
  • Ordensmarschall (seit 1330 zugleich Komtur von Königsberg): War zuständig für das Kriegswesen (Burgen, Kriegsgerät, Waffenherstellung, Pferde und Wagen) und führte im Kriegsfall das Ordensheer.
  • Großspittler zu Elbing: leitete Krankenpflege und das gesamte Spitalwesen im Machtbereich des Ordens. Im Spätmittelalter wurde es ein repräsentatives Ehrenamt.
  • Ordenstressler zu Marienburg: Verwaltete das Finanzwesen.
  • Ordenstrappier zu Christburg: Sein Zuständigkeitsbereich für die Beschaffung und Verteilung aller Kleidung (unter den Bedingungen des Mittelalters sehr wichtig). Später reduzierte sich die Bedeutung auf ein bloßes Ehrenamt.

Die deutschsprachigen Bezeichnungen für die Ämter der Großgebietiger stammen ursprünglich aus der Organisationsform des Templerordens.

 

Landmeister

Landmeister war ein hohes Amt und Titel im Deutschen Orden. Der Landmeister war eine Stellung zwischen dem Hochmeister und den Landkomturen der Balleien. Einem Landmeister unterstanden im Reich die Balleien, in Preußen und Livland jeweils die Kommenden. So galt der Landmeister faktisch als Stellvertreter des Hochmeisters. Die Landmeister konnten diese autonome Funktion schon bald erweitern, so dass auch der Hochmeister nicht mehr gegen ihre Intentionen entscheiden konnte. Sie wurden von den regionalen Kapiteln gewählt und vom Hochmeister lediglich bestätigt. In der Mitte des 15. Jahrhunderts sprach man zu den Zeiten des Niedergangs der Ordensherrschaft in Preußen sogar bereits von den drei Zweigen des Ordens, wobei dem Hochmeister nur noch die gleichgestellte Rolle des Landmeisters von Preußen zukam.

Innerhalb des Ordens gab es zunächst drei, später nur noch zwei Landmeister. Für Deutschland und Italien fungierte der Deutschmeister sowie ein Landmeister in Livland. Das Amt des Landmeisters von Preußen wurde 1309 infolge der Verlegung des Hauptsitzes nach Preußen durch den Hochmeister aufgelöst. Der letzte in Elbing residierende Landmeister von Preußen war Heinrich von Plotzke. Nach der Reformation und der Auflösung des Hochmeisteramtes in Preußen wurde der Deutschmeister zugleich Administrator des Hochmeistertums und seine Kompetenzen auf Preußen erweitert, was sich in der Praxis nur als formeller Akt erwies.

Der bedeutendste Landmeister in Livland war Wolter von Plettenberg. Er blieb, wie seine Nachfolger bis 1561, katholisch. Aber unter ihm setzte sich in Livland unter Deutschbalten, Esten und Letten die Reformation durch. Der evangelische Glaube blieb bis heute in den Staaten Estland und Lettland erhalten. Mitte des 16. Jahrhunderts ging auch Livland verloren.

So fand das Amt eines Landmeisters in der Folge faktisch sein Ende, da der verbliebene Landmeister als Hoch– und Deutschmeister die Funktionen des Hochmeisteramtes ausfüllte.

 

 

Hochmeister

 

 

 

 

Generalkapitel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Deutschmeister

(Magister Germaniae)

 

Landmeister in Livland

(Magister Livoniae)

 

Landmeister von Preußen

(Magister Prusciae bis 1309)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                         


Quellen:

Landkomtur

Der Landkomtur war der Leiter einer Ballei. In einer Ballei waren verschieden Kommenden zusammengefasst. Einige der deutschen Balleien hatten den Rang von Reichsständen und rangierten in der Matrikel des Reiches in der Gruppe der Prälaten. Mit der Umwandlung des Ordens in einen Klerikerorden gingen die Balleien des Ordens in den Provinzen / Prioraten des heutigen klerikalen Deutschen Orden auf, deren Provinzial sich Prior nennt.

Komtur

Der Komtur war der Leiter einer Niederlassung des Ordens, einer Kommende. Er übte alle Verwaltungsbefugnisse aus und beaufsichtigte die seiner Deutschordenskommende unterstellten Vogteien und Zehnthöfe. Eine Kontrolle war durch sogenannten Ämterwandel, bei dem bei turnusgemäßer Aufgabe des Amtes eine Generalinventur erfolgte, sowie durch Visitationen gegeben. Bis in das 19. Jahrhundert hinein hießen die Ordenskonvente des Ordens Kommenden. In diesen Verwaltungseinheiten lebten sowohl Ritterbrüder wie auch Priesterbrüder. Unter Leitung des Komturs formte sich in den Kommenden ein klösterliches Leben mit Chorgebet. Erst nach der Reformation löste sich im Deutschen Orden das gemeinschaftliche Leben auf und die Kommenden wurden zu reinen Einkommensquellen der Ritterbrüder des Ordens, welche für gewöhnlich im Militärdienst eines Landesherren standen.

Die Größe der Kommenden war sehr unterschiedlich. Im Gegensatz zu den Kommenden in Preußen waren die im Deutschen Reich kleiner und bestanden schon im 13. Jahrhundert nur aus einem Komtur, zwei bis sechs Konventualen und einem Priester. Mit der Umwandlung des Ordens in einen Klerikerorden wurden die Kommenden in Konvente gewandelt, deren Leiter nun Superior, der lateinischen Form von Oberer, und nicht mehr Komtur genannt wird.

Weitere Ämter

 

 

Imitat einer Münze des Deutschen Ordens
(Moneta Dominorum Prussiae)

  • Kanzler des Hochmeisters und Kanzler des Deutschmeisters. Der Kanzler verwahrte Schlüssel und Siegel und war Protokollant bei Ordenskapiteln.
  • Münzmeister in Thorn. 1246 verlieh Kaiser Friedrich II. dem Orden das Recht zur Prägung eigener Münzen, den so genannten Moneta Dominorum Prussiae – Schillingen.
  • Pfundmeister in Danzig. Das Pfundgeld war ein von der Hanse eingeführter Zoll.
  • Generalprokurator als Vertreter des Ordens beim Vatikan.
  • Großschäffer. Mit besonderen Vollmachten ausgestattete Handelsbeauftragte des Ordens in Preußen mit Sitz in Marienburg und Königsberg

Innerhalb einer Kommende konnte es weitere Ämter geben, die jedoch nicht zu allen Zeiten oder in allen Kommenden bestanden:

  • Hauskomtur
  • Pfleger
  • Ratsgebietiger
  • Baumeister gab es in den Balleien Elsaß-Burgund und Franken.
  • Karwansherr
  • Schäffer
  • Küchenmeister
  • Kellermeister
  • Überreiter, „so über die einkünfte der landgüter bestellt“
  • Trappierer

Verwaltungsstruktur in der Mitte des 14. Jahrhunderts

 

 

Ratsgebietiger

 

Hochmeister

 

 

Kanzlei des Hochmeisters

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Großkomtur (Magnus Commendator)

 

Ordensmarschall (Summus Marescalcus)

 

 

Großspittler (Summus Hospitalarius)

 

Ordenstressler (Summus Thesaurarius)

 

Ordenstrappier (Summus Trappearius)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Großschäffer (Marienburg)

 

 

Großschäffer (Königsberg)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Komtur (Preußen)

 

Komtur (Preußen)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Deutschmeister (Magister Germaniae)

 

 

 

 

 

 

 

Landmeister in Livland (Magister Livoniae)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Komtur (Livland)

 

Komtur (Livland)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Landkomtur

 

Landkomtur

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Komtur (im Reich)

 

Komtur (im Reich)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hauskomtur

 

Pfleger

 

Vogt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Karwansherr

Trappierer

Kellermeister

Küchenmeister

Wachhauptmann

Gesindemeister

Fischmeister

 

 

 

 

                                                                               

 


Quellen:

Hauptsitze und Archive des Ordens

 

 

Panoramaansicht der Marienburg

 

 

Deutschordenshaus in Wien

 

 

Das Deutschordensschloss in Bad Mergentheim war von 1526 bis 1809 Sitz des Hoch- und Deutschmeisters

Der ursprüngliche Sitz des Hochmeisters und damit zugleich des Ordens war dessen Spital in Akkon. 1220 erwarb der Orden die Burg Montfort, die nach ihrem Wiederaufbau Sitz des Hochmeisters wurde. 1271 wurde die Burg von den Mamluken erobert, der Hochmeister kehrte nach Akkon zurück. Nach dem Fall Akkons im Jahr 1291 wurde unter dem Hochmeister Konrad von Feuchtwangen zunächst Venedig Hauptsitz, ab 1309 dann unter dem Hochmeister Siegfried von Feuchtwangen die Marienburg.

Nach deren Verlust wurde 1457 Königsberg Hauptsitz des Ordens. Ab 1530 war zumeist Mergentheim offizieller Amtssitz des Hoch- und Deutschmeisters. Nachdem der Orden durch die Bestimmungen des Friedens von Pressburg seine Souveränität verloren hatte, befand sich die zentrale Residenz des Ordens von 1805 bis 1923 in Wien.

Der damalige Koadjutor und spätere Hochmeister Norbert Johann Klein verlegte 1923 den Sitz nach Freudenthal. Seit 1948 ist der Sitz des Hochmeisters wieder in Wien. Das Deutschordenshaus in Wien, hinter dem Stephansdom gelegen, ist zugleich Sitz des Deutsch-Ordens-Zentralarchivs und der für die Öffentlichkeit zugänglichen Schatzkammer des Deutschen Ordens..

Die vollständig erhaltenen Urkunden des Staatsarchivs Königsberg aus der Zeit des Ordensstaates befinden sich im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz die Urkunden aus Mergentheim im Staatsarchiv Ludwigsburg. Weitere Akten befinden sich im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen.

Quellenlage und frühe Historiographie

Die Quellenlage zum Orden und der Geschichte der betroffenen Regionen ist aufgrund zweier Tatsachen als gut zu bezeichnen:

  • Da die Gebiete des Ordensstaates im Vergleich zu vielen übrigen deutschen Regionen weniger von Verwüstungen betroffen waren, z. B. im Laufe des Dreißigjährigen Krieges, des Siebenjährigen Krieges oder der napoleonischen Kriege, konnten die meisten Archivbestände die Jahrhunderte relativ unbeschadet überstehen.
  • Die moderne, fortgeschrittene Schriftlichkeit der Verwaltungspraxis des Ordens hat umfangreiche, systematisch zusammengestellte Urkundenbestände, Inventarlisten, Rechnungen und andere Quellen erzeugt, wie sie in mittelalterlicher Zeit in keinem anderen deutschen Land anzutreffen sind. Sehr ausführlich ist auch die Korrespondenz der jeweiligen Hochmeister. Daneben betreffen auch die Aufzeichnungen von Städten, Klöstern, und Domstiften teilweise die Geschichte des Ordens.

Aus der Frühzeit des Ordens bis zum Anfang des 14. Jahrhunderts existieren fast keine chronikalen Quellen. Umso reichhaltiger ist die urkundliche Überlieferung z. B. von Schenkungen oder der Gewährung von Privilegien durch den Papst. Trotzdem lässt sich die Eroberung des Landes mithilfe zeitgenössischer Zeugnisse fast nicht beschreiben.

Von 1324 bis 1331 schrieb der Priesterbruder Peter von Duisburg das Chronicon Prussiae. Er berichtete von den Anfängen des Ordens in Preußen, dem Kampf gegen die Prußen, von deren Glauben und von ihren Gewohnheiten. Das meiste, was von der Frühzeit des Ordens bekannt ist, beruht auf seinem Werk. Nikolaus von Jeroschin übertrug dieses lateinische Werk später im Auftrag Luthers von Braunschweig in Versform ins Deutsche.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts zeichneten sich mit dem Humanismus erste Ansätze eines stärkeren Interesses für die Geschichtswissenschaft ab. Seit 1517 schrieb der Dominikaner Simon Grunau seine umfangreiche Preußische Chronik. Da die quellenkritische Methode noch unbekannt war, erfand Grunau kurzerhand Urkunden und spekulierte, wo er nichts Genaueres wusste. Seine Schriften sind von einem negativen Standpunkt gegenüber dem Orden geprägt. Grunau äußerte sich ausführlich über seine Quellen und deren Zugänglichkeit. Er wurde später von anderen Historikern – die ihn allerdings auch als zu sehr im polnischen Sinne schreibend kritisierten – als Quelle verwandt. Caspar Schütz verfasste 1592 im Auftrag Albrechts von Brandenburg die mehrbändige Rerum Prussicarum. Christoph Hartknoch beschrieb 1679 in seinem Geschichtswerk Altes und Neues Preussen sowohl die heidnische als auch die durch den Orden geprägte Zeit. Zwischen 1722 und 1725 erschien die neunbändige Geschichte der preußischen Lande von Gottfried Lengnich.

Johannes Voigt verfasste zwischen 1827 und 1829 eine neunbändige Geschichte Preußens. Seine Darstellung beruhte erstmals auf systematischer Auswertung originaler Quellen, vor allem Urkunden und Akten. Voigts Arbeiten zur Geschichte Preußens waren bahnbrechend und gelten auch heute noch als Standardliteratur.

Neuzeitliche Rezeption

Die geschichtswissenschaftliche Rezeption des Deutschen Ordens befasste sich im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zumeist nur mit der Präsenz des damaligen Ritterordens im Baltikum – der Deutschordensstaat wurde mit dem Orden selbst gleichgesetzt. So fanden die Eigenheiten des Ordens als Träger der Administration nur geringe Berücksichtigung. Als Ganzes blieb der im Reich fortbestehende Orden kaum beachtet. Eine Aufarbeitung seiner Geschichte und Strukturen setzte in Deutschland und international erst nach 1945 ein. Erforschung und Interpretation der Geschichte des Ordens waren dabei in Deutschland, Polen, und Russland – abhängig von den jeweiligen Regierungen/Regimes – extrem unterschiedlich, stark national oder sogar nationalistisch geprägt und oft wenig auf die reale Geschichte des Ordens bezogen.

Deutsch-polnische Kontroversen

Eine kontroverse Bewertung des Deutschen Ordens begann in den ersten Dekaden des 19. Jahrhunderts mit der Wiederentdeckung und Romantisierung des Mittelalters einerseits, der Besetzung und andauernden Teilung Polens andererseits. Dies mündete ab 1850 in einen „stellvertretenden Kulturkampf“. Die Auseinandersetzung nahm ihren Anfang zwischen polnischen Intellektuellen und preußisch-deutschen Historikern. Nach 1860 brachten sich offiziell auch polnische Geschichtsgelehrte ein.

Während polnische Publikationen dem Orden unter anderem einen Genozid an den Prußen und eine hemmungslose Eroberungspolitik unterstellten[114], stilisierten deutsche Historiker den Orden zum germanischen Kulturträger.

Dieser Streit setzte sich auf deutscher Seite bis 1945, auf polnischer Seite in abgeschwächter Form bis 1989 fort. Der polnische Historiker Tomasz Torbus charakterisiert die Kontroverse so: „Das Heranziehen des Deutschen Ordens in geisteswissenschaftlichen Fächern, in der Propaganda und als Symbol in der aktuellen Politik lässt sich in Deutschland mit Unterbrechungen von der Reichsgründung bis zum Zusammenbruch des NS-Staates, in Polen bis zum Fall des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989 nachverfolgen.“

Die erste Phase der Auseinandersetzung polnischer Intellektueller mit den Besatzern fand auf literarischem Gebiet statt. Bereits 1826 veröffentlichte Adam Mickiewicz sein Versepos Konrad Wallenrod. Der Autor verwendete hier ein historisches Gleichnis, um Kritik an der restriktiven russischen Polenpolitik zu verschleiern und auf diesem Wege die russische Zensur zu umgehen. Mickiewicz verlegte den polnisch-russischen Konflikt ins Mittelalter und zeichnete ein düsteres Bild der deutschen Ordensritter anstelle der russischen Besatzer. Mitte des 19. Jahrhunderts verfasste der Lemberger Historiker Karol Szajnocha die Geschichtserzählung Jagiełło und Jadwiga, die Generationen von Lesern die polnische Sicht auf den Konflikt mit dem Deutschen Orden nahebrachte. In Krzyżacy (Kreuzritter) von Józef Ignacy Kraszewski schließlich, das 1874 erschien, wurden die Ordensritter durchweg dämonisiert.[118] Wojchiec Kętrzynski, Mitbegründer einer eigenständigen polnischen Geschichtswissenschaft, vertrat ab 1865 die Ansicht, dass die deutsche Herrschaft den unterworfenen Slawen nichts als „Elend und Unfreiheit“ gebracht habe. Diese Sichtweise eines „von krimineller Energie getriebenen und sich gewaltsam oder unter Ausnutzung der Naivität lokaler slawischer Herrscher nach Osten dahinwälzenden Teutonismus führte später zu einer Interpretation der Ordenskriege als Völkermord bzw. Ausrottung in der nationalistisch-polnischen Publizistik (wytępienie; in Polnisch aber oft auch unübersetzt gelassen).

Insbesondere die Germanisierungspolitik in den preußischen Gebieten nach der Reichsgründung 1871 stieß bei der polnischen Bevölkerung auf Widerstand. Der zunehmende Nationalstolz orientierte sich auch an der Geschichte und verklärte vor allem die siegreiche Schlacht bei Tannenberg zum Mythos, was sich im großen Zulauf zu den Gedenkkundgebungen an Jahrestagen der Schlacht zeigte. Zugleich begann der Aufschwung der polnischen Historienmalerei, die die ruhmreichen Episoden der polnischen Geschichte darstellte, insbesondere die polnischen Siege über den Deutschen Orden. So stilisierte das überdimensionale Gemälde des bedeutendsten Repräsentanten dieses Genres, Jan Matejko, die Schlacht bei Tannenberg zum Triumph über den Deutschen Orden und das anmaßende Deutschtum. Historisierend ist auch der Roman Krzyżacy (dt. Titel: Die Kreuzritter) von Henryk Sienkiewicz, der in viele Sprachen übersetzt wurde und den Deutschen Orden durch das moralisch abstoßende Auftreten seiner Repräsentanten negativ beschrieb.

Nach der Errichtung der Zweiten polnischen Republik 1918 nahmen sich polnische Geschichtswissenschaftler verstärkt der Geschichte des Deutschen Ordens an. Veröffentlichungen stellten die Authentizität des Vertrages von Kruschwitz und die Legitimation der Ritter des Ordens im Baltikum in Frage. Das Vorgehen der Ordensritter bei der Missionierung der Prußen wurde unter Berufung auf den preußischen Historiker Heinrich von Treitschke als Völkermord betrachtet und die Besetzung Pommerellens 1308 mit der Okkupation angestammten polnischen Bodens gleichgesetzt.

Vereinzelte meist populärwissenschaftliche und im Rahmen der deutsch-polnischen Spannungen des 20. Jahrhunderts auftretende Versuche, das Verschwinden der Prußen unter dem neuzeitlichen Begriff des Völkermordes zu subsumieren, werden von der Forschung heutzutage meist als ahistorisch, sachlich nicht begründbar und quellenmäßig nicht belegbar zurückgewiesen. So sind genaue Zahlen über den Anteil der direkt im Kampf umgekommenen oder erst später abgewanderten Prußen, sowie die Gründe für die Aufgabe von Sprache und Identität nicht verfügbar. Auch kann keine bewusste und planmäßig durchgeführte Ausrottung seitens des Ordens konstatiert werden.

Nach der fast sechsjährigen Besetzung Polens und dem Ende des Zweiten Weltkrieges setzte die polnische Propaganda die Niederlage des nationalsozialistischen Deutschland mit dem Sieg von Tannenberg gleich: „Grunwald 1410 / Berlin 1945“ hieß es auf einem Plakat.

In der Zeit des Kalten Krieges galt der Deutsche Orden offiziell als Symbol der Furcht vor einer Grenzrevision durch die in die NATO integrierte Bundesrepublik Deutschland. Bereits in den 1950er-Jahren verglichen die polnischen Kommunisten die vorgeblich expansionslüsternen Ordensritter mit der als revanchistisch eingestuften Bundesrepublik Deutschland.[126] Die Anbindung der kommunistischen Volksrepublik Polen an die Sowjetunion wurde in die Tradition eines panslawischen Bündnisses gegen den so genannten deutschen Drang nach Osten gestellt und die polnisch-nationale Geschichte zur Legitimierung der eigenen Herrschaft genutzt. Der polnische Historiker Janusz A. Majcherek schreibt hierzu:

„Dies ist eine der in der polnischen Ikonographie am meisten mystifizierten und propagandistisch ausgebeuteten Perioden. Den Film ‚Die Kreuzritter‘ und das Gemälde ‚Die Schlacht bei Tannenberg‘ kennen nicht nur alle Polen, sie gehören auch zu den am stärksten eingeprägten Mustern ihres kollektiven historischen Selbstverständnisses. Man muss daher endlich zugeben, dass Sienkiewiczs Roman und Matejkos Gemälde rein propangadistische [sic] Werke sind und der Film von Alexander Ford ein Beispiel für ein in heroisch-martyrologischem Ton gehaltenes nationalistisches Kino, das zu kommunistischen Zeiten in allen Ländern dieses Systems propagiert wurde […].“

Nach 1972 kam es im Rahmen der auf Entspannung abzielenden Ostpolitik Willy Brandts und seiner Nachfolger zu vermehrten Kontakten zwischen deutscher und polnischer Seite, die 1977 in einer gemeinsamen UNESCO-Schulbuchkommission mündeten. Mit den von diesem Gremium erbrachten Relativierungen in der gegenseitigen Geschichtsbewertung wurde auch von polnischer Seite zunehmend die Präsenz des Deutschen Ordens in objektiverem Kontext bewertet.

Das Gedenken an den Sieg über den Orden im Jahr 1410 ist in Polen bis heute lebendig. So wurde seitens der polnischen Boulevardpresse wiederholt versucht, mit knappen Anspielungen an die Schlacht bei Grunwald unterschwellige antideutsche Ressentiments zu bedienen. Während der Fußball-Europameisterschaft 2008 vor einem Vorrundenspiel zwischen der deutschen und polnischen Nationalmannschaft stellte die polnische Boulevardzeitung Fakt, die zur deutschen Springer-Verlagsgruppe gehört, den besiegten Kapitän der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft Michael Ballack im Ordensmantel und Pickelhaube dar. Solch provokative Methoden der Geschichtsdarstellung gehören im heutigen Polen zur Ausnahme.

 

Der russische Blick

In Russland geschah die Auseinandersetzung mit der gemeinsamen Geschichte unter besonderen Vorzeichen. Ausgangspunkt war hierbei die direkte Konfrontation mit den Ordensrittern im nördlichen Baltikum, die 1242 in der Schlacht auf dem Peipussee gipfelte. Schon im Mittelalter stilisierten russische Chroniken dieses – in der Einschätzung moderner Historiker – größere Scharmützel zur Entscheidungsschlacht zwischen römisch-katholischer Kirche und russischer Orthodoxie. Durch diese Deutung der Geschichte konnten auch die Niederlagen der russischen Fürstentümer gegen die Mongolen der Goldenen Horde kaschiert werden. Auch die Schlacht bei Tannenberg 1410 fand bei russischen Chronisten Beachtung, da hier weißrussische Regimenter beteiligt waren. Diesen Truppenteilen wurde von der russischen Geschichtsschreibung stets schlachtentscheidende Bedeutung zugemessen.

In den 1930er-Jahren gewann die Rezeption infolge der ideologischen Auseinandersetzungen zwischen der Sowjetunion und dem nationalsozialistischen Deutschen Reich eine neue Dimension. Der Deutsche Orden wurde als rücksichtsloser Aggressor auf russischem Terrain und als früher Vorläufer des Nationalsozialismus betrachtet.[138] Bekanntes Beispiel für eine künstlerische Verarbeitung dieser Deutung ist der Film Alexander Newski des Regisseurs Sergej Eisenstein, der im Großen Vaterländischen Krieg 1941 bis 1945 zur antideutschen Propaganda diente.

Bis zum Ende der Sowjetunion blieb die Sicht auf den Deutschen Orden von dieser Geschichtsauffassung geprägt. Auch heute beharren nationalrussische Kreise auf der Deutung, der Orden sei ein aggressives Instrument der römisch–katholischen Kirche sowie der deutschen Feudalherren zur Eroberung russischen Bodens und der Vernichtung der russisch–orthodoxen Kirche gewesen.

Preußische und deutsche Perspektiven

Heinrich von Treitschke (1834–1896)

Der Deutsche Orden wurde im protestantischen Preußen nicht zuletzt aufgrund dessen kriegerischer Auseinandersetzungen mit den preußischen Ständen in der Mitte des 15. Jahrhunderts distanziert bis negativbetrachtet.

Nationale Vereinnahmung nach 1815

Erst in Folge der napoleonischen Kriege setzte unter maßgeblicher Beteiligung des Historikers Heinrich von Treitschke ein Umschwung ein. Der Orden verkörperte fortan die „deutsche Mission im Osten“ und übernahm in der Geschichtsschreibung die Rolle eines „Kulturträgers gegen das Slawentum“. Den Ordensstaat interpretierte Treitschke als „festen Hafendamm, verwegen hinausgebaut vom deutschen Ufer in die wilde See der östlichen Völker“ und die Niederlage des Ordens bei Tannenberg gleichzeitig als Niederlage des Abendlandes gegen den „barbarischen“ Osten. Der Orden selbst verkörperte „Züge des deutschen Wesen, die aggressive Kraft und die herrische gemüthlose Härte“.

Unter dem Eindruck der identitätsstiftenden Bewertung der Schlacht bei Tannenberg von 1410 auf polnischer Seite wurde Ende des 19. Jahrhunderts dazu übergegangen, den polnischen Gedenkfeiern eine „deutsche Komponente“ entgegenzusetzen. Folge war eine Glorifizierung des Ordens als „Kolonisator des deutschen Ostens“ durch nationalistische Kreise im wilhelminischen Preußen. Diese Sicht spiegelt sich in den Romanen Heinrich von Plauen sowie Der Bürgermeister von Thorn von Ernst Wichert wider. Der Historiker Adolf Koch behauptete 1894: „Die Könige Preußens erheben sich auf den Schultern der Hochmeister des Deutschen Ordens.“

Weimarer Republik

Bei der Volksabstimmung in Ostpreußen im Abstimmungsbezirk Allenstein am 11. Juli 1920 wurde aufgrund von Grenzstreitigkeiten mit Polen über die nationale Zugehörigkeit des südlichen Ostpreußen abgestimmt. Im Rahmen dieser Abstimmungen wurde von deutscher Seite intensiv an die „Ostlandtradition“ des Deutschen Ordens erinnert. Ganze Straßenzüge wurden mit Ordenskreuzen auf Wimpeln und Fahnen geschmückt. In der Weimarer Republik bedienten sich etliche Freikorps im Osten des Ordensabzeichen in ihren Abzeichen. Beispiele hierfür sind der Grenzschutz Ost oder die Baltische Landesabwehr. Der neben dem Stahlhelm bedeutendste nationale Verband – der Jungdeutsche Orden – lehnte sich in Benennung, Organisationsform, und bei Amtsträgerbezeichnungen unmittelbar an das Vorbild des Deutschen Ordens an.

Im Dritten Reich

Die Gestaltung des Mutterkreuzes in Gold lehnte sich stark an das Ordenskreuz an

Im Dritten Reich war die Einstellung zum Deutschen Orden und seiner Vergangenheit auch innerhalb der Führung ambivalent. Das allgemeine Bewusstsein, insbesondere Himmler oder der Deutsch-Balte Rosenberg pflegten das aus preußisch-deutscher Sicht positiv besetzte Bild des Ordens aus dem 19. Jahrhunderts.

Adolf Hitler verherrlichte schon 1924 in seinem Buch Mein Kampf die Ostkolonisation und entwickelte weitreichende Pläne zu Eroberungen „auf der Straße der einstigen Ordensritter“. Einen Höhepunkt nationalsozialistischer deutscher Geschichtspolitik markierte die Beisetzung des 1934 verstorbenen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg im Tannenberg-Denkmal. Hindenburg wurde als kaiserlicher Feldherr in der Zweiten Schlacht bei Tannenberg 1914 bekannt, die schon im Ersten Weltkrieg zur Revanche für die Niederlage von 1410 erklärt wurde.

Dagegen hatte Himmler im Rahmen seiner Rassentheorien andere Vorstellungen. Er wollte einen eigenen „Deutschen Orden“ als Genspender eines neuen deutschen Weltreiches gründen, wozu auch die neu geschaffenen Ordensburgen dienten. Deshalb musste der rechtmäßige sakrale Namensträger verschwinden. Im Jahr 1938 wurde der Orden dann durch ein Aufhebungsdekret aufgelöst. Im Reich gelang es dem Propagandaapparat von Joseph Goebbels, die bisherige Bewusstseinstradition zu verdrängen und Platz für einen neuen Ordensgedanken zu schaffen. In Ostpreußen, dem ehemaligen Kernland des Ordensstaates, war diese Propaganda wenig erfolgreich. So verband beispielsweise der Reichsarbeitsdienst in seinem Abzeichen für den Gau 25 Hakenkreuz und Ordenskreuz. Während des Zweiten Weltkrieges trug diesen Bestrebungen ungeachtet eine Panzer-Abteilung der SS-Panzergrenadier-Division „Nordland“ den Namen des Hochmeisters Hermann von Salza.

Nach 1945

Nach 1945 nahm die Rückschau auf den Ordensstaat in der Bundesrepublik Deutschland aufgrund des Verlustes der Ostgebiete ab. Eine Glorifizierung des Deutschen Ordens fand im Gegensatz zu den vergangenen Jahrzehnten nicht mehr statt. Das Thema war gesellschaftlich eher tabuisiert. Eine Ausnahme machten revanchistische Verbände.

Die Verbindungen zwischen den Vertriebenenverbänden und den historischen Kommissionen – wie z. B. dem Herder-Rat – waren von Anfang an wenig ausgeprägt. Allerdings überwog in der Ostforschung bis in die frühen 60er Jahre die Anzahl der Forscher, welche programmatisch den traditionellen Nationalismus und „historischen Abwehrkampf im Osten“ – von völkischen Entgleisungen gereinigt und europäisch eingefärbt – fortgeführt sehen wollten. Dies änderte sich dann aber, bedingt auch durch einem Generationswechsel der Forscher, in den frühen 60er Jahren.

1985 wurde in Wien die „Internationale Historische Kommission zur Erforschung des Deutschen Ordens“ gegründet, die den Orden unter ideengeschichtlichen, regionalen und europäischen Fragestellungen untersucht.

In der DDR blieb das Bild des Ordens als „Hort der Aggression sowie Revision“. Ein Militärlexikon von 1985 gibt die offizielle Lesart wieder: „… Der blutbefleckte Orden existierte weiter und wurde schließlich im 20. Jahrhundert zu einer vorwiegend karitativ tätigen kirchlichen Organisation umgewandelt. Gegenwärtig spielt er in Österreich und der BRD eine Rolle als klerikal–militaristischer Traditionsverband.“

Am 4. September 1991 gab die Bundesrepublik Deutschland anlässlich des Jubiläums eine Gedenkmünze „800 Jahre Deutscher Orden“ im Nennwert von 10 Deutschen Mark aus. Auch Briefmarken mit Motiven des Deutschen Ordens sind erschienen.

 

10,00 DM Sonderprägung 1991 „800 Jahre Deutscher Orden“ Bildseite

 

10,00 DM Sonderprägung 1991 „800 Jahre Deutscher Orden“ Wappenseite

 

Deutsche Briefmarke „800 Jahre deutscher Orden“

 

Ebenfalls anlässlich des Jubiläums wurde 1990 eine Ausstellung des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg in Zusammenarbeit mit der Internationalen Historischen Kommission zur Erforschung des Deutschen Ordens unter dem Titel: 800 Jahre Deutscher Orden eröffnet. In der Popmusik der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde die ritterliche Administration des Ordens mit Bezugnahme auf eine alte Sage unter dem Titel „Der Komtur“ denkbar negativ geschildert.

Verwendung des Ordenswappens

Das vom Deutschen Orden im Wappen geführte Schwarze Kreuz auf weißem Grund fand in späterer Zeit von den preußischen und kaiserlichen Streitkräften als Hoheitsabzeichen und militärische Auszeichnung Verwendung. In der Deutschen Wehrmacht wurde das Kreuz auf einfache weiß umrahmte Balken reduziert. Die Bundeswehr benutzt das traditionelle Symbol in abgewandelter Form als stilisiertes weiß umrahmtes Tatzenkreuz auch heute

 

Eisernes Kreuz 1. Klasse (EK I) 1914                      

 

Balkenkreuz

 

               Das Hoheitszeichen der Bundeswehr

 

 

 

Johanniterorden

Johanniterkreuz   

Der Johanniterorden - vollständig Ordo militiae S. Johannis Baptistae hospitalis Hierosolimitani - entwickelte sich aus einem vor Beginn des ersten Kreuzzugs in Jerusalem erbauten Hospital, dem sich Kreuzfahrer zugesellten, um Verwundete und Pilger zu pflegen. So entstand kurz vor der Eroberung Jerusalems im Jahr 1099 die Bruderschaft vom Hl. Johannes dem Täufer, deren erster Vorsteher der normannische Frater == Gérard war, weshalb die Johanniter eine Zeit lang auch Hospitalier oder Hospitalsritter hießen. 1113 verlieh Papst Paschalis II. der Gründung des Lateinischen Königreiches von Jerusalem, die der Ordensentstehung vorausging, Privilegien. Aus der Bruderschaft wurde ein Orden, dem der zweite Ordensobere, Raymund de Puy, eine Regel mit augustinischen und benediktinischen Elementen gab; diese Regeln wurden 1137 von Papst Benedikt IX. bestätigt, ihre Endfassung 1153 von Papst Eugen III. approbiert. Es gab Priester und Ritterbrüder - 1144 ist der erste Ritterbruder bezeugt -, daneben Halb- und Laienbrüder sowie einige Frauen. 1154 anerkannte Papst Anastasius IV. den Orden.

Die Brüder gelobten Armut, Gehorsam und Keuschheit, sie schworen, Jerusalem gegen die Muslime zu verteidigen und gaben das Versprechen ab, für Tuitio Fidei et Obsequium Pauperum, Schutz des Glaubens und Unterstützung der Bedürftigen, einzustehen. Christi Feinde zu dämpfen, zu lindern Krankheit und Not - das ist der Johanniter uralt Aufgebot. Herbergen mit Krankenstationen entstanden dann entlang der Pilgerwege und Kreuzfahrerrouten von Europa zum Heiligen Land. Gérard, das erste Oberhaupt, erhielt den Titel eines Rektors, die späteren Führer nannte man Großmeister. Um 1180 wurden die ersten Ordensritter, die aus adligem Geschlecht stammten, bewaffnet. Neben die caritativen Aufgaben traten militärische, es kam zu einer Symbiose von Kutte und Rüstung, von Mönchtum und Rittertum. 1187 eroberte Sultan Saladin Jerusalem, die Johanniter zogen sich nach Akko - das heutige Acre - sowie auf die Kreuzfahrerburgen Krak des Chevaliers und Margat in Syrien zurück.

 

Nach der Schlacht von Akko war 1291 auch die letzte Kreuzfahrerbastion gefallen, die Johanniter verließen das Heilige Land und erobert nach einem Zwischenaufenthalt auf Zypern 1309 die zu Byzanz gehörende Insel Rhodos. Dort errichtete der Orden sein Hauptquartier, schuf einen souveränen Territorialstaat mit dem Großmeister als Oberhaupt. Eine vorbildliche medizinische Versorgung wurde eingerichtet, eine gewaltige Festung und eine mächtige Flotte aufgebaut, die Johanniter wachten mit ihren Schiffen darüber, dass Muslime nicht in den östlichen Mittelmeerraum vordrangen. 1312 gingen auch die Besitztümer der Templer auf die Johanniter über, die nun zumeist unter der Bezeichnung Rhodiner auftraten und nationale Unterabteilungen, so genannte Zungen bildeten.

 

René Berthon: Der 44. Großmeister des Ordens, Philippe de Villiers de l'Isle-Adam, übernimmt 1530 die Insel Malta, Musée National in Versailles   

Als der osmanische Herrscher Süleiman I. der Prächtige 1522 die Insel Rhodos eroberte, waren die Ritter heimatlos, bis Kaiser Karl V. sie 1530 mit der Insel Malta belehnte. Nun nannten sich diese Ordens­mit­glieder Malteserritter. Der katholische Mal­teser­orden verlor 1815 im Wiener Kongress allen Besitz. 1834 wurde seine Zentrale nach Rom verlegt, wo der Großmeister des sou­veränen Johan­ni­ter­or­dens bis heute seinen Sitz hat, wobei erst Papst Leo XIII. 1879 die Groß­meister­würde wieder her­stell­te.

Seit 1153 waren auch in Deutschland die ersten Kommenden des Johanniterordens ent­standen; es folgten ab 1192 Spitäler, u. a. in Freiburg im Breisgau, wo sich 1248 auch das spätere Großpriorat Deutschland etablierte, bis es 1505 ins benachbarte Heitersheim verlagert wurde. Durch Errichtung von Kommenden und Hospitälern an den großen Handelsstraßen und Übernahme militärischer Dienst erwarb der Orden große wirtschaftliche Bedeutung und politischen Einfluss.

Ab 1318 entstand die Balley Brandenburg mit dem späteren Sitz in Sonnenburg bei Eberswalde. Sowohl des Großpriorat Deutschland als auch die Balley Brandenburg konnten ihren Besitz durch Einrichtungen des 1312 aufgelösten Templerordens entscheidend vermehren. Durch den Vergleich von Heimbach im Jahr 1382 erhielt die Balley innerhalb des Großpriorates weitgehende Autonomie. Um 1540 folgte die Balley dem Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg und trat zur Lehre Martin Luthers über. Der Orden konnte so seine Eigenständigkeit und seinen Einfluss in den protestantischen Gebieten steigern, der brandenburgische Kurfürst wurde zum Herrenmeister, während der katholische Orden Besitz und Einfluss verlor. Trotz dieses Übertritts gehörte die Balley aber weiterhin zum Großpriorat und damit zum Gesamtorden. Als Folge der Napoleonischen Kriege wurde 1805 das katholische Großpriorat und 1810 durch das preußische Säkularisationsedikt auch die evangelische Balley aufgehoben.

Doch 1852 kam es zur Wiedererrichtung der Balley durch König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen und acht rechtmäßige Ordensritter, die noch vor der Aufhebung vom damaligen Herrenmeister den Ritterschlag erhalten hatten. Hintergrund war der von Johann Hinrich Wichern und vielen anderen entdeckte diakonische Auftrag der Kirche. 1854 bestätigt der Statthalter des Gesamtordens in Rom die Wiedererrichtung der Balley Brandenburg des Ordens des Hl. Johannes zu Jerusalem und die Wahl des neuen, des 32. Herrenmeisters Prinz Friedrich Karl Alexander von Preußen. Damit wurden für die beiden konfessionsverschiedenen Ordenszweige Ursprung und Auftrag als gemeinsame Klammer erneut deutlich.

Unter Hinweis auf das Ordensvorbild Johannes will der Johanniterorden Jesus Christus den Weg bereiten und zur Buße im Denken und alltäglichen Verhalten anleiten. Das weiße Kreuz im Ordenswappen kennzeichnet das Licht Christi, die vier Kreuzesbalken verweisen auf die Kardinaltugenden Tapferkeit, Gerechtigkeit, Weisheit und Maßhalten; die achte Spitzen des Kreuzes verweisen auf die acht Zungen oder Nationen, denen die Ordensmitglieder ursprünglich angehörten. In der 1964 neu gefassten Ordensregel wird auf die Seligpreisungen Jesu in der Bergpredigt verwiesen; die geistliche Ritterschaft nach Epheserbrief 6, 16f soll durch die alten Traditionen des Ordens und im Geist der Reformation geübt werden. 1961 schloss sich der Johanniterorden mit den Ordenszweigen in den Niederlanden, Schweden und Großbritannien zu einer internationalen Allianz zusammen.

2005 hatte der Orden rund 3600 Mitglieder, die in 18 deutschen und 5 europäischen Kommenden organisiert sind; er ist Mitglied des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in deutschland. Herrenmeister ist seit 2007 Prinz Oskar von Preußen. Der Orden betrieb 1999 16 Krankenhäuser, 36 Senioreneinrichtungen, zehn Tageskliniken und 5 Wohnheime. Außerdem gibt es in Frankreich, Finnland, Österreich, der Schweiz und Ungarn fünf nichtdeutsche Genossenschaften mit je einem regierenden Kommendator an der Spitze. Zum Johanniterordem gehören noch drei selbständige Werke, die von ihm zur Erfüllung besonderer diakonischer und medizinischer Maßnahmen gegründet wurden: die Johanniter-Hilfsgemeinschaft mit 4000 ehrenamtlich tätigen Mitgliedern, die Johanniter-Schwesternschaft mit 550 Krankenschwestern, wovon noch 300 im aktiven Dienst stehen, und die Johanniter-Unfallhilfe mit 1,3 Millionen Mitgliedern, 18.000 ehrenamtlichen und 8600 hauptamtlichen Mitarbeitern im Sanitätsdienst, der stationären und ambulanten Altenbetreuung und der Hospizarbeit sowie in 150 Kindertagesstätten.

Die Homepage der Johanniter bietet in deutscher und englischer Sprache ausführliche Informationen über die Geschichte, die Struktur und Organisation des Ordens heute, auch mit links zu regionalen Gruppen, sowie eingehende Informationen zu den heutigen Aufgaben und Tätigkeitsfeldern.


Quellen:

• Walter Fleischmann-Bisten: Der evangelische Johanniterorden. In: Materialdienst des Konfessionskundlichen Instituts Bensheim 3/2007
• Bernhard Maurer: Kampf und Liebe. In: Evangelisches Gemeindeblatt für Württemberg 25/1999
• Broschüre Aus Anlaß des 900jährigen Ordensjubiläums, hg. von der Baden-Württembergischen Kommende des Johanniterordens e.V., Stuttgart 1999

 

Malteserorden

 

Der Malteserorden, oder Johanniterorden ist ein geistlicher Ritterorden. Seine vollständige Bezeichnung lautet »Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom Hl. Johannes zu Jerusalem genannt von Rhodos und von Malta«.

  • Der Malteserorden heute
  • Geschichte
  • Organisation & Struktur

Der Malteserorden heute

 

Der Malteserorden ist ein religiöser Laienorden mit militärisch-ritterlicher und adeliger Tradition. Sein Leitwort ist: Tuitio Fidei et Obsequium Pauperum – Bezeugung des Glaubens und Dienst an den Armen und Kranken. Schutzpatron des Ordens ist der Hl. Johannes der Täufer; Kennzeichen des Ordens ist das achtspitzige Malteserkreuz.

Der Souveräne Malteserorden ist als staatsähnliches Völkerrechtssubjekt ohne Staatsgebiet anerkannt. Der Ordenssitz auf dem Aventin in Rom gilt als exterritoriales Gebiet.

Der Orden hat weltweit über 10.000 Mitglieder (Ritter und Damen) und unterhält mit über 100 Staaten diplomatische Beziehungen und Vertretungen bei zahlreichen internationalen Organisationen. In sechs Staaten, darunter Deutschland, unterhält er eine ständige Vertretung und genießt einen Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen (UNO). Er prägt eigene Münzen, gibt Briefmarken heraus und führt ein eigenes Autokennzeichen (SMOM).

Der Malteserorden ist weltweit vor allem karitativ tätig. Mit dem Deutschen Caritasverband gründeten die Malteserritter 1953 den Malteser Hilfsdienst. Als Fachverband der Caritas zählt der Malteser Hilfsdienst heute bundesweit 28.000 aktive und 830.000 fördernde Mitglieder. Über 13.200 Mitarbeiter sind hauptamtlich beschäftigt. 9100 Kinder und Jugendliche engagieren sich in der Malteser Jugend. Seit 1958 begleiten Malteser vor allem die Kranken- und Behindertenwallfahrten nach Lourdes. In den vergangenen Jahrzehnten übernahm der Orden die Trägerschaft mehrerer Krankenhäuser und Altersheime in Deutschland.

Es gibt auch einen weiblichen Zweig, die Malteser Schwestern.

Weblinks

Generalleitung des Souveränen Maltesterordens, Rom
Deutsche Assoziation des Malteserordens
Großpriorat von Österreich
Helvetische Assoziation des Malteserordens, Luzern

Geschichte

 

Jean Parisot de La Vallette, 49. Großmeister des Ordens und Gründer der Stadt Valetta

Der Orden führt seinen Ursprung bis 1048 zurück, wo Kaufleute aus Amalfi in Jerusalem eine Kirche gründeten nebst einem Mönchskloster, verbunden mit einem Hospital und einer dem hl. Johannes geweihten Kapelle; nach ihm hießen die zur Pflege der Pilger verpflichteten Mönche Johanniter oder Hospitalbrüder.

Sie erhielten 1113 von Papst Paschalis II. eine Ordensverfassung. Raimund von Puy, ihr zweiter Vorsteher, verwandelte den Orden Anfang des 12. Jahrhunderts in einen geistlichen Ritterorden, teilte seine Mitglieder in Ritter zur Kriegführung, in Kaplane und in dienende Brüder zur Pflege der Kranken und nannte sich Ordensmeister.

Mit Vorrechten ausgestattet, entartete der Orden bald; nach der Eroberung Jerusalems durch die Muslime (1187) verlegte er seinen Sitz nach Ptolemais, später nach Zypern, von da 1309 nach dem eroberten Rhodos. Hier wurde er völkerrechtlich souverän. Von den Türken wiederholt bekämpft, mußte der Orden unter dem Großmeister de l’Isle Adam Rhodos 1522 Suleiman II. übergeben, worauf ihm Karl V. 1530 Malta, Gozo und Comino als Lehen überließ (daher auch Malteserritter). Auf Malta kam der Orden im 17. und 18. Jahrhundert zu großer Blüte vor allem in der Krankenpflege.

Nach der Reformation im 16. Jahrhundert kam es zur Ordensspaltung. Der evangelische Zweig besteht unter dem Namen Johanniterorden weiter, der katholische als Malteserorden.

Der Malteserorden behauptete seine Selbständigkeit bis zur Vertreibung durch Napoleon 1798. Für den Malteserorden bedeutete das Verlassen der Mittelmeerinsel den absoluten Tiefpunkt seiner Geschichte. Der russische Zar nahm die Malteser vorübergehend in Sankt Petersburg auf und rettete so einen großen Teil des Ordens.

Trotz des Verlustes seines Staatsgebiets 1798 blieb der Orden souverän. 1826 erlaubte ihm der Papst, das Ordenskapitel nach Ferrara, 1834 nach Rom zu verlegen, wo es sich noch heute befindet.

Zum 900. Jubiläum des Ordens 1999 schlossen die Regierungen von Malta und des Malteserordens einen Vertrag, der dem Orden das Fort Sant Angelo auf Malta für 99 Jahre überlässt.

 

Der Orden ist in drei Stände unterteilt:

1. Stand: Justizritter oder Professen, legen die Gelübde Armut, Keuschheit und Gehorsam ab.

2. Stand: Obedienzritter, versprechen den Gehorsam. Zu dieser Gruppe gehören die Ehren- und Devotionsritter und -Damen in Oboedienz, die – Gratial- und Devotionsritter und -Damen in Oboedienz und die Magistralritter und -Damen in Oboedienz

3. Stand: Laienmitglieder, legen kein Gelübde (Profess) oder Versprechen (Promess) ab, sind aber bereit gemäß den Normen der Kirche zu leben und im Geiste des Ordens gegen das achtfache Elend (Krankheit, Verlassenheit, Heimatlosigkeit, Lieblosigkeit, Hunger, Schuld, Unglaube und Gleichgültigkeit) zu kämpfen. Sie sind in sechs Kategorien gegliedert: Ehren- und Devotions-Ritter und -Damen, Ehren-Konventualkapläne, Gratial- und Devotions-Ritter und -Damen, Magistralkapläne, Magistralritter und -Damen und Devotionsdonaten und -donatinnen

An der Spitze des Ordens steht ein aus den Reihen der Professritter vom Großen Staatsrat auf Lebenszeit gewählter Großmeister. Er übt die höchste Amtsgewalt aus. Ihm zur Seite steht der Souveräne Rat (die Ordensregierung), der sich aus den vier Hohen Ämtern zusammensetzt – dem Großkomtur, dem Großkanzler, dem Großhospitalier und dem Rezeptor des Gemeinsamen Schatzamtes – sowie aus sechs weiteren Mitgliedern, die mit einem Mandat von fünf Jahren vom Generalkapitel gewählt werden. Das Generalkapitel tagt alle fünf Jahre.

Zum Orden gehören auch Geistliche (Kapläne), die wie die Ritter des 1. Standes Ordensleute im Sinne des Kirchenrechtes sind, aber nicht zu einem Leben in der Gemeinschaft verpflichtet sind.

Aufnahme in den Orden

Für jeden Stand gibt es eigene Zulassungserfordernisse, die im Codex des Ordens geregelt sind. Die Kandidaten werden durch den Orden angesprochen. Es ist nicht möglich sich selbst zur Aufnahme in den Orden vorzuschlagen.

Der Malteserorden ist ein religiöser Laienorden mit militärisch-ritterlicher und adeliger Tradition. Sein Leitwort ist: Tuitio Fidei et Obsequium Pauperum – Bezeugung des Glaubens und Dienst an den Armen und Kranken. Schutzpatron des Ordens ist der Hl. Johannes der Täufer; Kennzeichen des Ordens ist das achtspitzige Malteserkreuz.

Der Souveräne Malteserorden ist als staatsähnliches Völkerrechtssubjekt ohne Staatsgebiet anerkannt. Der Ordenssitz auf dem Aventin in Rom gilt als exterritoriales Gebiet.

Der Orden hat weltweit über 10.000 Mitglieder (Ritter und Damen) und unterhält mit über 100 Staaten diplomatische Beziehungen und Vertretungen bei zahlreichen internationalen Organisationen. In sechs Staaten, darunter Deutschland, unterhält er eine ständige Vertretung und genießt einen Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen (UNO). Er prägt eigene Münzen, gibt Briefmarken heraus und führt ein eigenes Autokennzeichen (SMOM).

Der Malteserorden ist weltweit vor allem karitativ tätig. Mit dem Deutschen Caritasverband gründeten die Malteserritter 1953 den Malteser Hilfsdienst. Als Fachverband der Caritas zählt der Malteser Hilfsdienst heute bundesweit 28.000 aktive und 830.000 fördernde Mitglieder. Über 13.200 Mitarbeiter sind hauptamtlich beschäftigt. 9100 Kinder und Jugendliche engagieren sich in der Malteser Jugend. Seit 1958 begleiten Malteser vor allem die Kranken- und Behindertenwallfahrten nach Lourdes. In den vergangenen Jahrzehnten übernahm der Orden die Trägerschaft mehrerer Krankenhäuser und Altersheime in Deutschland.

Es gibt auch einen weiblichen Zweig, die Malteser Schwestern.

 

 

Wappen der Malteser   

Der Malteserorden - mit vollem Namen Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom Hl. Johannes zu Jerusalem, genannt von Rhodos, genannt von Malta - ist der katholische Zweig des alten Johanniterordens. Nachdem der Ordensstaat der Johanniter auf der Mittelmeerinsel Rhodos 1522 von den Türken erobert worden war und der deutsche Ordenszweig Brandenburg sich der Reformation angeschlossen hatte, konnte der katholische Zweig neu aufgebaut werden. Er erhielt von Kaiser Karl V. 1530 die Insel Malta - daher die Bezeichnung Malteser - als Lehen und konnte nun dort seine Wirksamkeit entfalten. 1565 gelang es unter Großmeister Jean de la Vallette, einen Türkenangriff abzuwehren; die nun neu errichtete Hauptstadt wurde ihm zu Ehren Valetta benannt. Es entstanden die modernsten medizinischen Einrichtungen der damaligen Zeit, 1575 wurde in Valetta ein Hospital für 700 Patienten gebaut. Erneut wurden Festungen errichtet und eine Flotte zur Verteidigung des Abendlandes gegen die Türken aufgebaut. 1548 erhielt der Großprior in Deutschland von Kaiser Karl V. für sich und seine Nachfolger die Würde eines Reichsfürsten.

 

Jean de la Vallette-Parisot. Großmeister des Ordens von 1557 bis 1568, Begründer der Stadt Valetta   

Der Belagerung von Malta durch das Türkenheer im Jahr 1565 konnte der Malteserorden widerstehen. Aber während der Reformation verloren die Malteser ihre englischen und deutschen, während der Französischen Revolution ihre französischen Besitzungen, dennoch spielte der Orden bis weit ins 19. Jahrhundert hinein in der europäischen Geschichte eine bedeutende Rolle. Die Russen boten sich als Schutzmacht an, doch konnte das napoleonische Heer die Insel 1798 - nach fast 270 Jahren Ordenspräsenz auf Malta - kampflos einnehmen; letzter Großmeister des Ordens in Malta war der Deutsche Ferdinand von Hompesch. 1798 verlagerte sich der Konvent nach Triest, 1834 siedelte er nach Rom über; zu diesem Zeitpunkt hatte Russland sämtliche Güter der Ritter innerhalb seiner Territorien konfisziert. Der Orden behielt seine völkerrechtliche Souveränität, der neue Sitz in der Via dei Condotti ist auch heute noch exterritoriales Gebiet.

1859 wurde für die katholischen Ordensritter, die seit der Auflösung des katholischen Großpriorats in Folge der Napoleonischen Säkularisation in Deutschland keine Organisation mehr hatten, die Genossenschaft der Rheinisch-Westfälischen Malteserritter und 1867 der Verein der Schlesischen Malteserritter gegründet. Sie schlossen sich 1992 zur Deutschen Assoziation des Souveränen Malteser-Ritterordens zusammen.

Die Malteser bilden heute eine religiöse Gemeinschaft und einen Ritterorden. Letzterer unterteilt sich in fünf große Priorate und eine Anzahl nationaler Versammlungen, die diplomatische Verbindungen zum Vatikan und verschiedenen Ländern pflegen. 1998 hatte der Souveräne Malteser-Ritterorden 12.000 Mitglieder in 42 nationalen Assoziationen, er unterhält diplomatische Beziehungen zu 81 Staaten, hat Beobachterstatus in der UNO und ist mit einer Vielzahl von Hilfswerken und Hilfsprogrammen weltweit caritativ tätig; er unterhält Krankenhäuser, Unfallambulanzen sowie Versorgungseinrichtungen für Kriegsopfer und Flüchtlinge.

 

Wappen der Malteserritter

In Deutschland wurde für die katholischen Ordensritter 1859 die Genossenschaft der Rheinisch-Westfälischen Malteserritter und 1867 der Verein der Schlesischen Malteserritter gegründet, beide schlossen sich 1992 zur Deutschen Assoziation des Souveränen Malteser-Ritterordens zusammen. In Deutschland hatte der Orden im Jahr 2500 rund 500 Ordensritter und 125 Ordensdamen sowie 75 Schwestern. 1953 erfolgte die Gründung des Malteser-Hilfsdienstes durch zwei deutsche Malteser-Assoziationen und den Deutschen Caritasverband. So ist der Orden heute in Deutschland Träger des Malteser-Hilfsdienstes, der 28 Krankenhäuser, Hospize, Alten- und Pflegeheime betreibt, Umsiedler und Asylbewerber betreut, Katastrophenhilfe, Ausbildung in Erster Hilfe, Betreuung Schwerkranker auf Pilgerfahrten, z.B. nach Lourdes, und anderes mehr leistet.

Malteserritter tragen schwarze Mäntel mit dem weißen, achtspitzigen Malteserkreuz. Der Rang des als Prinz angeredeten Großmeisters entspricht dem eines Kardinals.

Die Malteser im Internet präsentieren sich mit einigen Informationen über den Orden und vielen Seiten über die Arbeit des Hilfsdienstes, auch mit vielen links zu den Organisationen.

Die Behauptung, der Malteserorden sei ein souveränes Völkerrechtsobjekt, weitgehend einem eigenen Staat gleich, hat ihre Begründung in der Behauptung der historischen Kontinuität des Ordens. Sorgfältige Lektüre der Arbeit von Susanne Frodl, die versucht, die Entwicklung des Souveränen Malteser Ritterordens zum Völkerrechtssubjekt nachzuweisen, zeigt, dass Zweifel an dieser Argumentation aufkommen können